Abt Johannes Eckert
Abt Johannes Eckert
Heute geht es auf den Heiligen Berg Bayerns, ins Kloster Andechs!
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Ein Blick in die Andechser Wallfahrtskirche
Ein Blick in die Andechser Wallfahrtskirche

28.07.2019

Abt Johannes über das Kloster Andechs und den Mönch als "Gottsucher" "Gastfreundschaft ist Gottesdienst"

Ingo Brüggenjürgen hat das Ziel seiner multimedialen Fahrrad-Pilgerreise erreicht. Er ist in Kloster Andechs angekommen und wurde dort von Abt Johannes Eckert empfangen.

DOMRADIO.DE: Pilgern Zwei Null 19: und das Ziel ist erreicht. Ich bin hier oben in Andechs angekommen und bin erfreut, dass sich Abt Johannes extra Zeit genommen hat, den Pilger aus Köln zu begrüßen. Der Kardinal in Köln hat mich mit dem Reisesegen auf die Reise geschickt - Sie nehmen mich jetzt hier in Andechs in Empfang. Sie nehmen schon seit Jahrhunderten immer wieder Pilger in Empfang?

Abt Johannes Eckert (Abt von Kloster Andechs): Ja, dafür ist unser Kloster gegründet worden im Jahr 1455, dass wir uns um die Wallfahrt kümmern, die hier seit tausend Jahren besteht, also die älteste bayerische Wallfahrt ist. Das ist eigentlich eine schöne Aufgabe, weil es unserem Benediktinischen sehr entspricht, der Gastfreundschaft. Benedikt ist es sehr wichtig, dass der Gast gut versorgt wird. So hoffe ich, dass Sie auch hier am Ziel ihrer Reise gut versorgt werden.

DOMRADIO.DE: Hier kommen so viele Pilger immer wieder gerne auf den Berg hinauf. Er ist geradezu ein Magnet. Ist das auch eine Chance für Sie, nicht nur die Gastfreundschaft auszuüben, sondern auch missionarisch tätig zu sein?

Abt Johannes: Ich denke, Gastfreundschaft ist Gottesdienst. In Matthäus 25, was ja auch Benedikt zitiert, heißt es: "Ich war nackt und obdachlos" oder "Ich war fremd und ihr habt hat mich aufgenommen". Von daher glaube ich, ist das schon ein Ort der Gottesbeziehung, ein Gottesdienst – auch unbewusst. Natürlich kommen viele Fragen, wenn jemand mich als Mönch wahrnimmt. Dann kommt man schnell ins Gespräch, zum Beispiel in der Braustube. Es wäre meines Erachtens ein ganz neues Feld der Pastoral, weil Menschen hier Zeit haben, der Ort sie bewegt – da kann man gut mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Insgesamt ist es ja so: Unser Kirchenschiff ist in einem sehr schweren Fahrwasser, man kann auch sagen, wir befinden uns in einer großen Kirchenkrise. Da sagen viele, dass wir uns gerade an den Orden vielleicht noch festhalten könnten. Sie haben ja eine lange Tradition. Die Benediktiner sind auch durch gute und schwere Zeiten gegangen.

Abt Johannes: Genau, die Benediktiner sind auch durch Aufs und Abs gegangen. Wir erleben, dass auch unsere Gemeinschaften kleiner werden. Ich sehe das eigentlich weniger tragisch, weil es darauf ankommt, wie man miteinander lebt und wie man miteinander umgeht. Da kann ja auch eine kleine Gemeinschaft eine große Chance sein. Mit dem, was wir können, in unseren beiden Klöstern, in München und hier in Andechs, versuchen wir, das zu leben - und da spürt man auch, dass das für viele Menschen wichtige Orte sind.

DOMRADIO.DE: Jetzt bin ich auf meiner Pilgerreise immer auf der Suche nach persönlichen Glaubenszeugen. Da ist natürlich ein Abt auch jemand, dem Gott immer wieder persönlich begegnet. Wo begegnet Ihnen Gott im Alltag ganz konkret?

Abt Johannes: Also, ich denke, zunächst einmal müssen wir da sensibel bleiben. Der Mönch ist ein Gottsucher. Ich glaube, das ist das Wichtige, was mit den Menschen in unserer Zeit leben sollten: dass wir nicht immer gleich die Antworten haben, sondern dass wir auf der Suche bleiben. Auch ist es spürbar, dass wir nichts fest haben in unserem Leben. Das ist das Erste, was mir wichtig ist. Das Zweite ist: Es sind viele Begegnungen mit Menschen, wo ich spüre: Ja, da begegnet mir in dem Anderen, mit seinen Fragen und mit seinen Problemen, Gott. Da muss ich auch ganz präsent sein. Das spiegelt sich dann wieder, wenn wir uns zum Psalmengebet versammeln, wo ja auch das ganze Leben vorkommt. Oder zur Eucharistie, wo man dann auch danksagt. Ich denke aber, dass es ganz wichtig ist, für die Begegnung mit Menschen eine hohe Sensibilität zu haben.

DOMRADIO.DE: Dann bleiben wir auf der Pilgerreise durchs Leben gemeinsam auf der Suche nach Gott. Herzliches Dankeschön, Abt Johannes Eckert, für diesen freundlichen Empfang auf Andechs.

Das Interview wurde geführt von Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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