Die Kirchenzeitungen "Bonifatiusbote", "Der Sonntag", und "Glaube und Leben"
Die Kirchenzeitungen "Bonifatiusbote", "Der Sonntag", und "Glaube und Leben"
Bischof Michael Gerber
Bischof Michael Gerber

11.07.2019

Bischof Gerber zum angekündigten Aus des "Bonifatiusbote" Künftiger Medien-Schwerpunkt "im digitalen Bereich"

Die Bistümer Mainz, Limburg und Fulda haben angekündigt, ihre Bistumszeitungen nur bis Ende 2023 weiterzuführen. Im Interview spricht Fuldas Bischof Michael Gerber als Herausgeber der Zeitung "Bonifatiusbote" über Kritik an der Entscheidung.

KNA: Die drei Diözesen Mainz, Limburg und Fulda begründen das Aus ihrer Bistumszeitungen mit der wirtschaftlichen Lage und einem dramatischen Auflagenrückgang. Die Gesamtauflage der drei eng kooperierenden Blätter ist den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren von rund 40.000 auf etwa 21.000 Exemplare gesunken. Herr Bischof, der Katholische Medienverband (KM.) sieht in der Ankündigung der drei Bistümer eine "fast kurzschlüssige Handlung", die nicht in die Zukunft weise. Bei einer Auflage von 21.000 Exemplaren und einer gut doppelt so großen Leserschaft gehe der Kirche eine "große Kontaktfläche" verloren.

Bischof Michael Gerber (Bischof von Fulda): Ich bin sehr dankbar, wie der "Bonifatiusbote" meine ersten Wochen und Monate als Bischof von Fulda begleitet hat. Da arbeiten Journalisten mit hohem Engagement, die versuchen, die Themen, die relevant sind für das Bistum und die Gesellschaft, aufzugreifen. Sie geben ihr Bestes. Ich kann aber meine Augen nicht davor verschließen, dass die Auflagenzahl des "Bonifatiusboten" so eklatant zurückgegangen ist.

KNA: Laut der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) hatte der "Bonifatiusbote" im ersten Quartal 2019 eine Druckauflage von 5.327 Exemplaren. Die verkaufte Auflage lag nur bei 4.533 Exemplaren, davon gingen 3.108 an Abonnenten...

Gerber: Ich muss dabei also berücksichtigen, dass ein Teil der Auflage vom Bistum selbst bezahlt und dann an kirchlichen Orten ausgelegt wird. Deshalb bin ich unsicher, wie viele der Menschen, die sich in unserer Kirche engagieren, wir tatsächlich durch die Bistumszeitung erreichen. Das kann mir nicht egal sein.

KNA: Welche Überlegungen gibt es für die Zukunft?

Gerber: Uns beschäftigen folgende Fragen: Wie stellen wir uns medial auf? Wie greifen Printmedien, Soziale Netzwerke und weitere Onlineformate deutlich stärker ineinander? Dafür wollen wir bis 2023 eine Lösung finden. Es wäre zu kurz gegriffen, zu sagen: Wir geben den "Bonifatiusboten" auf und damit ist Schluss. Im Gegenteil: Wir müssen überlegen, wie wir eine deutlich größere Zahl von Menschen erreichen können - sowohl der kirchlich engagierten als auch derer, die es noch nicht sind.

KNA: Denken Sie dabei eher an Medien im digitalen oder im Printbereich?

Gerber: Ich halte es für notwendig, dass es auch künftig eine Form von Printmedium im Bistum geben sollte, gerade auch für ältere Leser, also auf deren Leseverhalten angepasst. Doch der Schwerpunkt wird aufgrund des sich ändernden Leseverhaltens sicher deutlich im digitalen Bereich sein. Denn da kann man ganz anders reagieren. Man sieht ja, welche Möglichkeiten das Internet heute bietet.

KNA: Sie sprechen außer von medialen Umbrüchen auch von einer wachsenden und "radikalen Pluralität" von Lebensentwürfen. Wie gehen Sie und die katholische Kirche insgesamt damit um?

Gerber: Das Smartphone ist heute der ständige Begleiter junger Menschen. Sie machen dadurch die Grunderfahrung, innerlich ständig in unterschiedlichen Lebenswelten unterwegs zu sein. Als junger Mensch erlebt man heute viel weniger als früher, dass man sich für ein bestimmtes Angebot, für einen bestimmten Termin entschieden hat, ganz dort ist und erst danach zum nächsten geht. Junge - und auch ältere - Leute switchen heute mittels des Smartphones immer wieder von der realen in die digitale Welt. Die Kirche muss Wege finden, sie in diesen unterschiedlichen Welten zu erreichen.

Das Interview führte Norbert Demuth.

(KNA)

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