Ein Marker der Wiedervereinigung: der Berliner Mauerfall 1989
Berliner Mauer
Magdeburger Kathedrale St. Sebastian
Magdeburger Kathedrale St. Sebastian
Kathedrale St. Jakobus in Görlitz
Kathedrale St. Jakobus in Görlitz
Blick auf den Dom Sankt Marien (l.) und die Sankt-Severi-Kirche (r.) in Erfurt
Blick auf den Dom Sankt Marien (l.) und die Sankt-Severi-Kirche (r.) in Erfurt

08.07.2019

Vor 25 Jahren: Katholische Kirche gründet ostdeutsche Bistümer Mauerfall macht Neustart möglich

Das Ende der DDR machte den Weg frei zur territorialen Neuordnung der katholischen Kirche in Ostdeutschland. Vor 25 Jahren wurden neue Bistümer gegründet. Verbunden waren damit Hoffnungen und Chancen.

Die katholische Kirche denkt und handelt auf lange Sicht. So bestehen die Grenzen mancher Bistümer seit Jahrhunderten.

Allenfalls politische Umwälzungen wie die Neuordnung Deutschlands durch Napoleon wirken sich auch auf die Kirchenterritorien aus.

Gründung und Ende der DDR waren ebenfalls solche Einschnitte.

Katholiken von Bischöfen abgeschnitten

Der Eiserne Vorhang zwischen West und Ost hatte zur Folge, dass weite Gebiete im sowjetischen Machtbereich, in denen Katholiken in der Minderheit waren, von ihren Bischöfen abgeschnitten wurden. So gehörten die Katholiken in Mecklenburg zum damaligen Bistum Osnabrück und die in Sachsen-Anhalt zumeist zum Erzbistum Paderborn, für Thüringen waren es die Bistümer Fulda und Würzburg.

Sonderfälle bildeten das Görlitzer Kirchengebiet westlich des neuen Grenzflusses Neiße, das zuvor zum nun polnischen Erzbistum Breslau (Wroclaw) gehörte, und das Bistum Berlin, das auch West-Berlin umfasste. Einzig das Bistum Meißen, heute Dresden-Meißen, war durch die Nachkriegsgrenzen nicht betroffen.

Die Folgen des Krieges stellten die katholischen Gemeinden in der DDR zugleich vor große pastorale Probleme. Flüchtlinge und Vertriebene ließen sie zeitweise um ein Mehrfaches wachsen. Rom sah sich genötigt zu reagieren. So erhielten die Kirchenterritorien von Schwerin, Magdeburg, Erfurt-Meiningen und Görlitz, die zunächst von "Bischöflichen Kommissaren" geleitet wurden, in den 1970er Jahren "Apostolische Administratoren" im Bischofsrang. Kirchenrechtlich waren es keine Diözesen, wie es die DDR-Oberen gerne gehabt hätten, um der staatlichen Teilung keinen kirchlichen Vorschub zu leisten.

Eigenes Bistumsbewusstsein entwickelt

Nach der Wiedervereinigung stellte sich die Frage einer Neuordnung auf neue Weise. Eine Rückkehr zu den Vorkriegsstrukturen wäre möglich gewesen, zumal die westdeutschen Mutter-Bistümer ihre DDR-Ableger personell und materiell noch nach der Wende unterstützten. Doch in Erfurt und Magdeburg hatte sich in den 40 Jahren ein eigenes Bistumsbewusstsein entwickelt.

Für ein eigenes Bistum Görlitz sprachen überdies die besonderen schlesischen Traditionen, die dort gepflegt werden. In Berlin war es die wieder gewonnene Hauptstadtrolle, die Papst Johannes Paul II. bewog, das Bistum zum Erzbistum zu erheben. Eine Ausnahme bildete indes das Mecklenburger Kirchengebiet, das am 24. Oktober 1994 dem neu gebildeten Erzbistum Hamburg zugeordnet wurde.

Die Bestrebungen zu den Bistumsneugründungen wurden auch aus der Politik gestützt. Anstelle der Bezirke der DDR-Zeit formierten sich erneut Bundesländer. "Die Phase des inneren Aufbaus unserer Länder ist noch in vollem Gange und dabei mit manchen Brüchen und Umbrüchen verbunden", erklärte Sachsen-Anhalts damaliger Ministerpräsident Christoph Bergner (CDU): "Die Kirche hat hier eine immens wichtige Aufgabe."

"Großmütiger Akt" der Mutterdiözesen

Nach den erforderlichen Verhandlungen der Bundesländer mit Rom trat die Neuordnung der Bistumsstrukturen vor 25 Jahren, am 8. Juli 1994, in Kraft. Selbstverständlich war sie nicht. Es sei "ein sehr großmütiger Akt", dass die Mutterdiözesen angesichts ihrer langen Solidarität der Abtrennung und Verselbstständigung zugestimmt hätten, hob der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz und spätere Kardinal Karl Lehmann hervor.

Unerfüllte Hoffnungen

Verbunden war der kirchliche Neustart auch mit vielen Hoffnungen, die sich nicht erfüllten. Zwar ist der sonntägliche Gottesdienstbesuch überdurchschnittlich hoch, doch die Mitgliederzahlen gingen durch Abwanderung in den Westen und Austritte stetig zurück. Im Bistum Magdeburg sanken sie von 180.000 im Jahr 1994 auf 82.000 im Jahr 2017, im Bistum Erfurt von 212.000 auf 148.000.

Das Bistum Görlitz hatte einen Rückgang von 51.000 auf 30.000, weist durch Zuwanderung aus Polen aber wieder eine steigende Tendenz auf. Migration sorgt auch im Erzbistum Berlin dafür, dass die Mitgliederzahlen von 396.000 auf 413.000 gestiegen sind.

Zugleich nutzten die neuen Bistümer Chancen, die ihnen der freiheitliche Staat bot. So wirken sie durch die Gründung Katholischer Akademien und Schulen stärker in die Gesellschaft hinein, als es ihrer Minderheitenlage eigentlich entspräche.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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