Das Flüchtlingsrettungsschiff Sea-Watch im Mittelmeer
Das Flüchtlingsrettungsschiff Sea-Watch im Mittelmeer
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße

04.07.2019

Flüchtlingsbischof Heße: Seenotrettung unverzichtbar "Ertrinkende muss man retten, ohne Wenn und Aber"

Der katholische Flüchtlingsbischof Stefan Heße hat die Freilassung der Kapitänin der "Sea Watch 3", Carola Rackete, begrüßt. Zurückhaltend äußerte sich Heße in der Frage, ob die Kirche ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken sollten.

"Frau Rackete folgte einem klaren ethischen Imperativ: Ertrinkende muss man retten, ohne Wenn und Aber", sagte der Hamburger Erzbischof am Donnerstag dem Internetportal katholisch.de in Bonn. "Das passt auch sehr gut mit dem Evangelium zusammen. Wer wie die Kapitänin ein Menschenleben rettet, steht in der Nachfolge Jesu."

Aus humanitärer Notlage heraus gehandelt

Rackete habe aus einer klaren humanitären Notlage heraus gehandelt, fügte Heße hinzu. "Ich bewerte das als eine sehr fundierte Entscheidung und nicht als willkürlichen Gesetzesbruch."

Der Erzbischof sprach sich für eine gemeinsame europäische oder internationale Flüchtlings- und Migrationspolitik aus. "Dabei ist Seenotrettung nur ein Element." Solange die Staaten zu so einer gemeinsamen Lösung nicht in der Lage seien - oder das sogar verweigern - halte er eine privat organisierte Seenotrettung für notwendig.

Zurückhaltend zeige sich der Erzbischof zu Forderungen, die Kirchen sollten selber ein Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken. "Ich habe von dem Vorschlag gehört und finde, dass damit ein starkes Signal gesetzt wird", sagte er. Ob allerdings die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) oder die Deutsche Bischofskonferenz die richtigen Träger seien, sei für ihn fraglich. Es wäre besser, wenn Nichtregierungsorganisationen tätig würden.

"Asylverfahren müssen klar geregelt sein"

Heße betonte zugleich, dass es auf Seiten der katholischen Kirche konkrete Taten gebe. Einzelne Bischöfe hätten sich bei Rettungsmissionen finanziell eingebracht. Ein Pfarrer des Erzbistums Köln habe die Seenotrettungsorganisation MOAS seelsorglich begleitet.

Mit Blick auf eine europäische Flüchtlingspolitik forderte der Erzbischof, es müsse sichere und legale Wege nach Europa geben. "Asylverfahren müssen klar geregelt sein; sie müssen verlässlich und transparent durchgeführt werden." Außerdem müsse jeder Staat seiner Verantwortung nachkommen.

"Hass und Hetze treten wir entschieden entgegen"

"Rassismus und Fremdenfeindlichkeit widersprechen der Botschaft Jesu", sagte der Sonderbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen am Donnerstag beim Katholischen Flüchtlingsgipfel in Essen. "Hass und Hetze treten wir entschieden entgegen."

Als Christen stehe das außerfrage. "Wir sind aufgerufen, Geflüchtete aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren", so Heße weiter. Gemeinsames Ziel müsse es sein, die Stimme der Mitmenschlichkeit, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit laut werden zu lassen. Ausdrücklich dankte der Sonderbeauftragte den Haupt- und Ehrenamtlichen in der katholischen Flüchtlingsarbeit. "Sie verkörpern katholische Solidarität mit den Notleidenden und Bedrängten."

5.100 hauptamtliche in Flüchtlingsarbeit der Kirche aktiv

In der Flüchtlingsarbeit der katholischen Kirche in Deutschland waren Ende 2018 nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 5.100 hauptamtliche Mitarbeitende beschäftigt, rund 51.000 Frauen und Männer engagierten sich als ehrenamtliche Helfer. Knapp 37,5 Millionen Euro Sondermittel flossen in die Flüchtlingshilfe im Inland.

Beim vierten Katholischen Flüchtlingsgipfel in Essen diskutierten am Donnerstag rund 100 Experten, Haupt- und Ehrenamtliche aus ganz Deutschland über "Herausforderungen kirchlicher Flüchtlingsarbeit im Umgang mit Fremdenfeindlichkeit". Am Abend sollte zudem der Katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus an vorbildliche Projekte verliehen werden.

(KNA, epd)

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