Turm der Liebfrauenkirche in Frankfurt
Turm der Liebfrauenkirche in Frankfurt
Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte

16.06.2019

Sanierung der Frankfurter Liebfrauenkirche abgeschlossen "Für uns hat es eine Öffnung bedeutet"

An diesem Sonntag wird die "neue" Liebfrauenkirche des Cityklosters der Kapuziner wiedereröffnet. Bruder Paulus freut sich auf die Feier. Dennoch möchte er die Zeit, in der er mit seinen Mitbrüdern ausgelagert wurde, nicht missen.

DOMRADIO.DE: Sie haben bestimmt einiges an Vorfreude auf das große Fest, oder?

Bruder Paulus Terwitte (Kapuziner im Kloster Liebfrauen, Frankfurt): Ja, es ist eine große Freude, dass die Kirche in neuem Glanz wieder eröffnet wird. Wir Brüder waren in dieser Zeit ein Jahr lang ausgelagert und hatten in evangelischen und katholischen Kirchen Eucharistie gefeiert. Jetzt am Sonntag ist die Kirche endlich wieder offen. Das ist toll.

DOMRADIO.DE: Die Kirche war zwei Jahre geschlossen. Die Stadt Frankfurt, die Eigentümerin der Kirche ist, hat 1,8 Millionen Euro investiert. Für das Geld kriegt man im Bistum Limburg auch schon eine Badewanne, oder?

Bruder Paulus (lacht): Ja, das kann man so sagen. Gott sei Dank haben wir dieses Kapitel einigermaßen abgeschlossen, auch wenn alle noch auf ein Wort der Entschuldigung von Bischof Tebartz van Elst warten. Aber der neue Bischof, Georg Bätzing, ist mit ihm im Gespräch. Das ist ein anderes Kapitel. Er kommt am Sonntag zu uns, nachdem er mit Altbischof Franz Kamphaus dessen Bischofsjubiläum gefeiert haben wird. Um 16 Uhr ist er dann bei uns, wird den Altar weihen und die Kirche öffnen. Wir hoffen auf ein sehr schönes Fest bei strahlendem Wetter.

DOMRADIO.DE: Was ist alles passiert mit dem Geld?

Bruder Paulus: In den zwei Jahren wurde vor allen Dingen der Anstrich erneuert. Es wurden alte Schlusssteine von den Gründern der Kirche freigelegt – da gab es noch zwei, drei alte Schlusssteine von 1350. Dann haben wir die Kassettendecke neu gefasst. Alle Fenster wurden geputzt – die sind von Wilhelm Geier, einem von den Nazis verfolgten Glaskünstler, der übrigens auch im Kölner Dom gearbeitet hat. Wir haben den Altar reingestellt und etwas abgesenkt und hoffen, dass für die Gemeinde so noch mehr Verbundenheit mit dem Altar möglich wird.

DOMRADIO.DE: Die eigentliche Eröffnung war schon für April geplant. Warum hat sich das verschoben?

Bruder Paulus: Naja, das ist bei Bauarbeiten immer wieder so, dass Neues auftaucht. Wir hatten schon Befürchtungen, dass die Arbeiten noch weiter verschoben werden müssen. Aber die Architekten und Handwerker haben ordentlich gearbeitet. Jetzt hat sich gezeigt, dass das mit dem Anstrich möglich ist. Die kilometerlangen Kabel waren ein Problem – die mussten alle neu gelegt werden. Es war auch die Frage, wie die Beleuchtung installiert werden kann. Das alles ist jetzt überwunden. Jetzt kann es losgehen.

DOMRADIO.DE: Sie haben erzählt, dass sie ein Jahr ausgelagert waren. Was bedeutet das für Sie als Ordensbrüder, wenn man nicht in seinem eigenen Kloster sein kann?

Bruder Paulus: Für uns hat es eine Öffnung bedeutet. Wenn man mit dem Ordensgewand durch die Stadt geht, wird man öfter angesprochen – das müssen wir uns merken und uns vielleicht irgendetwas für die Zukunf überlegen. Und es war eine historische Erinnerung, sonntags in evangelischen Kirchen Messe zu feiern, etwa in der Dreikönigskirche. Denn Franziskaner haben in der evangelischen Kirche die erste evangelische reformatorische Predigt gehalten. Die waren ganz vorne bei der Reformation in Frankfurt und jetzt waren wir wieder dort und haben die Messe gefeiert und ein gutes ökumenisches Miteinander erlebt.

Am Sonntag werden in der Liebfrauenkirche auch zwei evangelische Pfarrer mit Talar einziehen, um deutlich zu machen: Hier geht es um ein gemeinsames Bekenntnis an den Auferstandenen, der sein Volk immer wieder zur Einheit versammeln will.

DOMRADIO.DE: Bischof Georg Bätzing ist dabei und nimmt die Altarweihe vor. Sind sie dann gut gerüstet für die nächsten Jahrhunderte?

Bruder Paulus: Für die nächsten Jahrhunderte? Mal sehen. Wir denken heute kurzfristiger. Der Altar aus unserer Kirche, dem manche nachtrauern, ist erst 1981 aufgestellt worden. Für viele war der sehr zeitgebunden. Ebenso der Kreuzweg von Hetty Krist aus dem Jahr 1990, den sie toll gemacht hat – mit Abbildungen von Biafra-Kindern (Kinder aus der ehemaligen Republik Biafra, die für Unterernährung stehen, Anm. d. Red.), mit Autounfällen und ähnlichem.

Bei dem internationalen Publikum ist es aber für uns so, dass wir einen Kreuzweg brauchen, bei dem man die Fantasie schweifen lassen kann. Der neue Kreuzweg wurde nun von Herrn Becker freigelegt. Das ist für manche Leute auch traurig, aber die meisten sind froh, dass jetzt der neue Glanz zu spüren ist und sie wieder in "Frankfurts guter Stube", in die Liebfrauenkirche, gehen können.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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