Bischof em. Paul-Werner Scheele
Paul-Werner Scheele
Bischof em. Paul-Werner Scheele
Paul-Werner Scheele

11.05.2019

Früherer Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele gestorben Ein Leben für die Einheit der Christen

Er hat noch das Zweite Vatikanische Konzil miterlebt. Erstmals bekannte sich dort die katholische Kirche zum Dialog als Weg zur Einheit aller Christen. Dafür hat sich Paul-Werner Scheele bis zuletzt eingesetzt.

Die Ökumene bezeichnete er als seine "Lebensaufgabe". Doch Paul-Werner Scheele sprach nicht so gern von Ökumene, sondern lieber von "Weitervereinigung". So betitelte der langjährige katholische Würzburger Bischof auch eines seiner vielen Bücher. Das Schreiben war ebenfalls eine Leidenschaft des Westfalen mit der knorrigen Stimme. So nahm er auch als Journalist an der Schlussphase des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) teil. Nun ist Scheele, der von 1979 bis 2003 an der Spitze der Diözese Würzburg stand, gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

1928 in Olpe geboren, musste Scheele Kriegsdienst bei der Luftwaffe leisten. Nach dem Abitur studierte er Theologie und Philosophie in Paderborn und München. 1952 wurde Scheele zum Priester geweiht. Schnell schlug er eine akademische Karriere ein, wurde Theologieprofessor, unter anderem in Würzburg. 1975 wurde er Weihbischof, 1979 berief Papst Johannes Paul II. den Geistlichen an die Spitze des fränkischen Bistums.

Kirchlicher Pionier

Scheele war ohne Zweifel ein kirchlicher Pionier. Er war der erste katholische Bischof, der in den Weltrat der Kirchen in Genf berufen wurde. Und - was nicht viele wissen - er predigte als erster deutscher Bischof nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen. Von 1976 bis 2003 leitete er die Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Zeit war er an Meilensteinen wie der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 und - schon zum Ende seiner Amtszeit - dem Ersten Ökumenischen Kirchentag in Deutschland beteiligt, der 2003 in Berlin stattfand.

Das Etikett "Ökumene-Bischof" schmeckte dem Fan von Borussia Dortmund, der auf dem Fußballfeld einst auf halblinks stürmte, nie. Ökumene sei kein exotisches Hobby oder Spezialistensache. Sie sei Pflichtaufgabe für jeden Bischof, ja für alle Christen, wurde er nicht müde zu betonen. Auf die Frage von Papst Benedikt XVI., wie lange er sich damit schon beschäftigte, antwortete Scheele einmal: "Seit meiner Taufe".

Bischof mit Mutterwitz

Es ist wohl diese Art von Humor, die Kurienkardinal Walter Kasper an seinem Mitstreiter im Päpstlichen Einheitsrat so sehr schätzte, wenn er ihm "Mutterwitz" bescheinigte - und eine gehörige Portion "Eselsgeduld". Seit 1984 gehörte Scheele diesem Gremium an, und das sogar noch weitere fünf Jahre nach seinem Amtsverzicht im Jahr 2003 in Würzburg. Dazu wirkte er in zahlreichen weiteren internationalen Ökumene-Kommissionen mit, wo er nicht nur die Verständigung mit Lutheranern suchte, sondern auch mit altorientalischen Christen.

"Ich bin nicht auf Zeit getauft, nicht auf Zeit gefirmt und auch nicht auf Zeit geweiht", sagte er in einem Interview. Diesem Gedanken treu wirkte er in seinem Bistum bis ins hohe Alter noch als Seelsorger, hielt Gottesdienste, firmte und weihte Altäre. Auch die Predigt im Festgottesdienst zu seinem 90. Geburtstag hielt der wortgewandte Bischof im vergangenen Jahr noch selbst.

Ruhestand mit Büchern und Sportschau

Scheele verbrachte seinen Ruhestand in einer Wohnung über dem Würzburger Diözesanarchiv zwischen Bücherstapeln, die beileibe nicht nur aus theologischer Fachliteratur bestanden. Dass er wegen eines Augenleidens die letzten Jahre nicht mehr Klavier spielen oder weitere Bücher verfassen konnte, schmerzte ihn. Fester Bestandteil des Wochenprogramms blieb die "Sportschau".

Und natürlich verfolgte Scheele auch den Dialog der christlichen Konfessionen weiter. Das Ziel der «Gemeinschaft am Tisch des Herrn», auf das er beharrlich auch in kleinen Schritte hinarbeitete, hat er selbst nicht mehr erleben dürfen. Trotzdem war er bis zuletzt positiv gestimmt. So bilanzierte er zu seinem 90. Geburtstag: "Wenn ich auf das blicke, was sich in den vergangenen Jahrzehnten bewegt hat, dann kann ich optimistisch sein."

Christoph Renzikowski und Christian Wölfel
(KNA)

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