Frauenquote künftig bei katholischer Kirche in Deutschland
Mehr Frauen sollen in den Führungspositionen der Kirche arbeiten
Dr. Andrea Qualbrink
Dr. Andrea Qualbrink

13.04.2019

Theologin sieht keine Chancengleichheit in der Kirche "Kirche schließt Frauen kategorisch von Leitungspositionen aus"

Frauen in Leitungspositionen stören die Kirche. Diese These stammt von der Theologin Dr. Andrea Qualbrink. Für sie sind Frauen in den Schlüsselpositionen der Kirche unterrepräsentiert. Die Gründe dafür liegen in den Bistümern selbst.

DOMRADIO.DE: Sie haben in Ihrer Studie die These aufgestellt, dass Frauen in Leitungspositionen die Kirche stören. Warum stören Frauen die Organisation Kirche?

Dr. Andrea Qualbrink (Theologin und Referentin im Stabsbereich Strategie und Entwicklung im Bistum Essen): Die Frauen stören die Organisation Kirche als produktive Irritationen. Sie stören die Kirche, weil sie zeigen: Kirche kann nicht so bleiben, wie sie ist. Die Frauen in den Leitungspositionen zeigen ganz deutlich, dass das Gesicht der Kirche mindestens aus Männern und Frauen besteht. Mit ihrer Tätigkeit in Führungspositionen zeigen die Frauen, dass die Struktur sie nach wie vor benachteiligt. Sie sind unterrepräsentiert. Das passt so nicht mehr.

DOMRADIO.DE: Wie schwer haben es Frauen heute in der Kirche?

Qualbrink: Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz habe ich unter anderem die Rolle der Frauen in Leitungspositionen in Ordinariaten und Generalvikariaten untersucht. Da zeigte sich zwischen 2013 und 2018 eine Erhöhung auf der oberen und mittleren Leitungsebene. Einmal von 13 auf 19 Prozent und einmal von 19 auf 23 Prozent. Heißt aber umgekehrt: Frauen sind in diesen Leitungsfunktionen noch ganz stark unterrepräsentiert.

Das liegt nicht in erster Linie an den Frauen selbst. Ganz im Gegenteil, es liegt in erster Linie an den Organisationen selbst und in den stereotypen Vorstellungen, wie Frauen und Führungskräfte sind. Diese Vorstellungen sind zum Teil unbewusst. Sie strukturieren aber vor, wer in Leitungspositionen hinein gefördert wird, wer akquiriert wird, wer diese Leitungspositionen überhaupt erreicht. Diese Vorstellungen haben sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

DOMRADIO.DE: Priester sind ja gemäß der Nachfolge Jesu nur Männer. Der klerikale Beruf ist also ein reiner Männer-Beruf. Ist das auch ein Grund?

Qualbrink: Es müssen zwei unterschiedliche Positionen unterschieden werden: Die obersten Leitungspositionen mit der Letztverantwortung sind ja in der katholischen Kirche strukturell Priestern vorbehalten. In diese Positionen kommen Frauen sowieso nicht. Und dann gibt es die Leitungspositionen, die Frauen überhaupt erreichen können. Da sind sie unterrepräsentiert. So liegt es natürlich an der Struktur der Kirche, dass Frauen kategorisch von Schlüsselpositionen ausgeschlossen sind.

DOMRADIO.DE: In Deutschland haben mittlerweile ein halbes Dutzend Bistümer Gleichstellungsbeauftragte. Ist das ein Erfolg?

Qualbrink: Gleichstellungs-Maßnahmen sind eine hilfreiche Konstruktion, um in Strukturen einzugreifen, die keine Chancengleichheit garantieren. Sie können Kulturen verändern, in denen diese Chancengleichheit noch keine Selbstverständlichkeit ist. Gleichstellungs-Maßnahmen, Gleichstellungs-Ordnungen, Gleichstellungsbeauftragte sind selbstverständlich alles gute Maßnahmen, um Strukturen und Kulturen im Hinblick auf Chancengleichheit zu verändern.

Das braucht es vielleicht nicht überall. Wenn z.B. schon Kulturen da sind, die Chancengleichheit befördern. Aber überwiegend würde ich sagen, leben wir sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche in Kulturen, die diese Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen vor allem in Leitungspositionen nicht garantieren. Insofern sind es gute Maßnahmen.

DOMRADIO.DE: Warum brauchen wir mehr Frauen in der katholischen Kirche?

Qualbrink: Jetzt könnte ich viele pragmatische Gründe nennen: Fach- und Führungskräftemangel, Innovation, Kreativität und mehr Vielfalt in Führungsebenen. Aber tatsächlich geht es ja darum, zu zeigen, dass die Kirche aus Männern und Frauen besteht. Frauen sind wie Männer Geschöpfe Gottes. Sie sind führungskompetent. Frauen wie Männer stehen zur Verfügung, um Gottes Botschaft zu verkünden. Es würde der Kirche gut zu Gesicht stehen, Frauen auf allen Ebenen diese Botschaft Gottes verkörpern und verkünden zu lassen.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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