Dombaumeisterin Hedwig Drabik
Dombaumeisterin Hedwig Drabik
Speyerer Dom
Speyerer Dom

12.03.2019

32-Jährige ist jüngste Dombaumeisterin Deutschlands Den Kaiserdom zu Füßen

Der Kaiserdom zu Speyer ist 1000 Jahre alt - seine neue Dombaumeisterin erst 32. Damit ist sie die jüngste ihrer Zunft in ganz Deutschland. Hedwig Drabik spricht im Interview über ihren neuen Job und ihre Lieblingsorte im Dom.

DOMRADIO.DE: Der Dom in Speyer ist wunderschön und vor allem schön groß. Angst vor monumentalen Bauwerken darf man da nicht haben...

Hedwig Drabik (Architektin und Dombaumeisterin am Dom zu Speyer): Ich habe keine Angst. Ich habe Respekt davor, aber Angst darf man da nicht haben. Und schwindelfrei sollte man auch sein.

DOMRADIO.DE: Sie sind Architektin, jetzt auch Dombaumeisterin. Ist das ein Traum, der sich damit erfüllt hat?

Drabik: Ja, definitiv. Ich habe in einem kleinen Architekturbüro, das auf Natursteinsanierung spezialisiert ist, viele Projekte an Kirchen abgeschlossen. Der Dom ist nochmal eine andere Größenordnung - aber auch eine Kirche.

DOMRADIO.DE: Was genau fasziniert Sie an Kirchen und Kathedralen?

Drabik: Zum einen ist es das Bauliche, das Gebäude an sich. Dass die Menschen früher in der Lage waren, so monumentale Bauwerke zu verwirklichen. Und die Menschen selber, die im Dom arbeiten und eine große Gemeinschaft bilden.

DOMRADIO.DE: Sie sind ein ganz schönes Casting durchlaufen. 20 Bewerbungen gab es für diese Stelle. 17 Männer und drei Frauen haben sich beworben. Wie ist das Bewerbungsverfahren abgelaufen?

Drabik: So ganz weiß ich es nicht. Zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurden meines Wissens nach acht. Davon war ich, soweit ich weiß, die einzige Frau. Man sitzt vor einer Reihe von sehr vielen Leuten, die einem Fragen stellen. In der Form hatte ich so etwas auch noch nicht erlebt. Aber ich muss sagen: Ich habe das gemeistert und bin jetzt dafür belohnt worden.

DOMRADIO.DE: Erinnern Sie sich an Fragen? Was wollten Sie wissen?

Drabik: Sie haben mir unter anderem Bilder gezeigt, zu denen ich Stellung nehmen musste. Es waren Bilder zu Schäden und zum Mauerwerk an den laufenden Sanierungsmaßnahmen. Wir haben zwei Großbaustellen: einmal den Vierungsturm und einmal das Hauptportal, was ich jetzt betreue. Dazu gab es Bilder, die entnommen worden sind, zu denen ich etwas sagen sollte.

Ansonsten waren es Fragen zu alten Projekten und zu Plänen für den Umgang mit dem Dom. Und, ob mir bereits bei der Begehung des Domes irgendwelche Dinge aufgefallen wären oder nicht.

DOMRADIO.DE: Die zwei Aufgaben, die Ihnen jetzt bevorstehen, haben Sie gerade schon angesprochen. Woher wissen Sie, was da jetzt als allererstes dran ist? Gehen Sie da direkt selbstbewusst an die Arbeit oder müssen sie sich erst ein bisschen zurechtfinden?

Drabik: Sie müssen das Bauwerk als solches, als Ganzes, gut im Blick haben. Sie müssen regelmäßig eine Begehung machen, gucken wo mögliche Punkte zu Schäden führen könnten. Das sind überwiegend Dächer. Bei allem, was herunterfallen kann, muss man mit einem scharfen Blick drauf gehen.

Dann erstellen Sie sozusagen eine Agenda mit kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Projekten, die Sie sich so aus eigener Sicht heraus denken. Das wird dann mit den Wünschen des Domkapitels abgestimmt und dann in eine Maßnahme verpackt.

DOMRADIO.DE: Da haben Sie wahrscheinlich auch Unterstützung durchs Domkapitel?

Drabik: Ja, definitiv. Das geht Hand in Hand.

DOMRADIO.DE: Der Dom ist ziemlich groß und bietet viel Platz für Lieblingsorte. Haben Sie einen?

Drabik: Ja, ich habe zwei Lieblingsorte. Der eine ist die Krypta. Das ist ein wirklich toller Raum. Den muss man meiner Meinung nach unbedingt mal besucht haben. Da ist man ganz bei sich, für sich. Man hat Zeit zum Nachdenken. Es ist ein großer Raum, der sehr viel Ruhe ausstrahlt.

Der zweite Ort ist der Süd-West Turm mit der hergestellten Plattform, die es den Besuchern ermöglicht, einfach mal die Dachlandschaft vom Speyerer Dom zu sehen. Den Blick erhält man nicht bei jeder Kirche. Das finde ich etwas ganz Besonderes.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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