Die Wagenbauer greifen auch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auf
Die Wagenbauer greifen auch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche auf
Wie in jedem Jahr bekommt die Politik ihr Fett weg. Aber nicht nur die...
Wie in jedem Jahr bekommt die Politik ihr Fett weg. Aber nicht nur die...
Mainz: Ein Mottowagen auf dem Rosenmontagszug stellt provokativ den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche dar
Mainz: Ein Mottowagen auf dem Rosenmontagszug stellt provokativ den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche dar

04.03.2019

Kirche bekommt ihr Fett weg bei rheinischen Rosenmontagszügen Aufwendig gestaltete Motivwagen

Ob US-Präsident Trump, Rechtspopulismus oder Koalitionsquerelen – die Rosenmontagszüge nehmen die Politik gewohnt respektlos aufs Korn. Auch Kirche und Religionen sind diesmal Thema.

Trotz stürmischen Wetters haben am Rosenmontag Hunderttausende Jecken und Narren in den Karnevalshochburgen gefeiert. Schätzungsweise 450.000 Menschen verfolgten den Umzug in Mainz, der kurz nach dem Start aufgrund starker Windböen für einige Minuten gestoppt werden musste. In Köln, wo der deutschlandweit größte Zug pünktlich durch die Straßen zog, fielen auf die Kostümierten am Straßenrand außer Kamellen und Strüßjer, zahlreiche Regentropfen. In Düsseldorf konnte der Umzug wegen Orkanböen erst anderthalb Stunden später als geplant starten. In mehreren Städten mussten die Aktivitäten zum Rosenmontag sogar abgesagt werden.

Motivwagen thematisieren Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

Die Höhepunkte der Züge bildeten wie in jedem Jahr die aufwendig gestalteten Motivwagen, in denen politische Skandale und Provinzpossen verspottet wurden. Themen der diesjährigen Motivwagen in Mainz waren unter anderem der Brexit, die Vermüllung der Ozeane und der Zustand der großen Koalition in Berlin. Auch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und Kritik an mangelndem Aufklärungswillen griffen die Mainzer Wagenbauer auf.

Durch die Straßen rollte die große Figur eines Priesters, der seine Opfer in einer Kirche zurücklässt und fröhlich in die nächste Gemeinde weiterzieht.

Auch in Düsseldorf nahm der berühmte Wagenbauer Jacques Tilly den Missbrauchsskandal aufs Korn. Kurz nach dem viel kritisierten Anti-Missbrauchs-Gipfel im Vatikan zeigte er einen schlafenden hochrangigen Kirchenmann in einer kardinalsroten Hängematte, die an zwei schief stehenden und angeknacksten Kreuzen hing. An der Hängematte waren die Worte "Schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle!" zu lesen.

Interreligiöse Wagen mit Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche

Viel Applaus von den Jecken am Straßenrand erhält in Düsseldorf auch der interreligiöse Wagen mit Mitgliedern der katholischen und evangelischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und des lokalen Verbandes muslimischer Gemeinden. Den zehn Meter langen "Toleranzwagen" hatte ebenfalls der Wagenbauer Tilly gestaltet.

US-Präsident Donald Trump bekam in Düsseldorf gleich mehrmals sein Fett weg: Als nackte Putte und "Schmutz-Engel" schwebte er über dem bluttriefenden saudischen Prinzen Mohammed bin Salman, der für den Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich gemacht wird. Eine andere Trump-Figur zerriss gemeinsam mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin den Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen - zwischen beiden ein grinsender Totenkopf mit Nuklear-Augen, unter ihnen ein brennendes Europa.

Spott für rechtspopulistischen Umtriebe

Auch die rechtspopulistischen Umtriebe in der Republik inspirierten die Karnevalisten zu Spott: In Düsseldorf rollte die AfD in einer Badewanne im braunen Modder durch die Straßen, auf dem rechten Wannenrand eine Quietsche-Ente mit Zügen von Adolf Hitler. Dem beobachtenden Verfassungsschützer schleuderte der Badende das Wort "Spanner" entgegen.

In Köln und Düsseldorf zogen die Narren diesmal auch die Parteichefinnen von CDU und SPD, Annegret Kramp-Karrenbauer und Andrea Nahles, durch den Kakao. In Köln stand Nahles mit ausgebreiteten Armen wie die US-Schauspielerin Kate Winslet im Film "Titanic" am Bug des im Eismeer der großen Koalition sinkenden SPD-Parteischiffs. In Düsseldorf stieß Nahles mit Kramp-Karrenbauer zusammen. Die eine wollte mit richtungsweisendem Arm mit ihrer Partei mehr nach links, die andere mehr nach rechts.

Die Kölner Narren thematisierten im 7,5 Kilometer langen Zug auch den Plastikmüll in den Weltmeeren, der bei einem überdimensionalen Fisch «Nemo» Sorgen und Angstschweiß auslöst. Auch der Konflikt um den Hambacher Forst wurde thematisiert: Wie in den Keilereien im Comic Asterix schlugen sich Mitarbeiter, Anwohner, RWE, Polizei und Aktivisten in einer Demo-Wolke. Die Waldbewohner Hase und Igel fragten sich derweil: «Wat soll der Käu?» (Was soll der Unsinn?).

(epd)

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