US-Kirche: Neue Vorwürfe gegen Baptisten-Vertreter
Missbrauch in der katholischen Kirche (Symbolbild)
Details zu Missbrauchsstudie bekannt geworden
Eine Kerze brennt in der Sakristei

17.02.2019

Wie geht die "Basis" mit dem Missbrauch um? "Das Gemeindeleben geht weiter"

Der Missbrauchsskandal beschäftigt nicht nur Kardinäle und Bischöfe in Rom, sondern auch Gemeinden in Deutschland. Dort habe es den Alltag nachhaltig verändert, stehe aber nicht mehr im Mittelpunkt, sagt Pfarrer Teller aus Leverkusen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie große Erwartungen an das Treffen in Rom?

Pfarrer Heinz-Peter Teller (Stadtdechant in Leverkusen): Ja, ich erwarte mir davon, dass ganz klar gesagt wird und auch gehandelt wird. Ich erwarte, dass das nicht geht, dass diese Fälle verfolgt werden, dass nichts vertuscht wird und dass diejenigen, die sich schuldig gemacht haben, auch zur Verantwortung gezogen werden. Und ich erwarte, dass die Opfer im Blick sind und dass überlegt wird, was können wir denen Gutes tun, wie kann man denen helfen, in die Zukunft zu gehen.

DOMRADIO.DE: Ist die Opferperspektive ein bisschen aus dem Blick geraten?

Teller: Über uns kann ich das nicht sagen. Im Empfinden der Menschen stehen die Kinder natürlich immer schon im Mittelpunkt. Jede Institution versucht sich natürlich auch zu schützen. Und dann ist es immer schnell passiert, dass man eher die Täter als die Opfer im Blick hat; und das kann es nicht sein.

DOMRADIO.DE: Rom ist weit weg. Wie sehr beschäftigt Sie das Thema Missbrauch in Ihrem Gemeindealltag?

Teller: Zunächst einmal wird ja überall im Erzbistum – so auch bei uns – ein Schutzkonzept, entwickelt, das den Blick schärfen soll, auch der Gemeindemitglieder, zu schauen, wo kommt so etwas vor. Da werden alle eingeladen, alle Ehren- und Hauptamtlichen. Insofern ist das ein Thema, das viele beschäftigt. Im konkreten Gemeindealltag steht das nicht so sehr im Mittelpunkt, sondern da geht es auch um die vielen anderen Dinge der Seelsorge, die da sind. Das ganze Leben in der Pfarrgemeinde geht weiter, wie bisher auch.

Allerdings ist es im Untergrund immer wieder da. Und ich muss natürlich sagen: Viele erleben an den Arbeitsplätzen oder wenn sie ehrenamtlich engagiert sind oder in den Familien, unter Freunden und Nachbarn Fragen wie: "Da gehst Du noch hin? Du weißt doch, wie die sind." Also so ein Rechtfertigungsdruck ist schon da. Mehr als vor Jahren noch.

DOMRADIO.DE: Wurden Sie stark angefragt von Gemeindemitgliedern zu dem Thema?

Teller: Was vorkommt, ist dass Menschen, die selbst missbraucht wurden, ein Gespräch haben wollen. Und zwar noch nicht einmal von der Kirche, sondern in den Familien. Das ist auch so ein Thema, das immer wieder aufschlägt. Gerade jetzt im Zusammenhang mit dieser Diskussion erlebe ich schon in letzter Zeit mehr Gespräche in der Art, wo sie von sich erzählen wollen, wie das war; wo Väter oder Onkels oder andere die Kinder missbraucht haben. Das wirkt ja nach, ein ganz es Leben lang. Und durch die Diskussion in der Kirche kommt das bei denen auch wieder hoch.

DOMRADIO.DE: Heißt das, Sie müssen auch an der Art und Weise wie Sie in der Gemeinde arbeiten etwas ändern, sich also etwa mehr Zeit nehmen?

Teller: Wenn jemand kommt, dann sage ich schon mal Termine ab und nehme mir Zeit dafür, das ist natürlich wichtig. Wenn jemand Sorgen hat und etwas Wichtiges besprechen will, dann muss man sich Zeit nehmen. Da muss man dann schauen, wie das geht und eben andere Dinge absagen und verschieben.

DOMRADIO.DE: Als Pfarrer hat man ja vielfältige Aufgaben, in der Gemeindeleitung, in der Seelsorge und Begleitung, aber natürlich auch im Gottesdienst. Ist Missbrauch ein Thema für Predigten für Sie?

Teller: Im Moment nicht. Das war mal, als es aufschlug. Aber ich bin dafür, dass wir das Evangelium verkünden, und dass die Predigten über die Lesungen des Sonntags handeln. Wenn das im Zusammenhang mit einer aktuellen Entwicklung ist oder zusammenfällt, dann würde ich das tun. Wenn die Synode zu Ende ist und da kommen wesentliche Dinge raus, die man dann auch erklären oder kommentieren müsste, dann würde ich das tun. Aber nicht jeden Sonntag.

DOMRADIO.DE: Debattiert wird ja viel, welche Schlüsse man aus der Krise ziehen sollte. Welche haben Sie für sich gezogen?

Teller: Das eigene Handeln muss gut überlegt werden. Auf Kinder und Jugendliche muss ein besonderer Blick gelenkt sein, weil sie die Schwächsten sind. Wenn solche Dinge auftauchen, muss sofort gehandelt werden und man darf nicht denken: "Lass mal und wir schauen erst mal …" – wie das oft passiert ist.

DOMRADIO.DE: Man redet von dem großen "Glaubwürdigkeits- und Vertrauensabfall". Gilt das auch für Ihre Gemeinde, merkt man das in Leverkusen?

Teller: Ich persönlich empfinde das nicht so, sondern die Menschen kennen ihre Seelsorger und da ist nach wie vor ein großes Vertrauen da. So empfinde ich das nach wie vor. Insgesamt erleidet die Institution aber an einem Vertrauensverlust. Wenn Kinder auf Ferienzeiten mitgeschickt werden oder wenn die KJG eine Fahrt macht, dann werden schon manche Eltern fragen: "Mh, wollen wir das wirklich tun?" Das ist natürlich eine Frage, wie man das vor Ort aufarbeitet, wie viel Vertrauen noch da ist und wie viel gute Arbeit geleistet wird. Insofern empfinde ich das nicht so direkt hier in Leverkusen. Aber der Vertrauensverlust bei der Institution ist schon enorm.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(DR)

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