Zeche Ibbenbüren
Zeche Ibbenbüren
Bundespräsident Steinmeier
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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker
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Ministerpräsident Laschet beim Ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag
Ministerpräsident Laschet beim Ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag

21.12.2018

Steinmeier und Juncker kommen zur letzten Schicht nach Bottrop Das Ende für das Schwarze Gold

An diesem Freitag schließen Deutschlands letzte Steinkohlezechen offiziell. Damit endet eine Epoche, die die Landschaft und Menschen prägte – nicht nur in Deutschland. Bei einem Festakt in Bottrop geht ein Kapitel der Industriegeschichte zu Ende.

Es sind Gänsehaut-Momente auf Schalke. Dunkelheit im Stadion, tausende Handy-Taschenlampen, und dann das alte Bergarbeiterlied "Der Steiger kommt". Doch bald schon kommt der Steiger nicht mehr. An diesem Freitag ist Schicht im Schacht. Nach 200 Jahren fährt der Steinkohlebergbau in Deutschland offiziell seine letzte Schicht. Nicht, weil die Vorkommen erschöpft sind oder der Umwelt zuliebe. Deutsche Kohle ist wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig.

Zu Ende geht ein Kapitel Industriegeschichte. In den Zechen Prosper Haniel in Bottrop und in Ibbenbüren gehen die Lichter aus. Bei einem Festakt in Bottrop übergeben Bergleute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein letztes Stück Kohle überreichen.

Der Bergbau hat Europa mitgestaltet

Modernste Technik wie Schrämwalzenlader, Kohlehobel und Förderbänder werden abgebaut, Schächte verfüllt. Auch die Statue der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, wird von der siebten Sohle des Bergwerks Prosper Haniel hinaufgeholt und wurde am Donnerstag beim Abschieds-Gottesdienst für den Bergbau in den Essener Dom getragen. Damit endet auch eine kulturelle und soziale Ära. Der Bergbau hat die Landschaft und die Menschen geprägt. Und er hat Europa mitgestaltet. Denn die Steinkohlevorkommen verbinden tief unter der Erde die Ruhr, das Saarland, Nordfrankreich und Belgien.

Schon im Mittelalter hatten die Menschen die schwarzen Brocken zum Heizen genutzt. Immer tiefer gruben sie, doch Probleme mit Entwässerung, Sauerstoffversorgung und Transport führten den Kohleabbau schnell an Grenzen. Erst die Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert und die Eisenbahnen ermöglichten die intensivere Jagd nach dem Schwarzen Gold: Agrarstaaten wie Deutschland, Frankreich und England wandelten sich zu Industrienationen, Dörfer zu Industriezentren, das Ruhrgebiet zum deutschen Silicon Valley.

Kohle, Stahl und Chemie: Das Ruhrgebiet entwickelte sich zur Waffenschmiede. Die Montanindustrie wurde andererseits zum Motor der europäischen Einigung. Die Kohle befeuerte den Reichtum der Industriebarone und zugleich das Elend der Arbeiter. Sie wurde zum Treibstoff der Gewerkschaftsbewegung, die erstmals im großen Streik von 1889 die Macht der Arbeiter zeigte.

Multikulturelle Gesellschaft

Im Kohlenpott entstand eine multikulturelle Gesellschaft, die Arbeiter aus ganz Europa integrierte. Bis zu 600.000 Kumpel arbeiteten zu Hochzeiten in den Zechen. Doch das Ende der deutschen Zechen war lange absehbar. 1959 gab es eine erste Stilllegung. "Wenn es an der Ruhr brennt, hat der Rhein nicht genügend Wasser, um zu löschen", formulierte der Unions-Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel 1966 seine Sorge vor sozialen Unruhen.

In England machte Maggie Thatcher Mitte der 1980er Jahre einen brutalen Schnitt und ließ ganze Regionen in die Armut gleiten. In Frankreich endete der Abbau 2004. In der deutschen Konsensgesellschaft vollzog sich der Ausstieg viel sanfter. 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet, um den Steinkohlenbergbau zu konsolidieren. "Niemand fällt ins Bergfreie", hieß die Losung.

Viele Kumpel können den Ausstieg immer noch nicht ganz nachvollziehen

"Die Betroffenen wurden zu Beteiligten gemacht", beschreibt Ex-Bergmann Reinhold Adam (72), 35 Jahre unter Tage und seit 1995 im Vorruhestand, den Prozess. 2007 beschloss der Bundestag einen Fahrplan für den Ausstieg bis 2018. Gut eine Milliarde Euro Subventionen pro Jahr fielen zuletzt an. Hinzu kommen die Milliardenzuschüsse für Vorruhestandsregelungen. Mittlerweile ist das Revier zur größten europäischen Universitätslandschaft geworden - mit 22 Hochschulen und mehr als 300.000 Studierenden.

So richtig nachvollziehen können viele Kumpel den Ausstieg dennoch nicht. "Wir haben hier die weltweit modernste Bergbautechnik", sagt Adam. Künftig importiere Deutschland billigere Steinkohle aus China. "Aber an jeder Tonne Kohle von dort klebt Blut aus Sklavenarbeit."

Und wie weit trägt die viel beschworene Solidarität der Bergleute in der neuen Zeit? Unter Tage war sie überlebensnotwendig, sagt Adam. "Und wenn einer mal nicht so wollte wie er sollte, hat er einen auf die Fresse gekriegt."

Christoph Arens
(KNA)

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