Bischöfe im Würzburger Dom
Bischöfe im Würzburger Dom
Der Würzburger Bischof Franz Jung
Der Würzburger Bischof Franz Jung

13.12.2018

Würzburgs Bischof stellt sich öffentlich Missbrauchsopfern Keine einfachen Antworten

​Es gibt wohl kein unangenehmeres Thema für einen Bischof: Doch Franz Jung wollte öffentlich über die Folgen aus der Missbrauchsstudie reden - auch mit Betroffenen. Der Würzburger Bischof nahm an am Mittwochabend einem Podium teil.

"Dieser Seelsorger hat nicht für die Seele gesorgt, sondern sie stückchenweise abgetötet." Godehard Herzberger spricht von seinem Peiniger, einem Pater in einem Internat des Pallotiner-Ordens. Er erzählt davon, wie er sich nicht habe wehren können gegen den Missbrauch. Und wie so manch anderer weggeschaut habe. Der Täter wusste, dass ein Vater als freischaffender Künstler auf die Kirche als Auftraggeber angewiesen gewesen sei. Herzberger spricht am Mittwochabend auf einem Podium in Würzburg, auf dem auch Bischof Franz Jung sitzt.

Als erster katholischer Oberhirte in Bayern stellt er sich nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie einer öffentlichen Diskussion mit einem Opfer. Jung selbst hatte seine katholische Akademie, die Domschule, zu der Veranstaltung ermutigt. Er saß im wissenschaftlichen Beirat des Forschungsprojekts im Auftrag der Bischofskonferenz. Am Mittwochabend wurden die Ergebnisse in Kurzform vorgestellt, als Grundlage für die Diskussion, etwa über die strukturellen Ursachen für Missbrauch.

"Es gibt keine Sicherheit"

Der Bischof warnt vor zu einfachen Antworten. Aus kirchlichenpolitisch eher rechten Kreise höre man, wenn man alle Homosexuellen verbannen würde, "dann ist alles gut", andere dagegen sähen die Lösung in der Abschaffung des Zölibats. "Ich kann diesen Wunsch nachvollziehen, nach schnellen Lösungen, aber ich glaube, damit ist nix gut." Egal, wie viele Maßnahmen man ergreife, "es gibt keine Sicherheit". Es brauche dauerhaftes Handeln und Hinschauen.

Für Christine Bergmann ist das eine Frage, die über den Fortbestand der Kirchen entscheidet, katholischer wie evangelischer. Die frühere Bundesfamilienministerin und spätere Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung ist heute Mitglied der "Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs". Sie sagt: "Wenn die Kirchen hier weiterhin versagen, dann wird es ganz schwierig." Als strukturelles Problem nennt Bergmann den Klerikalismus, "diese Machtansprüche, diese Männerbünde". Dies müsse aufgebrochen werden.

"Kirche kann nicht allein handeln"

Die Kirche brauche dafür Hilfe von außen, weshalb es gut sei, dass in Würzburg für die Studie die Personalakten zwischen 2000 und 2015 von einer externen Anwaltskanzlei untersucht worden seien, lobt Bergmann. Auch die Ankündigung des Bischofs an diesem Abend, älterer Personalakten von externen Juristen untersuchen zu lassen und alle Verdachtsfälle seit 1970 der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg zur Prüfung zu überlassen, begrüßte sie. Dies sei längst noch nicht selbstverständlich.

Doch nicht nur bei der Aufklärung, sondern auch der Aufarbeitung könne Kirche nicht allein handeln. Hier fehle es noch an Taten, kritisiert Hans-Joachim Salize. Der Professor vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ist Mitautor der Missbrauchsstudie. Er fordert eine festgeschriebene Beteiligung von Betroffenen bei der Aufarbeitung, eine «Institutionalisierung des Dialogs». Unterstützung bekam er dafür auch von Opfern im Publikum.

"Gemeinsames, koordiniertes Vorgehen"

Diese Einbeziehung der Betroffenen will auch der Bischof. In seinem Bistum, aber auch bundesweit. Er sei froh, dass der derzeitige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, bis zum ersten Quartal des kommenden Jahres für die deutschen Bischöfe Grundlinien skizzieren wolle, was Aufarbeitung bedeuten könne. Wichtig sei ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen, so Jung. Wissenschaftler Salize äußerte sich hoffnungsvoll, dass dies gelingen könne. Denn die Studie habe eine breite Debatte innerhalb der Kirche ausgelöst. Druck komme auch von der Basis.

Dazu beigetragen haben vor allem aber die Betroffenen selbst, darin sind sich Jung und Bergmann einig. Der Bischof spricht von einem Zeugnis, auf das die Kirche angewiesen sei. An diesem Abend fällt das von so manchem Opfer im Publikum emotional aus. Nach gut zwei Stunden ist der offizielle Teil zu Ende. Doch Jung nimmt sich fast eine weitere Stunde Zeit, mit Betroffenen aus dem Publikum zu reden. Dabei wird klar: Diesem öffentlichen Austausch werden weitere Gespräche folgen, einzeln und ohne Publikum.

Christian Wölfel
(KNA)

Weltjugendtag in Panama

Panama

"Loss mer singe för doheim"

Die große Loss mer singe Radioparty am 25. Januar ab 18 Uhr nur im DOMRADIO!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wort des Bischofs - Das Buch

Alle Impulse aus den Jahren 2017/18 jetzt auch als Buch!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.01.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Kölner Katholiken feiern Friedensgottesdienst im Dom
  • "Überwältigend!" - Gastfreundschaft bei Tage der Begegnung begeistert
  • Mehr Öko! - "Wir haben es satt"-Demo am Samstag in Berlin
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt
  • Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB) zu 100 Jahre Frauenwahlrecht
  • Care for Integration: Geflüchtete werden Altenpflegehelfer
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen beginnt
  • Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB) zu 100 Jahre Frauenwahlrecht
  • Care for Integration: Geflüchtete werden Altenpflegehelfer
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 100 Jahre Bauhaus: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode ist einziges Bauhaus Kloster in Deutschland
  • Grüne Woche in Berlin: Gepa zu Armutsbekämpfung
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • 100 Jahre Bauhaus: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode ist einziges Bauhaus Kloster in Deutschland
  • Grüne Woche in Berlin: Gepa zu Armutsbekämpfung
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.