Leonhardifahrt in Bad Tölz
Leonhardifahrt in Bad Tölz
Leonhardifahrt: Frauen in bayerischer Tracht auf einem Pferdewagen
Leonhardifahrt: Frauen in bayerischer Tracht auf einem Pferdewagen
Geistliche im Truhenwagen bei der Tölzer Leonhardifahrt
Geistliche im Truhenwagen bei der Tölzer Leonhardifahrt
Kinder in bayerischer Tracht bei der Tölzer Leonhardifahrt
Kinder in bayerischer Tracht bei der Tölzer Leonhardifahrt
Zum Abschluss segnet der Pfarrer die Pferdekutschen
Zum Abschluss segnet der Pfarrer die Pferdekutschen

06.11.2018

Wie in Bayern der Heilige Leonhard gefeiert wird Großes Spektakel und kleine Umzüge

Katholiken in Bayern feiern am 6. November das Leonhardifest. Gerade auf dem Land sind die traditionellen Umzüge zu Ehren des Patrons der Landwirtschaft ein echtes Highlight. Aber woher kommt diese Tradition und was wird genau gefeiert?

DOMRADIO.DE: Heute ist der Tag des Heiligen Leonhard. Ihm zu Ehren gibt es sogenannte Leonhardifahrten in ganz Bayern. Wie kann man sich das vorstellen?

Paul Hasel (Journalist beim Münchner Kirchenradio): Bei der Leonhardifahrt machen die Gläubigen im Prinzip eine Wallfahrt in "Tafel- und Truhenwagen". Diese sind schön traditionell bemalt und werden von Pferdegespannen gezogen. In diesen Truhenwagen sitzen die Gläubigen in ihrer Festtracht und auch die Pferde sind prächtig geschmückt.

In der Früh geht die Fahrt los. Man fährt zu einer Kapelle oder einer Kirche, die das Patronat des Heiligen Leonhard trägt. Das Besondere an dieser Wallfahrt ist, dass diese Kirche von den Truhenwagen mehrmals umrundet wird. Nach der letzten Runde stellt sich der Pfarrer auf ein Podest und segnet auf die Fürsprache des Heiligen Leonhard hin die Pferde und die Wallfahrer.

Wie das bei uns in Bayern so üblich ist, geht es erst zum Festgottesdienst in die Kirche. Danach gibt es eine Riesengaudi im Wirtshaus oder auch im Freien. Heute ist in Oberbayern ein super schöner Tag, mit Sonne und milden Herbsttemperaturen. Da kann man noch mal so richtig schön feiern, bevor der Winter kommt.

DOMRADIO.DE: Also nicht nur die Pferde und die Kutschen werden da herausgeputzt, sondern auch die Menschen?

Hasel: Ja, alle ziehen ihre schönste Festtagstracht an. Sie ehren damit auch den Heiligen Leonhard. Auch später wird in der Tracht gefeiert, an verschiedenen Orten finden Tänze statt. Man putzt sich schön heraus, um diesem Tag eine Bedeutung zu geben. Es ist ein ganz wichtiger Festtag im Kirchenjahr.

 

DOMRADIO.DE: Spielt der Namensgeber Leonard dabei wirklich noch eine Rolle?

Hasel: Ja, das würde ich schon sagen. Der Heilige Leonhard ist der Schutzpatron des Viehs und der Pferde. Und gerade die Menschen, die Landwirtschaft betreiben, vertrauen natürlich darauf, dass der Heilige Leonhard alles Unheil von den Tieren fern hält. Das kann man vor allem bei den kleineren Leonhardifahrten auf den Dörfern schön sehen.

Bei großen Leonhardi-Wallfahrten wie in Bad Tölz, mit vielen tausenden Zuschauern, ist es schon eher ein Spektakel. Aber bei den Landbewohnern, die vielleicht wirklich noch Kühe und Pferde auf dem Bauernhof haben, steht der Heilige Leonhard immer noch ganz hoch im Kurs. Da hat sich im Laufe der Jahrhunderte eigentlich gar nichts geändert.

DOMRADIO.DE: Woher kommt denn dieser Bezug zum Heiligen Leonard?

Hasel: Der Heilige Leonhard war Franzose. Er gilt als Heiliger der Kirche des 6. Jahrhunderts. Die Überlieferung besagt, dass er sich für Gefangene eingesetzt hat. Es soll dann tatsächlich so gewesen sein, dass Gefangene, die seinen Namen gerufen haben, von ihren Fesseln und Ketten befreit worden sind.

Im 11. Jahrhundert kam diese Überlieferung dann nach Bayern. Die Bauern in Süddeutschland haben die Ketten später als Viehketten gedeutet. So kam es, dass der Leonhard ein wichtiger Patron für die Tiere wurde. In der Agrargesellschaft war es wichtig, dass die Tiere gesund blieben - ansonsten war auch die Existenz der Bauern bedroht. An manchen Leonhardi-Kirchen, in Bad Tölz zum Beispiel, ist die Kirche tatsächlich mit einer Kette umspannt, um das sichtbar zum Ausdruck zu bringen.

(DR)

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