Engelbert Siebler, Weihbischof in München und Freising
Engelbert Siebler, Weihbischof in München und Freising

12.10.2018

Nachruf auf Weihbischof Engelbert Siebler Aufgeschlossener Lehrer und Kirchenmann

Mit Obdachlosen feierte er im Hofbräuhaus Heiligabend, an Karfreitag zog er mit Migranten durch München. Mit dem Tod von Weihbischof Engelbert Siebler verliert die Kirche einen populären Seelsorger.

Zu seinem 80. Geburtstag im Mai 2017 hatte der emeritierte Münchner Weihbischof Engelbert Siebler noch einmal alle zusammengeführt. Seine große Familie, Freunde und Weggefährten waren nach Sankt Sylvester gekommen, um mit ihm und Kardinal Friedrich Wetter Gottesdienst zu feiern. Hier mitten in Schwabing, wo er seit Jahrzehnten als Nachbar der Katholischen Akademie Bayern wohnte, wollte er Danke sagen für ein reiches Leben, seinem Herrgott und vielen, die ihn begleitet hatten.

Unermüdlicher Seelsorger

Vor Tatendrang sprühte er nach wie vor, sogar eine Pilgergruppe plante der reiseerfahrene Bischof noch einmal ins Heilige Land zu begleiten. Doch eine plötzliche Erkrankung änderte alles. Nun ist Siebler im Alter von 81 Jahren Donnerstagnacht in München gestorben.

Den Gläubigen in der Erzdiözese München und Freising war der Geistliche als unermüdlicher Seelsorger vertraut. In seinen 26 Jahren als Weihbischof spendete er fast 69.000 Menschen die Firmung. Noch nach seiner Emeritierung übernahm er viele Firmgottesdienste, auch schon mal bei der italienischen Gemeinde, weil er mehrere Fremdsprachen beherrschte. Dieses Talent nutzte Siebler zur Sommerzeit auch gern, wenn er im Liebfrauendom zelebrierte, um Gottesdienstbesucher von weit her in ihrer Sprache zu begrüßen.

 

 

In die Wiege gelegt war ihm diese Weltläufigkeit nicht. Siebler stammte von einem Bauernhof in Jarzt bei Freising, studierte Theologie und Germanistik in München. 1963 empfing er die Priesterweihe. Von 1966 bis 1985 war der Priester am Erzbischöflichen Studienseminar Sankt Michael in Traunstein tätig, zunächst als Präfekt, ab 1976 als Direktor. 1985 berief ihn der damalige Münchner Erzbischof Wetter als Schulreferent ins Ordinariat, bevor er 1986 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof ernannt wurde.

Kaminabende mit Schriftstellern und Künstlern

In dieser Funktion prägte Siebler das öffentliche Glaubensleben in der Landeshauptstadt, etwa durch die Wiederbelebung der Karfreitagsprozession als "Kreuzweg der Völker". Auch in der Ökumene war er engagiert. Wer mit einem Problem zu ihm kam, dem versuchte Siebler unbürokratisch zu helfen. Als passionierter Lehrer stellte er sich den kritischen Fragen junger Leute zur Kirche. Dabei kam er ihnen nicht mit frommen Sprüchen, sondern gab bisweilen zu, selbst keine Antwort zu haben.

Mit seiner Aufgeschlossenheit und einer guten Portion Humor gelang es Siebler, unterschiedliche Menschen zusammenzuführen. Bei regelmäßigen Kaminabenden in seinem Haus ermöglichte er in geselliger Atmosphäre seinen Gästen, sich kennenzulernen und auszutauschen. Außer zu Priestern pflegte er Freundschaften mit Schriftstellern und Künstlern.

Bundesverdienstkreuz und Bayerischer Verdienstorden

Für seinen Einsatz in Kirche und Gesellschaft erhielt er das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden. Auch auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz bekleidete Siebler wichtige Aufgaben. So leitete er von 2001 bis 2006 die Kommission Schule und Bildung. Der Bischof war Dompropst des Münchner Metropolitankapitels und von 2001 bis 2012 Präsident des Bayerischen Pilgerbüros.

Das Reisen gehörte zu seinen Leidenschaften schon als Student, von 2001 bis 2012 als Präsident des Bayerischen Pilgerbüros und auch noch danach. Vor allem das Heilige Land hatte es ihm angetan, er besuchte es mehr als 50 Mal. Dort schien Siebler, der sich sehr für Archäologie interessierte, fast jede Ecke zu kennen. Als Reiseleiter schöpfte er aus einem reichen Fundus von Wissen und Anekdoten. Einmal ließ ihn ein israelischer Soldat sogar Panzer fahren - kein Problem für den versierten Traktorfahrer.

Doch neben dem entdeckungsfreudigen Abenteurer gab es zugleich den überzeugten Priester, der mit seiner Pilgergruppe andächtig und innig den Kreuzweg auf der Via Dolorosa betete. So gab er Zeugnis für seinen Glauben. Auch sein eigener letzter Weg war nicht frei von Schmerzen.

Von Barbara Just

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