Professor Harald Dreßing, Kardinal Reinhard Marx, Stephan Ackermann
Professor Harald Dreßing, Kardinal Reinhard Marx, Stephan Ackermann

26.09.2018

Erschrecken nach Missbrauchsstudie im Auftrag der Bischöfe Weitere Veränderungen - aber keine Rücktritte erwartet

Seit Wochen werden die Täter-Zahlen in den Medien kommentiert. Nun wurde die Studie über Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche vorgestellt. Das Interesse war so groß wie das Erschrecken.

Professor Harald Dreßing befasst sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit Straftaten im Umfeld des sexuellen Missbrauchs. Der 61-Jährige kennt alle Varianten von Übergriffen und spricht auch über schwere Straftaten ruhig und mit professioneller Distanz. Doch selbst Dreßing äußert sich "erschüttert" über das, was die von ihm geleitete, umfangreiche Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche zutage gefördert hat. Das betrifft vor allem den Umfang und die Schwere der Straftaten. Die gefundenen 3.677 Betroffenen und 1.670 Beschuldigten aus Akten der Jahre 1946 bis 2014 sieht er nur als "Spitze des Eisbergs". Mit Nachdruck spricht Dreßing von der Vermutung, dass es offenbar systemische Faktoren gibt, die den Missbrauch in der Kirche fördern. Rund 200 Journalisten verfolgten am Dienstag in Fulda Dreßings Ausführungen; auch ausländische Korrespondenten waren akkreditiert.

Die Resultate der Studie werden international beachtet, weil die katholische Kirche in Deutschland in der Weltkirche eine exponierte Rolle einnimmt. Durch ihre enormen finanziellen Ressourcen, ihre führende Rolle in der Theologie und ihre materielle Unterstützung ärmerer Ortskirchen ist sie international bedeutend. 

Vorab über die Ergebnisse der Studie unterrichtet

Hinzu kommt die Rolle des Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, im Vatikan. Im Neuner-Rat der Kardinäle, die Papst Franziskus beraten, ist er einer der Wortführer. Es war daher nicht überraschend, dass Marx das Kirchenoberhaupt vorab über die Ergebnisse der Studie unterrichtete. Zeitgleich ließ die Deutsche Bischofskonferenz eine Übersetzung ins Englische und Italienische anfertigen. Zudem kündigte Marx in Fulda an, die deutschen Bischöfe würden bei der im Oktober in Rom tagenden Synode zum Thema Jugend das Thema erneut ansprechen.

Die Bischöfe haben in Fulda am Dienstag mit einer langen Debatte über Ergebnisse und Konsequenzen aus der Forschungsarbeit begonnen. Die Stimmung wurde von Beobachtern als "angespannt" beschrieben. Nachdem es in den vergangenen Wochen zunächst kritische Stimmen in Richtung der Medien gegeben hatte, weil diese die offizielle Veröffentlichung nicht abgewartet hatten, richtet sich nun der Blick in die eigenen Reihen. Zentrale Figur neben dem Vorsitzenden Marx ist der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Ackermann: "Ich habe das Ergebnis leider erwartet."

Er hat seit acht Jahren als "Missbrauchsbeauftragter" unermüdlich dafür geworben, das Thema ernst zu nehmen und es nicht - wie dies der langjährige Vorsitzende Kardinal Karl Lehmann einst tat - als rein "amerikanisches Problem" abzutun. Bei der Vorstellung des Forschungsberichts sagte Ackermann nüchtern: "Ich habe das Ergebnis leider erwartet." Zugleich kündigte er an, er werde den "Weg der Bekämpfung des Missbrauchs beharrlich fortsetzen". 

Ackermanns Einfluss auf andere Bischöfe ist kirchenrechtlich minimal. Dennoch hat er durch die Studie mehr denn je eine Schlüsselrolle. Von ihm werden nun Vorschläge erwartet. Außer dem erneuten Freischalten eines zentralen Beratungstelefons will Ackermann noch etliche Maßnahmen anregen. Dazu zählt die konsequente Anwendung der bereits bestehenden Richtlinien zur Missbrauchs-Prävention, die laut Studie noch immer nicht in allen Bistümern umgesetzt wurden. Handlungsbedarf besteht auch bei der Bereitschaft der Bischöfe, sich mit Opfern zu treffen. Was die Päpste seit 2008 bei vielen Auslandsreisen getan haben, haben bislang nur wenige deutsche Bischöfe nachgemacht.

Verbesserung der Entschädigungs-Zahlungen in Aussicht gestellt

Als weitere Schritte stellte Ackermann in Fulda eine Verbesserung der Entschädigungs-Zahlungen in Aussicht. Marx ergänzte, man werde auch über die Schaffung von "Wahrheits-Kommissionen" nachdenken, um nach der Erforschung nun auch die Aufarbeitung des Geschehens voranzubringen. 

Den heikelsten Punkt in der Debatte können allerdings nur die einzelnen Bistümer eigenverantwortlich umsetzen. Es ist die Beantwortung der Frage, welche Bischöfe, Generalvikare und Personalleiter in welchem Umfang mitschuldig wurden, indem sie Strafverfolgung vereitelt haben. Auch die früher gängige Praxis der Versetzung von Tätern in andere Pfarreien oder Bistümer gehört in diesen Kontext.

Marx bekennt eigene Schuld als Priester und Bischof

Bei der Vorstellung der Studie bekannte Marx eigene Schuld als Priester und Bischof. Auch er habe das Geschehene nicht wahrhaben wollen, habe "nicht zugehört und weggeschaut". Auch habe er lernen müssen, dass die 2002 verabschiedeten Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz nicht streng genug gewesen seien. Deshalb seien sie 2010 verschärft worden.

Für die Zukunft kündigte Marx an, dass die katholische Kirche über eine Änderung des Kirchenrechts nachdenken sollte, um mehr Gewaltenteilung zu schaffen und damit bessere Kontrollmechanismen in der Kirche zu ermöglichen. Die Journalistenfrage nach möglichen Rücktritten von einzelnen Bischöfen wegen eigenen Versagens oder Fehlverhaltens beantwortete Marx jedoch mit einem klaren «Nein».

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

Die schönsten Lieder des Mitmach-Chorfestivals

Das Mitmach-Chorfest in der Kölner Lanxess-Arena mit 15.000 Teilnehmern aus allen kirchenmusikalischen Gruppen des Erzbistums. Jetzt alle Videos verfügbar!

Programm im Advent und an Weihnachten

Das volle Programm im DOMRADIO und auf DOMRADIO.DE!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 11.12.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Ethische Krise im Journalismus?
  • Brexit-Abstimmung verschoben
  • Die Caritas über den UN-Migrationspakt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Ein Licht zieht um die Welt
  • Wie stehen die Chancen auf eine weiße Weihnacht?
  • Mut und Zusammenhalt bei den Bremer Stadtmusikanten
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Ein Licht zieht um die Welt
  • Wie stehen die Chancen auf eine weiße Weihnacht?
  • Mut und Zusammenhalt bei den Bremer Stadtmusikanten
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • "Karte, bitte!": Weihnachtsgottesdienst mit Eintrittskarten
  • Wie Engel und Esel die Weihnachtsgeschichte erzählen
  • Tassen-Diebe auf dem Weihnachtsmarkt
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • "Karte, bitte!": Weihnachtsgottesdienst mit Eintrittskarten
  • Wie Engel und Esel die Weihnachtsgeschichte erzählen
  • Tassen-Diebe auf dem Weihnachtsmarkt
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Matthäusevangelium
    12.12.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 11,28–30

  • Mariä Himmelfahrt
    12.12.2018 09:20
    Anno Domini

    Der Tag der Heiligen Jungfrau...

  • Matthäusevangelium
    13.12.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 11,7b.11–15

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.