Maßnahmen der deutschen Bischöfe ernten auch Kritik
Deutsche Bischöfe
Bischof Heinrich Timmerevers
Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen
Haben sich dem zivilgesellschaftlichen Bündnis gegen die AfD in Sachsen-Anhalt angeschlossen: Bischof Gerhard Feige und
Bischof Gerhard Feige
Paderborns Bischof Hans-Josef Becker
Hans-Josef Becker, Paderborner Erzbischof
Erzbischof Heiner Koch
Erzbischof Koch
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Heiner Wilmer, neuer Bischof von Hildesheim
Bischof Heiner Wilmer
Bischof Ulrich Neymeyr
Bischof Ulrich Neymeyr
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann
Erschüttert: Kardinal Marx
Erschüttert: Kardinal Marx
Bischof Franz-Josef Overbeck
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Bischof Georg Bätzing
Georg Bätzing, Bischof von Limburg
Augsburgs Bischof Dr. Konrad Zdarsa
Bischof Zdarsa
Erzbischof Stephan Burger
Erzbischof Stephan Burger

25.09.2018

Bistümer beziehen Stellung zu Missbrauchszahlen Dunkle Kapitel in den Diözesen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Ergebnisse einer Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung vorgestellt. Wie sehen die Zahlen aber in den einzelnen deutschen (Erz)Bistümern konkret aus?

Nach der Vorstellung der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda haben sich auch mehrere katholische Bistümern zu regionalen Ergebnissen und möglichen Konsequenzen geäußert. Bischöfe und Generalvikare bekundeten am Dienstag Betroffenheit und Scham und baten die Opfer um Vergebung.

135 Missbrauchsopfer im Erzbistum Köln

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Erzbistum Köln mindestens 135 Betroffene und 87 beschuldigte Priester in den Jahren 1946 bis 2014. Das entspreche vier Prozent der durchgesehenen Akten, gab das Erzbistum am Dienstag in Köln bekannt. Von den 87 beschuldigten Priestern sind 40 verstorben, wie es hieß.

In 21 Fällen gab es Maßnahmen oder Sanktionen. In 33 Fällen erfolgten keine Sanktionen: So ließ sich in zwei Fällen eine Unschuld nachweisen; in 27 Fällen fehlten konkrete Tatnachweis; vier Meldungen waren anonym, so dass dort keine Klärung möglich war.

Finanzielle Hilfe und Anerkennung des Leids

Das Erzbistum hat eigenen Angaben zufolge seit 2011 an Missbrauchsbetroffene insgesamt 620.635 Euro in Anerkennung ihres Leids gezahlt, davon 150.804 Euro für Therapien von 22 Personen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte bereits am Wochenende eine weitere unabhängige Untersuchung des sexuellen Missbrauchs in seinem Erzbistum angekündigt. Die bundesweite Studie der Deutschen Bischofskonferenz habe nur stichprobenartig gearbeitet, begründete er seine Entscheidung. Zudem seien nur zehn Bistümer in einer Tiefenstudie vertreten gewesen. Das Erzbistum Köln hatte nicht zu diesen Diözesen gehört.

Bischof Jung räumte "folgenschwere Fehleinschätzungen"

Der Würzburger Bischof Franz Jung sprach sich für Null-Toleranz gegenüber Tätern aus. Er räumte "folgenschwere Fehleinschätzungen" ein, da es früher darum gegangen sei, den Schutz der Kirche über den Schutz der Opfer zu stellen. Auch seien Dokumentationspflichten vernachlässigt worden. Jung kündigte eine Evaluierung aller Präventionsbemühungen an. Das Personal der Kirche müsse sorgfältig ausgewählt werden. Die zölibatäre Lebensform bedürfe immer wieder neu der Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität.

Koch fordert "Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens"

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erklärte, es gehe darum, "eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens zu erreichen". Generalvikar Manfred Kollig sagte, die Kirche müsse sich von der traditionellen Vorstellung verabschieden, dass sie eine "perfekte Gesellschaft" sei.

Im Erzbistum Berlin seien für die Studie alle Akten von 1.401 Priestern bis zurück ins Jahr 1946 durchgesehen und Meldungen an die Forscher weitergegeben worden. 51 beschuldigte Personen seien identifiziert worden, von denen 28 verstorben seien. Die anderen Fälle seien gemäß den geltenden Richtlinien bearbeitet worden. 18 Fälle von Klerikern - die etwa zu einem anderen Bistum oder einer Ordensgemeinschaft gehörten - seien zur Prüfung der Zuständigkeit an die Clearingstelle in Bonn gegeben worden.

Vorschlag aus Regensburg: eine staatliche Zertifizierungsstelle

Das Bistum Regensburg schlug eine staatlich organisierte, unabhängige Zertifizierungsstelle vor. Die Federführung könnte der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, übernehmen. Diese Stelle müsse allen Einrichtungen in Deutschland offenstehen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. "Wir müssen noch besser werden, schneller, transparenter und verlässlicher", sagte Generalvikar Michael Fuchs.

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Erzbistum Paderborn mindestens 197 Betroffene und 111 beschuldigte Kleriker in den Jahren 1946 bis 2014. In 125 Fällen (63,5 Prozent) liegen Hinweise auf einen männlichen Betroffenen und in 64 Fällen (32,5 Prozent) auf eine weibliche Betroffene vor. Acht Fälle lassen keine Geschlechtszuordnung der Betroffenen zu.

Insgesamt wurden nach den Angaben Akten zu 2.502 Klerikern durchgesehen, die zwischen dem 1.1.1946 und dem 31.12.2015 im Erzbistum Paderborn tätig waren oder im Ruhestand lebten. Die 111 Beschuldigten bildeten einen Anteil von 4,44 Prozent. Von ihnen seien 82 verstorben. In älteren Aktenbeständen fänden sich zahlreiche Lücken, hieß es. Eine systematische Bereinigung bestimmter Kategorien von Personen sei aber nicht erkennbar.

Erzbistum München und Freising  will Priester achtsamer auswählen

Das Erzbistum München und Freising erklärte, dass über den 2010 begonnenen Kurs der Aufarbeitung, Anerkennung und Prävention hinaus weitere Konsequenzen genau analysiert werden müssten, "insbesondere mit Blick auf Strukturen und den Umgang mit Sexualität". Bei der Personalauswahl, besonders bei den Priestern, gelte es noch stärker auf sexuelle Reife und persönliche Eignung zu achten.

Auch der Bamberger Generalvikar Georg Kestel sieht die Notwendigkeit, über den Zölibat zu diskutieren. Dazu gehörten auch der Umgang mit Homosexualität sowie eine Auseinandersetzung mit dem Weiheamt und dem Rollenverständnis der Priester. So sollten die Themen Missbrauch und Sexualität verstärkt in die Ausbildung einbezogen werden.

Augsburger Bischof Konrad Zdarsa: "Strukturen der Sünde"

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa räumte frühere Versäumnisse im Bistum Augsburg bei der Aktenführung und der Ahndung "solch krimineller Handlungen" ein. Er sprach von "Strukturen der Sünde", wandte sich aber gegen überstürzte Konsequenzen.

Missbrauch: Bistum Osnabrück gesteht Fehler ein

Osnabrücks Generalvikar Theo Paul hat im Zusammenhang mit Fällen von sexuellem Missbrauch das Versagen der Kirche eingeräumt: "Aus heutiger Sicht sind auch im Bistum Osnabrück auf den verschiedenen Ebenen schwerwiegende Fehler gemacht worden, zum Beispiel in der Versetzungspraxis", sagte er.

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Bistum mindestens 68 Betroffene und 35 Beschuldigte in den Jahren 1946 bis 2015. Diese Zahlen hatte die Diözese bereits in der vergangenen Woche veröffentlicht.

Missbrauchsstudie erfasst 442 Betroffene im Bistum Trier

Die Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche erfasst 442 Betroffene im Bistum Trier. Davon seien 252 männlich und 190 weiblich, sagte der Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg in Trier am Dienstag. "Es gibt kirchlicherseits nichts zu beschönigen, nichts zu beschwichtigen, nichts zu relativieren."

Laut dem Präventionsbeauftragten des Bistums Trier, Andreas Zimmer, ist die Arbeit in dem Bereich eine Daueraufgabe. "Schulungen verblassen und müssen aufgefrischt werden, institutionelle Schutzkonzepte müssen immer wieder angepasst werden, neue Mitarbeitende müssen in die Idee einer gelebten Kultur der Achtsamkeit einbezogen werden."

Bistum Magdeburg will Missbrauchsprävention erneut überprüfen

Auch das Bistum Magdeburg kündigte an, seine Prävention und das eigene Handeln erneut zu überprüfen. Der Passauer Bischof Stefan Oster dankte den Autoren der Studie "für ihre Klarheit und Gründlichkeit". Außerdem hätten Medien den Opfern "ein Gesicht und eine Stimme gegeben". Er sei "überzeugt, dass es die Kirche nicht aus eigener Kraft geschafft hätte, dieses dunkle Kapitel des Verrats am Evangelium von sich aus aufzuarbeiten". Hamburgs Generalvikar Ansgar Thim sagte: "Die dunklen Schatten solcher Straftaten müssen an die Öffentlichkeit."

Im Rahmen der am Dienstag in Fulda vorgestellten Studie wurden vom Bistum Magdeburg 677 Personalakten für die Zeit zwischen 1946 und 2014 ausgewertet. In dieser Zeit waren demnach 18 Kinder und Jugendliche von Missbrauch betroffen. Seit 2010 seien drei Mal 5.000 Euro an Opfer für das erlittene Leid gezahlt worden. In einem weiteren Fall, der sich auf verschiedene Bistümer erstreckte, seien 25.000 Euro für Therapien gezahlt worden.

Missbrauch im Bistum Hildesheim: 153 Betroffene, 46 Beschuldigte

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer lud alle Betroffenen zum Gespräch ein: "Wenn Menschen gewillt sind, mit mir als Bischof über das Grauen zu sprechen, das ihnen auf der Seele lastet, dann werde ich das tun."

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Bistum Hildesheim mindestens 153 Betroffene und 46 beschuldigte Priester in den Jahren 1946 bis 2014. Das gab Bischof Heiner Wilmer am Dienstag in einer Videobotschaft bekannt.

Bistum Aachen verzeichnet 86 Missbrauchsbetroffene

Aachens Generalvikar Andreas Frick bezeichnete das "institutionelle Versagen der katholischen Kirche" als skandalös. Es stehe "im absoluten Gegensatz zu dem, woran wir glauben".

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Bistum Aachen mindestens 86 Betroffene und 55 beschuldigte Kleriker. Die Zahlen gab die Diözese am Dienstag bekannt. Ausgewertet wurden 886 Personalakten von 1934 bis 2016 und 64 Anträge auf Anerkennung des Leids. Damit gehe das Bistum Aachen über den vom Forscherkonsortium geforderten Zeitrahmen hinaus, hieß es.

Bistum Essen verzeichnet 85 Missbrauchsopfer

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Bistum Essen mindestens 85 "Opfer von sexuellen Übergriffen" und 60 beschuldigte Kleriker seit seiner Gründung 1958. Die Zahlen gab die Diözese am Dienstag bekannt. 19 Priester wurden verurteilt: sieben von ihnen straf- und kirchenrechtlich, vier nur strafrechtlich und acht nur kirchenrechtlich. Für die anderen 41 Priester gebe es ernstzunehmende Hinweise auf Missbrauchstaten. 4,5 Prozent aller lebenden und verstorbenen Priester im Ruhrbistum waren aller Wahrscheinlichkeit nach Missbrauchtäter.

450 Missbrauchsbetroffene im Bistum Münster

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet das Bistum Münster mindestens 450 Betroffene und 138 Beschuldigte in den Jahren 1946 bis 2014. Die Zahlen gab die Diözese am Dienstag bekannt. Insgesamt wurden die Personalakten von 1708 Klerikern ausgewertet. 12 der Beschuldigten sind Kleriker aus dem niedersächsischen Teil der Diözese, dem Offizialatsbezirk Oldenburg. Die Zahl der vom Missbrauch dieser Geistlichen betroffenen Menschen ist nicht bekannt.

Zahlen aus dem Bistum Limburg

Das Bistum Limburg hat Kenntnis von 85 Personen, die von sexualisierter Gewalt durch Priester, Diakone und kirchliche Mitarbeiter betroffen sind. Es sind 60 Prozent männliche und 40 Prozent weibliche Kinder und Jugendliche. "Die Ergebnisse der MHG-Studie tun weh und gehen einem nahe", sagte Wolfgang Rösch, Generalvikar des Bischofs. "Die Studie zeigt uns, dass wir aus Sorge um das Ansehen der Kirche die Folgen des Missbrauchs und das Leid der Opfer nicht genug wahrgenommen haben. Dies darf sich nicht wiederholen. Der Schutz der Opfer muss oberste Priorität haben", stellte Rösch klar.

Erzbistum Hamburg: Schwerste Missbrauchsfälle in Mecklenburg

Die Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe verzeichnet auf dem Gebiet des heutigen Erzbistums Hamburg mindestens 103 Betroffene und 33 beschuldigte Priester in den Jahren 1946 bis 2015. Die schwersten Fälle ereigneten sich im Bistumsteil Mecklenburg, wie Generalvikar Ansgar Thim am Dienstag in Hamburg bekanntgab. Dort wirkten 16 der mutmaßlichen Täter, 17 in Hamburg und Schleswig-Holstein.

"Die dunklen Schatten solcher Straftaten müssen an die Öffentlichkeit", sagte Thim. "Die Studie kann dafür nur ein Anfang sein." Für die Taten eines 1979 verstorbenen Pfarrers in Neubrandenburg habe das Erzbistum bereits eine gesonderte Aufarbeitung veranlasst.

Aus Sicht von Erzbischof Stefan Heße ist die Studie "ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung eines sehr dunklen Kapitels unserer jüngeren Kirchengeschichte". Nun müsse überprüft werden, was in Personalarbeit, Prävention und auch in der Aufarbeitung noch verbessert werden könne. "Wir werden über die Fragen von Autorität, Machtgebrauch und Hierachie reden müssen", sagte Heße am Rande der Bischofsvollversammlung in Fulda.

Bistum Erfurt: Seit 1946 Missbrauchsvorwürfe gegen zehn Priester

Die Bistümer Erfurt und Dresden-Meißen kündigten an, ihre Präventionsarbeit zu intensivieren. Zugleich bat Erfurts Bischof Neymeyr darum, "nicht alle Priester unter Generalverdacht zu stellen". Sein Generalvikar Raimund Beck äußerte die Hoffnung, dass durch die Studie mehr Menschen den Mut finden, über Übergriffe zu sprechen.

Im Bistum Erfurt sind für den Zeitraum von 1946 bis heute gegen 10 Priester Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch aktenkundig. "Uns sind 12 Personen bekannt, die als Minderjährige von diesen Personen sexuell missbraucht wurden", sagte Beck, am Dienstag in der thüringischen Landeshauptstadt.

Bistum Dresden-Meißen: 15 Missbrauchs-Priester seit 1953

Im Bistum Dresden-Meißen sind seit 1953 mindestens 15 Priester des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen beschuldigt oder überführt worden. Es waren 3,2 Prozent der Priesterschaft, wie das Bistum am Dienstag bekanntgab. Betroffen waren 28 Opfer, davon 15 weibliche und 13 männliche.

Das Bistum aktualisierte seine bisherigen Täter- und Opferzahlen im Rahmen der bundesweiten Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe. Bei der dabei erfolgten Durchsicht von 345 Personalakten aller Priester des Bistums aus den Jahren 2000 bis 2015 wurden zwei bislang nicht bekannte Täter entdeckt. Nach Angaben des Bistums wurden drei Täter wegen ihrer Vergehen aus dem Priesterstand entlassen und laisiert.

Ein Fall der Verurteilung

Derzeit gibt es demnach im Bistum Dresden-Meißen noch einen Priester im dienstfähigen Alter, der wegen eines Missbrauchfalls aus dem Jahr 2013 nach Abschluss eines zivilen Verfahrens in einem kirchenrechtlichen Verfahren verurteilt wurde. Er ist vom Dienst suspendiert. Ihm ist der Umgang mit Kindern und Jugendlichen untersagt, und er wird psychologisch begleitet. Zudem gibt es zwei Ruhestandspriester, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden. Gegen einen weiteren Ruhestandspriester laufen derzeit Voruntersuchungen nach Vorwürfen aus Zeit von 2008 bis 2014.

Unterlagen aus DDR-Zeit

Nach Angaben des Leiters des Ständigen Beraterstabs der Diözese zu Missbrauchsfragen, Stephan von Spies, könnten mögliche Missbrauchstaten aus der Zeit der DDR nicht in den kirchlichen Personalakten verzeichnet sein, um die Täter nicht für die damaligen staatlichen Behörden erpressbar zu machen. Im Unterschied etwa zu den USA habe es mit Blick auf kooperierende Missbrauchstäter aber keine Hinweise auf "Netzwerke des Bösen" gegeben.

Weitere Bistümer kündigen Konsequenzen an

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kündigte an, das Gespräch mit Betroffenen zu suchen. "Ihr Leid bedauere ich zutiefst." Es dürfe keine Vertuschung und einen Schutz der Institution Kirche geben. Das Bistum habe einen langen Weg der Aufarbeitung vor sich.

Auch der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm ermutigte Betroffene, die bisher geschwiegen haben, mit den beiden Missbrauchsbeauftragten des Bistums Kontakt aufzunehmen. Die Diözese kündigte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Missbrauch und Prävention" an, um die Studie zu analysieren und Handlungskonsequenzen abzuleiten.

Der ständige Vertreter des Diözesanadministrators von Fulda, Gerhard Stanke, übte Kritik an den Verantwortlichen. Sie hätten "das schwere Unrecht und die tiefen Verletzungen der Kinder und Jugendlichen" nicht ernst genommen hätten. "Da sexueller Missbrauch auch immer mit Machtmissbrauch verbunden ist, sind auch Strukturen der Machtkontrolle zu entwickeln."

Die Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Eichstätt hatten die Problematik bereits in der vergangenen Woche regional analysiert und Konsequenzen angekündigt. Das Bistum Görlitz will sich am Mittwoch, das Bistum Freiburg am Freitag öffentlich zu dem Thema äußern.

Paderborner Erzbischof ruft zu Engagement gegen Missbrauch auf

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ruft dazu auf, im Engagement gegen sexuellen Missbrauch nicht nachzulassen. "Es braucht die Mitwirkung aller, damit sexueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt keinen Platz in unserem Erzbistum haben", schreibt Becker in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an alle Seelsorger seiner Diözese. Die Ergebnisse der am Dienstag vorgestellten Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe machten ihn fassungslos. "Ich empfinde eine tiefe Scham darüber, dass in der Kirche von Paderborn diese Verbrechen stattgefunden haben." Bestehende Maßnahmen im Erzbistum würden fortgeführt; zudem wolle er die Aussagen und Empfehlungen der Studie nun in den diözesanen Gremien erörtern, so Becker.

Nach den am Dienstag veröffentlichten Zahlen verzeichnet das Erzbistum Paderborn im Rahmen der Missbrauchsstudie mindestens 197 Betroffene und 111 beschuldigte Kleriker. Insgesamt wurden nach den Angaben Akten zu 2.502 Klerikern durchgesehen, die zwischen dem 1.1.1946 und dem 31.12.2015 im Erzbistum Paderborn tätig waren oder im Ruhestand lebten.

Ein Missbrauchsopfer im kleinsten Bistum Deutschlands

Im Bistum Görlitz hat es in den vergangenen rund sieben Jahrzehnten einen Missbrauchsfall durch Kleriker gegeben. Dabei habe ein inzwischen verstorbener Priester einen damals 10- bis 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht, teilte der Görlitzer Generalvikar Alfred Hoffmann am Mittwoch mit. Der Vorfall im kleinsten Bistum Deutschlands soll sich Mitte der 1940er Jahre ereignet haben. Der Betroffene habe sich persönlich beim Bistum gemeldet, hieß es.

"In Anerkennung des erlittenen Leides" seien ihm 4.000 Euro gezahlt worden. Das genaue Alter des Missbrauchsopfers zum Tatzeitpunkt wurde nicht angegeben. Hoffmann teilte weiter mit, er gehe von einer Dunkelziffer aus, da die meisten Opfer erst nach Jahren über den Missbrauch sprechen.

Erzbistum Freiburg: "Reue reicht nicht aus"

Das Erzbistum Freiburg kündigte am Freitag Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie an. Erzbischof Stephan Burger bat im Namen der Kirche um Entschuldigung. "Mitbrüder haben die Botschaft Jesu durch ihr Vergehen an Kinder und Jugendlichen pervertiert und verunstaltet." Dies dürfe künftig nicht mehr geschehen. Er erklärte, die Anstrengungen bei Prävention, Aufklärung und Aufarbeitung würden verstärkt. Möglichst schnell werde er das Gespräch mit Betroffenen suchen.

Zugleich räumte er strukturelles Versagen und Fehler früherer Verantwortlicher ein. "Aus heutiger Sicht betrachtet, erkennen wir, dass Verantwortliche in der Bistumsleitung das Ansehen der Kirche über die Interessen der vom Missbrauch Betroffenen gestellt haben. Das hat auch weiteren Missbrauch ermöglicht. Das sind unverzeihliche Fehleinschätzungen", so der Erzbischof. Der Schutz der Institution dürfe niemals über dem Schutz der Opfer stehen. Burger kündigte neue, strengere Regeln beim Führen von Personalakten an, um jede Manipulation zu verhindern. Zur Aufarbeitung gehöre zudem das Aufbrechen kirchlicher Machtstrukturen.

Der Erzbischof sagte, im Blick auf die neuen Erkenntnisse reichten Entschuldigungen und Worte der Reue nicht aus. Es gelte vielmehr, auf Basis der Studie wirksame Konsequenzen zu ziehen. Dabei sei es wichtig, dass die deutschen Bischöfe gemeinsam handelten. Dazu gehöre auch, über die kirchlichen Positionen zu Homosexualität und Zölibat nachzudenken. Auch für eine staatliche Unterstützung der Aufarbeitung zeigte er sich offen.

(KNA, epd)

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