Symbolbild Missbrauch
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Kardinal Woelki
Kardinal Woelki
Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx
Erzbischof Stephan Burger
Erzbischof Stephan Burger
Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt
Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt

23.09.2018 - 00:00

Bischöfe reagieren auf Ergebnisse der Missbrauchsstudie "Ungeschönt und ohne falsche Rücksichten"

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Deutschlands beschäftigt die Bischöfe weiter. Zuletzt hatte Kölns Erzbischof Woelki eine umfassende und unabhängige Aufklärung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum angekündigt.

Vier Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der neuen Missbrauchsstudie hat Rainer Maria Kardinal Woelki am Freitag für sein Erzbistum weitergehende Untersuchungen angekündigt. Damit ist Köln das erste deutsche Bistum, das diesen Schritt als Reaktion auf die neue Missbrauchsstudie macht.

Die wichtigsten Ergebnisse der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen sogennanten MHG-Studie waren schon in der vorigen Woche von einigen Medien veröffentlicht worden. Danach sollen in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen begangen worden sein.

Im Bezug auf das Kölner Erzbistum rechnet Kardinal Woelki mit "sehr schmerzhaften" Ergebnissen. Trotzdem solle "ungeschönt und ohne falsche Rücksichten" aufgeklärt werden. Dafür werde eine externe Einrichtung beauftragt, so Woelki.

"Versagen und Schuld benennen"

"Die Aufklärung, wie wir in Fällen sexualisierter Gewalt gehandelt haben und welche Fehler gemacht wurden, ist von höchster Bedeutung", so der Kardinal weiter. "Deshalb wollen wir Versagen und Schuld benennen, die Verantwortliche des Erzbistums möglicherweise auf sich geladen haben".

Neben der beschämenden Erkenntnis, dass Vertreter der Kirche vielen Menschen Leid angetan hätten, sei für ihn besonders schlimm zu sehen, dass die Kirche vielen Menschen inzwischen schon so gleichgültig geworden sei, "dass sie sich nicht mal mehr jetzt über die Kirche aufregen. Auch hier muss die Aufarbeitung beginnen, wollen wir neue Zeichen und Impulse setzen".

Bei ihrer Vollversammlung vom 24. bis 27. September in Fulda wollen die deutschen Bischöfe über weitere Konsequenzen für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beraten. Die Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz soll helfen, sich der Verantwortung zu stellen, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und nötige Veränderungen anzustoßen.

Kardinal Marx kritisiert Streit und Machtstreben in der Kirche

Reinhard Kardinal Marx hat bei einem Gottesdienst mit geistlichen Gemeinschaften am Samstag Streit und Machtstreben in der Kirche kritisiert. Ob er damit auch auf die aktuellen Missbrauchsfälle anspielte? "Welch ein Schauspiel gibt die Geschichte der Kirche manchmal ab! Ein Schauspiel des Streites und des Ärgernisses", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Wochenende in München.

Er sprach von "Eifersucht und Kriegen" sowie einem "Wettkampf um Macht und Wahrheit". Die Mitglieder der Kirche seien selbst dafür verantwortlich, wenn die Botschaft des Evangeliums nicht ankomme und die Kirche "erfolglos" bleibe. "Das Problem sind wir", sagte der Münchner Erzbischof.

Marx rief die Gläubigen auf, dem Beispiel Jesu folgend sich klein zu machen "wie ein Kind" und aus dieser Perspektive heraus die frohe Botschaft umzusetzen: "Das braucht die Kirche immer wieder von Neuem." Der Kardinal äußerte sich in einem Gottesdienst mit geistlichen Gemeinschaften.

Herausforderung nicht ausweichen

In der letzten Woche hatte sich Kardinal Marx bei einem Gottesdienst zum Priestertag des Erzbistums konkreter zum Thema Missbrauch geäußert. "Es ist nicht einfach, sich darüber auszutauschen, aber wir dürfen der Herausforderung nicht ausweichen." Die Verantwortlichen in der Kirche müssten "hinschauen, hören und Konsequenzen ziehen - das wird ein schmerzvoller Prozess".

Neben vielen positiven Seiten müsse man auf das Dunkle schauen. "Sünde und Gewalt ziehen sich durch die Geschichte der Kirche", erklärte der Kardinal. Dies werde durch die neue Studie neuerlich mit voller Wucht sichtbar.

Erzbischof Burger: Kirche hat versagt

Auch der Erzbischof Stephan Burger äußerte sich zum Thema Missbrauch. Die Kirche habe in seinen Augen versagt: "Die Kirche steht gegenüber den Betroffenen in einer Schuld, die sie nicht leugnen, die sie nicht abschütteln" könne, sagte Burger am Sonntag im Freiburger Münster.

Die Kirche könne dies nur dann aufarbeiten, "wenn die Betroffenen, die durch diese Taten verletzt, gedemütigt und zerbrochen wurden, dies auch wollen". Die Kirche habe hier nichts einzufordern und könne nichts ungeschehen machen. Die katholische Kirche könne nur selbst um Vergebung bitten und zwar in aller Demut und Bescheidenheit, betonte Burger: "Hier haben wir als Kirche versagt - Verantwortliche wie Täter."

Bischof Ipolt fastet aus Solidarität mit Missbrauchsopfern

Auf den Missbrauch in der katholischen Kirche reagiert der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt auch mit einem ungewöhnlichen Schritt. Er will am 5. Oktober mit einem Tag des Fastens seine "Solidarität mit den Opfern ausdrücken", wie er am Sonntag in allen Gottesdiensten des Bistums Görlitz bekannt machen ließ. "Dies soll ein Zeichen der Sühne für die Sünden der Mitarbeiter der Kirche sein", erklärte Ipolt. Zudem werde er an dem Tag "ganz besonders die Heilige Messe für die Heilung aller von Missbrauch Betroffenen aber auch für die Täter feiern".

Fakten dürften "weder entschuldigt noch beschönigt werden", betonte Ipolt. "Wenn Priester, Ordensleute und pastorale Mitarbeiter, die im Dienst des Evangeliums stehen, das Vertrauen, das ihnen Menschen entgegenbringen, auf grobe Weise missbrauchen, ist das eine himmelschreiende Sünde." Beschämend sei zudem, "dass die Opfer solchen Missbrauchs oft nicht gehört wurden oder man ihnen nicht geglaubt hat". Die Studie belege, "dass die Institution Kirche mehr geschützt werden sollte als die Menschen, die durch Übergriffigkeit, sexuelle Handlungen und Gewalt missbraucht wurden". Der Bischof bat "die Opfer jeglichen Missbrauchs um Vergebung.

Ipolt versicherte den Kirchenmitgliedern, dass künftig Fälle von sexuellem Missbrauch "konsequent entsprechend den staatlichen und kirchlichen Gesetzen geahndet werden". Er hob hervor, dass das Bistum bei der Prävention von sexuellem Missbrauch bereits viel unternommen habe und weiterhin unternehme. "Zugleich weiß ich, dass die meisten Priester und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche in Deutschland ihren Dienst in Treue und Wahrhaftigkeit tun", so Ipolt. Er wandte sich dagegen, "jeden Mitarbeiter Verdächtigungen oder Vorverurteilungen auszusetzen".

(KNA, epd)

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