Justizbeamter im Gerichtssaal
Justizbeamter im Gerichtssaal

12.09.2018

Angeklagter Geistlicher räumt vor Gericht Fehlverhalten ein "Ich weiß, dass das nicht richtig war"

In Mannheim hat der Betrugsprozess gegen einen ehemaligen leitenden Geistlichen aus dem Erzbistum Freiburg begonnen. Der 54-Jährige tritt selbstbewusst auf, übernimmt seine Verteidigung selbst und räumt Anklagepunkte nur teilweise ein.

Es dauert eine halbe Stunde, ehe Staatsanwalt Uwe Siegrist alle Anklagepunkte gegen den Angeklagten verlesen hat. Es geht um Untreue und Betrug in großem Stil, es geht um Rechnungen für Leistungen, die laut Anklage nie erbracht wurden, um Gelder für Pilgerreisen, die nie stattfanden, um karitative Projekte in Spanien, die es nicht gab, um Gelder aus Sonntagskollekten, die aus Barkassen ohne Nachweise entnommen wurden. Der Angeklagte ist Priester des Erzbistums Freiburg.

Die Liste der Vorwürfe ist lang, und so geht auch das Landgericht Mannheim, dessen Große Wirtschaftskammer den Fall verhandelt, von einer längeren Dauer des Prozesses aus und hat bis Ende November 20 Verhandlungstage festgesetzt.

Angeklagter nichts von Selbstbewusstsein eingebüßt

Das Fazit nach dem ersten Prozesstag: Der Geistliche hat in den Monaten seiner Untersuchungshaft - wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr hatte das Amtsgericht Mannheim im Dezember Haftbefehl gegen ihn erlassen - nichts von seinem Selbstbewusstsein eingebüßt.

Er übernimmt, in Abstimmung mit seinem Anwalt Edgar Gärtner, seine Verteidigung selbst und versucht wortreich zu erläutern, warum er es mit Satzungen und Regelungen bei dem örtlichen Caritasverband, der zu den Geschädigten gehört, nicht so genau genommen hat.

"Kirche funktioniert nicht über Strukturen", sagt der 54-Jährige etwa auf die Frage, wie es ohne Beteiligung der eigentlich Verantwortlichen zur Einstellung einzelner Mitarbeiter gekommen sei, die nach Aussage anderer Mitarbeiter nicht qualifiziert waren. "Ich wollte nur, dass das Ganze in Gang kommt", rechtfertigt sich der Angeklagte.

Nach Aussage des Priesters soll sich der Caritasverband damals in einer wirtschaftlichen Schieflage befunden haben. Erst durch sein Eingreifen habe ein Konkurs abgewendet werden können. Dann konfrontiert ihn der Vorsitzende Richter Oliver Ratzel mit einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 2012. Darin wird der Geistliche fälschlicherweise als studierter Wirtschaftswissenschaftler bezeichnet, der an der Universität Sankt Gallen Sommerkurse leite und Promotionsstudenten betreue. Er habe mit dem Autor des Artikels gar nicht persönlich geredet, entgegnet der 54-Jährige.

Mahnung vom Richtertisch

Auch dass in den Rechnungen, die der Priester für seine nebenberufliche Tätigkeit als Berater stellt, immer von mehreren Personen die Rede ist, stößt der Kammer negativ auf. "Wollten Sie vorgaukeln, dass hinter Ihrer Beratungsgesellschaft etwas Größeres steht? Oder wussten Ihre Kunden, dass Sie ein Ein-Mann-Betrieb sind?", will das Gericht wissen. Das hätten sie gewusst, so der Angeklagte. Daraufhin die Warnung von der Richterbank: "Sie können sich hier verteidigen, wie Sie wollen. Sie brauchen aber nicht zu denken, dass wir Ihnen alles glauben."

Dann räumt der Angeklagte ein, dem Caritasverband, bei dem er eigentlich ehrenamtlich tätig war, Rechnungen über seine damalige litauische Firma gestellt zu haben. Allerdings habe er die Leistungen tatsächlich erbracht, wie er sagt. Und zwar zu einem reduzierten Tagessatz von 1.200 Euro. "Ich habe das gegenüber dem Diözesan-Caritasverband nur nicht transparent gemacht. Ich weiß, dass das nicht richtig war. Aber hätte ich das transparent gemacht, hätte es alle möglichen Schwierigkeiten gegeben, man hätte sicherlich versucht, das zu unterbinden oder zu erschweren."

Kein guter Umgang mit Geld

Dass er nicht mit Geld umgehen könne, hatte der Angeklagte zuvor eingeräumt. Und es war nicht wenig Geld, das der Geistliche als Pfarrer im Erzbistum Freiburg und durch seine nebenberufliche Tätigkeit als Berater verdient hat. Laut einer Kontenprüfung durch das Landeskriminalamt sollen sich die Gesamteinnahmen des Angeklagten in den Jahren 2013 bis 2017 auf 1,36 Millionen Euro belaufen haben.

Wo das Geld geblieben ist? Das will der Angeklagte selbst nicht wissen. Er habe es ausgegeben, ohne groß zu planen und zu rechnen.

Warum er überhaupt Pfarrer geworden sei, will der Vorsitzende Richter wissen. "Ich bin sehr gläubig", sagt der 54-Jährige, "ich glaube an Gott und versuche das, was mir im Leben passiert, an Gutem und Schlechtem, aus religiöser Perspektive zu deuten."

Stefanie Ball
(KNA)

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