Sankt-Michael-Kirche in Berlin, Blick über das Engelbecken
Sankt-Michael-Kirche in Berlin, Blick über das Engelbecken

09.09.2018

Die spannende Geschichte der Sankt-Michael-Kirche Ein Stück katholisches Italien in Berlin

Die Berliner Mauer spaltete die Gemeinde der Sankt-Michael-Kirche in Berlin. Ein Förderverein setzt sich heute für den Erhalt der Kirche ein. Im Interview erzählt der Vorsitzende, Thomas Motter, von der wechselvollen Geschichte der Kirche.

DOMRADIO.DE: Die Auswahl ist riesig beim Tag des offenen Denkmals gerade auch in Berlin. Warum sollte der Berliner oder der Brandenburger bei Ihnen vorbeischauen?

Thomas Motter (Vorsitzender des Förderverein zur Erhaltung der Katholischen Kirche St. Michael, Berlin-Mitte e.V.): Er sollte deswegen bei uns vorbeischauen, weil wir die zweitälteste katholische Kirche in Berlin nach der Reformation sind, die als eine der wenigen Kirchen auch eine sogenannte Platzkirche ist. Während viele andere Kirchen in die Häuserfronten eingefügt sind, steht unsere Kirche mitten auf dem Michaelkirchplatz – ein schöner Platz mit einem Park ringsherum.

Die Kirche ist ja im Krieg zerstört worden und nur zum Teil wieder aufgebaut worden, sodass wir jetzt eine Situation haben, die einmalig in Berlin ist. Wir haben das ehemalige Querschiff als Gottesdienstraum, wir haben ein kleines Gemeindehaus, in dem ehemaligen Hauptschiff und der Rest ist ein schöner Garten.

DOMRADIO.DE: Die Kirche ist von 1851 bis 1861 erbaut worden. Sie haben es gerade schon gesagt, die Kirche hat im Zweiten Weltkrieg schwer gelitten, ist komplett zerstört worden und der Wiederaufbau war nicht so einfach.

Motter: Der war nicht so einfach, weil die DDR-Regierung vorhatte, die Ruine gänzlich abreißen zu lassen. Durch die politischen Verhältnisse, die Teilung der Stadt und die Einführung der D-Mark im Westteil, hat sich diese Idee Gott sei Dank zerschlagen, sodass wir ab 1952 die Genehmigung hatten, wenigstens das Querschiff und die große Apsis wieder aufzubauen.

DOMRADIO.DE: Die Kirche steht am Engelbecken in Berlin-Mitte. Sie ist ganz besonders an ihrer Kuppel zu erkennen und hat dadurch so einen leicht italienischen Touch. Wie kommt das?

Motter: Der Baumeister August Soller und auch König Friedrich Wilhelm IV., der den Bau als Garnisonskirche für die katholischen Soldaten in Berlin angeregt hatte, waren beide Italien-Fans. Soller ist mehrere Monate durch Italien gereist und hat sich dort Ideen geholt. Außerdem befindet sich vor der Kirche das Engelsbecken. Das ergab sich mehr oder weniger zufällig, weil es dort mal einen alten Kanal gab, für den das Engelsbecken so eine Art Hafen- und Wendeplatz war. Und wenn man heute da steht und über das Englesbecken auf die Kirche guckt, dann ist das schon wirklich italienisch anmutendend.

DOMRADIO.DE: Sie sind seit 1951 Mitglied der Gemeinde und dort sehr engagiert. Ein einschneidendes Erlebnis war der Mauerbau. Die Mauer verlief dann im Grunde unmittelbar an der Kirche entlang. Was war das für ein Gefühl?

Motter: Kein Gutes jedenfalls. Die Gemeinde wurde geteilt und ungefähr 80 Prozent der Gemeindemitglieder wohnten in Kreuzberg im Westteil der Stadt. Die waren dann von ihrer Pfarrkirche abgeschnitten. Hier im Osten hatten wir zwar die große Pfarrkirche, aber laut Kartei waren es nur noch ungefähr tausend Gemeindemitglieder. Das war schon eine große Umstellung. Ich kann mich zum Beispiel erinnern, dass der Kaplan, den wir damals hatten, schnell noch neue Ministranten ausbilden musste.

DOMRADIO.DE: Was hat sich denn nach dem Mauerfall grundlegend verändert?

Motter: Nach dem Mauerfall haben wir es nicht mehr geschafft, aus der 28 Jahre geteilten Gemeinde wieder eine zu machen, weil auf beiden Seiten sehr unterschiedliche Entwicklungen stattgefunden hatten. Es gab in den Gemeindeteilen nur noch eine handvoll Leute, die vor 1961 mit in der Gemeinde gewesen waren und die ein bisschen den alten Kern darstellten. Wir haben es bis heute nicht geschafft, aber wir haben gute Kontakte.

DOMRADIO.DE: Sie sind der Vorsitzende des Fördervereins. Was für Projekte wollen Sie anstoßen?

Motter: Eine Gemeinde muss immer einen Eigenanteil für Reparaturmaßnahmen und ähnliches aufbringen. Und bei unserer kleinen Gemeinde war das immer sehr schwierig. Deswegen haben wir 2001 diesen Förderverein gegründet, um da zu unterstützen. Wir haben inzwischen ungefähr 75 000 Euro in die verschiedensten Sachen, wie Restaurationen, das Tabernakel und den Osterleuchter, der noch aus der alten Kirche stammt, gesteckt. Und wir haben zum 155. Kirchweihejubiläum vor zwei Jahren ein neues Glasfenster gestalten lassen. Der Hauptaugenmerk liegt aber darauf, alles zu erhalten, so wie es jetzt ist.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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