24.08.2018

Über eine provokante Kunstaktion am Innsbrucker Dom "Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist"

Auf dem verhüllten Innsbrucker Dom prangt ein markanter Spruch: "Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist". Was das soll, erklärt Dompropst Prälat Florian Huber aus der Diözese Innsbruck.

DOMRADIO.DE: Was steckt hinter dem Spruch am Dom "Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist"?

Prälat Florian Huber (Generalvikar der Diözese Innsbruck): Es ist ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Wir haben in Tirol jedes Jahr die Möglichkeit, ein solches Projekt vorzuschlagen. Die Künstlerin Katharina Cibulka hat schon an mehreren Baugerüsten solche Sprüche angebracht und ist schließlich über Vermittlung unseres Bischofs an mich herangetreten.

Im Vorfeld gab es intensive Gespräche und Überlegungen. Der Dom ist ja die Hauptkirche der Diözese. Es ist ein sehr bevorzugter Platz, der Aufmerksamkeit erregt.

Daher sollte es ein Spruch sein, mit dem ich mich auch identifizieren kann. Auf der einen Seite wollte ich nicht in eine künstlerische Freiheit eingreifen. Auf der anderen Seite muss ich natürlich vertreten können, was auf der Plane steht – selbst wenn das Ganze eine temporäre Installation ist.

DOMRADIO.DE: Ich habe mich tatsächlich auch gefragt, was dieser Spruch genau sagen will?

Huber: Ja, das wird einem nicht sofort klar. Oft ist Gott als ein älterer Mann mit mehr oder weniger langem Bart dargestellt. Über Jahrhunderte wäre es niemandem in den Sinn gekommen, Gott so darzustellen. Diese figürliche Darstellung in aller Kunstfertigkeit und Lieblichkeit kam erst in der Renaissance und dann vor allem im Barock auf. 

Ich denke, wir müssen Vorstellungen und Bilder von Gott immer hinterfragen und Bild und Wirklichkeit auseinanderhalten. Mir geht es darum, dass wir die Grenzen der Darstellung wahrnehmen und uns bewusst machen. Es geht ja oft um Bilder mit allen damit konnotierten Erfahrungen und Widersprüchen.

DOMRADIO.DE: Was hat nun der Feminismus damit zu tun?

Huber: In Gottesvorstellungen, auch in Vater-Darstellungen, ist die mütterliche, weibliche Seite oft zu kurz gekommen. Und im Zusammenhang mit dem Feminismus stellen sich auch in der Kirche Fragen wie: Welche Rolle hat die Frau in der Kirche? Wie steht die Kirche zu Feministinnen? Und wie kommen wir da weiter?

DOMRADIO.DE: Wie stehen Sie zum Feminismus?

Huber: Wie in allen Bereichen gibt es solche und solche Positionen. Nicht jede Feministin ist gleich. Es gibt inhaltliche Unterschiede und es gilt zu hinterfragen und abzuklären. Ich würde mich schon als jemanden darstellen, dem das Thema "Frau in der Kirche" ein Anliegen ist, zudem ich durchaus auch meinen Beitrag leisten möchte.

DOMRADIO.DE: Würden Sie so weit gehen das Frauen-Priestertum zu fordern?

Huber: Nein, so weit gehe ich nicht. Aber ich denke, dass dieses Thema uns nach wie vor beschäftigen wird, und in diese Frage über kurz oder lang Bewegung wird kommen muss.

DOMRADIO.DE: Dieser Spruch auf der Baustellenverkleidung ruft natürlich Reaktionen hervor. Im Internet konnte man lesen, dass manche das als plumpe Provokation sehen und als Kniefall vor dem Zeitgeist kritisieren. Welche Reaktionen haben Sie bekommen?

Huber: Ich persönlich habe sehr viele positive Reaktionen bekommen, kritische eher weniger. Die Internetforen habe ich nicht verfolgen können. Ich war einige Wochen in Urlaub und wollte den Spruch ursprünglich erst nach meinem Urlaub anbringen lassen, aber dann hätte das Plakat nur zwei Wochen gehangen und das wäre doch zu kurz gewesen. Von daher habe ich es gewagt.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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