Symbolbild Missbrauch in der katholischen Kirche
Symbolbild Missbrauch in der katholischen Kirche

31.07.2018

Krisenfester Job - zur Situation der Messdiener in Deutschland "Frommes Gesicht" und "viel Spaß in toller Gemeinschaft"

Thomas Gottschalk hat es gemacht, auch Thomas Müller und Christoph Maria Herbst. Anne Will durfte nicht, Andrea Nahles hat es trotzdem getan. Genau: Es geht um Messdiener. Über 60.000 fahren zur Ministrantenwallfahrt nach Rom.

"Ich mach Weihrauch - Ich Kollekte - Wir Gabenbereitung - Und was bleibt für mich? - FG - Was ist das denn? - Frommes Gesicht". Kein untypischer Dialog aus einer Sakristei, wenn Messdiener kurz vor dem Gottesdienst um die Jobs rund um den Altar feilschen.

Oder Messdienerinnen natürlich. Die inzwischen die Mehrheit stellen: Bei der letzten Zählung 2016/17 gab es schon 53,3 Prozent Ministrantinnen - Tendenz steigend - unter den 360.000 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die Dienst am Altar verrichten.

Messdienerinnen seit 1992

Dabei hat Papst Johannes Paul II. erst 1992 offiziell grünes Licht gegeben für Messdienerinnen. "Meine Mama durfte noch nicht am Altar dienen", erzählt etwa die 14-jährige Julia aus Prutting bei Rosenheim. Genau wie Anne Will: "Messdienerin werden war mein Traum", sagte die TV-Talkerin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Doch das war damals noch tabu. SPD-Chefin Andrea Nahles dagegen durfte schon an den Altar - mehr oder weniger offiziell.

Guido Cantz, Günther Jauch und Thomas Gottschalk

Viele (männliche) Prominente erinnern sich bis heute gerne an ihre Messdienerzeit - von Fußballstar Thomas Müller über Showgrößen wie Guido Cantz, Günther Jauch und Thomas Gottschalk bis zu Schauspieler Christoph Maria Herbst: "Im Theater gibt es Trockeneis und Nebelmaschine, das war bei uns das Weihrauchfass." Wobei Herbst den Dienst aber nicht nur als gutes Training für größere Auftritte ansieht, sondern bis heute "gerne katholisch" ist, wie er im KNA-Interview betonte.

"Messe dienen macht total viel Spaß", schwärmt auch Julia. Vor allem sei es viel spannender, am Altar aktiv dem Priester zu helfen, als passiv in der Kirchenbank zu sitzen. "Man ist viel näher dran", ergänzt die 16-jährige Marie aus Nordhorn: "Das hilft mir auch in meinem Glauben, und das gebe ich als Leiterin gerne an die Jüngeren weiter."

"Stabiles Engagement"

"Messdienerinnen und Messdiener leisten einen wichtigen Dienst für die Kirche - auch durch ihr öffentliches Glaubenszeugnis", betont Alexander Bothe, der bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz für die Ministrantenarbeit zuständig ist. Und auch wenn es nicht immer als "cool" gilt, sich für die Kirche zu verpflichten und schon mal sonntags früh aufzustehen, findet er es erfreulich, "wie stabil das Engagement ist".

Kein anderer Bereich der katholischen Jugendarbeit stoße auf so große Resonanz, ergänzt Bothe: "Selbst der Missbrauchsskandal hat keinen wirklichen Einbruch verursacht." Allerdings tue man auch sehr viel, um das Vertrauen der Kinder und Eltern zu behalten - etwa im Bereich der Prävention. Erfreulich findet er auch die große Bereitschaft Zehntausender junger Katholiken, schon früh Verantwortung zu übernehmen und selbst eine Ministrantengruppe zu leiten.

Der ältere Messdiener

Manche bleiben dann auch länger dabei - oder steigen später wieder ein. Knapp zwei Prozent seien älter als 25, so Bothe: "Der älteste Messdiener, von dem ich weiß, ist inzwischen 93." Einige entdeckten den Dienst am Altar nach dem Eintritt in die Rente wieder neu, "und manche Frau holt das nach, was sie als Mädchen nicht durfte". Für viele Gemeinden ein Segen - nicht nur für Beerdigungen und Gottesdienste an Werktagen, wenn die Jugendlichen in der Schule sind.

Ob jung oder junggeblieben - neben dem Mitwirken im Gottesdienst ist eines fast allen besonders wichtig: "Viel Spaß haben in einer tollen Gemeinschaft". So bringt es der 14-jährige Niklas aus Nordhorn auf den Punkt. Dazu gehören die meist wöchentlichen Gruppenstunden, aber auch Zeltlager, Ausflüge, gemeinsames soziales Engagement - und die große Internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom.

Die Minis

Vom 30. Juli bis 3. August werden weit mehr als 60.000 "Minis" die Ewige Stadt unsicher machen - darunter gut 50.000 aus Deutschland wie Julia, Marie, Niklas und der 18-jährige Tobias aus München, der schon 2014 dabei war. "Das ist einfach ein Wahnsinns-Erlebnis mit einer ganz besonderen Atmosphäre", schwärmt er. Auch um zu erleben, "dass wir ganz ganz viele sind" - anders als in vielen Pfarreien zu Hause.

Ganz besonders freut er sich auf die Sonderaudienz beim Papst. Und vielleicht gelingt es ihm ja diesmal, sein Pilgertuch mit Franziskus zu tauschen.

Gottfried Bohl
(KNA)

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