Die Domkirche St. Maria und St. Korbinian
Die Domkirche St. Maria und St. Korbinian

13.06.2018

Deutschlands größte kirchliche Baustelle entsteht in Freising Kräne auf dem Domberg

Schon bald prägen nicht mehr Kirchtürme, sondern Kräne das Erscheinungsbild des Freisinger Dombergs. Bis 2024 verwandelt er sich in eine Großbaustelle, die nicht nur den Geldbeutel der Kirche strapazieren wird.

Knapp 30 Meter erhebt sich der Domberg über Freising. Alpinistisch ist der Höhenunterschied unbedeutend, doch so mancher Untrainierte kommt schon auf dem Weg über das steile Kopfsteinpflaster ins Schwitzen, für Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte ist die Strecke ohne motorisierte Beförderung praktisch nicht zu schaffen.

Ein barrierefreier Zugang, und zwar vom Fuß des Berges aus, war ein zentraler Wunsch, den das Erzbistum München und Freising vor drei Jahren bei einer Befragung zur Neugestaltung ihres historischen und spirituellen Zentrums ermittelte. Auch er soll nun erfüllt werden, im Rahmen der größten Baustelle, die das Erzbistum bisher gesehen hat.

215 Millionen Euro beträgt der Kostenrahmen für Sanierung, Um- und Neubauten auf der geschichtsträchtigen Anhöhe. Das ist etwa sieben Mal so viel Geld wie auf dem Limburger Domberg verbaut wurde, was den dortigen Bischof seinerzeit bekanntlich das Amt kostete.

Auch den Münchnern ist die kritische Sensibilität bewusst, mit der die Öffentlichkeit solchen Großprojekten inzwischen begegnet. Daher wurden im Zuge der Rücklagenbildung für das Projekt auch die Baumittel für die Kirchenstiftungen erhöht. Sage niemand, das Zentrum sei der Erzdiözese wichtiger als die Peripherie. Außerdem wird Transparenz großgeschrieben. Wer sich informieren will, kann das auf der Website www.domberg-freising.de tun, für Rückfragen gibt es eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer.

Noch im Juli startet die Sanierung des Diözesanmuseums, das seit 2013 wegen Brandschutzmängeln geschlossen ist. So richtig ins Auge springen wird die Baustelle aber erst, wenn kurz darauf am Südhang unter dem Kardinal-Döpfner-Haus und dem ehemaligen Domgymnasium zwei ausladende Kräne errichtet werden: mindestens 60 Meter hoch, der Ausleger sogar 70 Meter lang. Über diese beiden Lastenträger soll der gesamte Materialtransport abgewickelt werden. Das erfordert eine ausgeklügelte Logistik, denn auch die Zufahrten zu den beiden Umschlagstellen sind eng. Ein eigens dafür engagierter Fachmann wird daher einen Fahrplan für die Lkws ausarbeiten.

Wegen des Baubooms im Großraum München wird es nicht leicht werden, die benötigten Firmen zu engagieren und im Rahmen der Kalkulation zu bleiben. Noch mehr Sorgen bereitet den Planern das archäologisch bedeutsame Areal, das schon zur Bronzezeit besiedelt war. Eine Vorgabe für die Architekten lautete daher, mit möglichst wenig Eingriffen in den Boden auszukommen. So sollen die gut drei Kilometer Abwasserkanäle im Bestand erneuert und keinesfalls verbreitert werden. Der Neubau der beiden geplanten Seitenflügel für das Kardinal-Döpfner-Haus wird aber ein neues Fundament erfordern, und das in einer Lage, in der auf jedem Meter mit Bodenfunden zu rechnen ist.

Die Bistumsleitung hat sich schon vor Jahren bewusst entschieden, den Freisinger Domberg als Gesamtheit in den Blick zu nehmen und weiterzuentwickeln, anstatt Einzelprobleme wie überholungsbedürftige Leitungsnetze abzuarbeiten. Für Generalvikar Peter Beer gilt es, den Domberg als "einen offenen, spirituellen und inspirierenden Ort für jetzige und künftige Generationen" zu erhalten. Er soll ein lebendiger Teil der Stadt Freising sein, "wir wollen keine Burg", betont Beer.

Gespannt bleiben darf man darauf, wie das Problem eines möglichst bequemen Zugangs gelöst wird. Von manchen Ideen wie einem Shuttle-Service hat man sich bereits verabschiedet, das würde zu viel Verkehr und Unruhe auf den Berg bringen. Beer favorisiert derzeit einen Schrägaufzug, der vom Fuße des Südhangs die Besucher hinaufschweben ließe, ob unter- oder oberirdisch, das soll ein Wettbewerb klären, der sich mit Denkmalschutz, Statik und Beförderungstechnik gleichermaßen beschäftigen wird.

Im Idealfall gibt es 2024 zweierlei zu feiern: das Ende der Bauarbeiten und die Ankunft des Bistumspatrons Korbinian in Freising vor 1.300 Jahren.

Christoph Renzikowski
(KNA)

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