In der Hamburger Suppenküche "Alimaus" freuen sich Bedürftige über eine warme Mahlzeit (Symbolbild)
In der Hamburger Suppenküche "Alimaus" freuen sich Bedürftige über eine warme Mahlzeit (Symbolbild)
Reeperbahn in Hamburg
Reeperbahn in Hamburg

11.06.2018

25 Jahre Suppenküche an der Hamburger Reeperbahn "Jeder, der möchte, kann zu uns kommen"

Nur einen Katzensprung von Hamburgs Amüsiermeile, der Reeperbahn, entfernt liegt eine der größten Suppenküchen der Hansestadt. In diesem Monat feiert die katholische Einrichtung "Alimaus" ihr 25-jähriges Bestehen.

Seinen Bart hat er schon länger nicht rasiert, seine Finger sind gelb vom Crack-Rauchen und er sieht ausgemergelt aus: David (Name geändert) ist seit einem Jahr obdachlos. "Ich stand voll im Leben, aber durch Drogen habe ich viel verloren: Arbeit, Wohnung, den Kontakt zu meinen Kindern", sagt der 32-Jährige.

Warmes Essen und frische Blumen im finnischen Blockhaus

Heute lebt er von Hartz IV, verdient sich ein bisschen Geld mit dem Sammeln von Pfandflaschen hinzu und übernachtet teils bei einem Kumpel und teils auf der Straße. Er ist einer der täglich rund 300 Besucher der "Alimaus", wo er zweimal am Tag eine kostenlose Mahlzeit bekommt. Die katholische Obdachloseneinrichtung unweit der Hamburger Reeperbahn wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Am Montag wird das Jubiläum mit einem Gottesdienst mit Erzbischof Stefan Heße gefeiert.

Wer auf der Reeperbahn Platte macht, kennt und schätzt die "Alimaus". Das rote finnische Blockhaus, umgeben von einem Garten, strahlt eine gewisse Gemütlichkeit aus. "Man wird hier wirklich verwöhnt", sagt David und setzt sich – wie jeden Morgen – auf einen der 60 Plätze im Speisesaal. Auf den Holztischen stehen frische Blumen, die Stühle sind gepolstert, Ehrenamtliche tragen Tabletts mit frisch geschmierten Brötchen und Kaffeekannen herein.

"Jeder, der möchte, kann zu uns kommen"

Dass die Besucher am Tisch bedient werden, ist Teil des Konzepts, erklärt Leiterin Christiane Hartkopf. "Die Leute sollen sich bei uns wohlfühlen und von ihrem sonst oft stressigen Alltag ausruhen können." Bewusst werden sie daher von den Mitarbeitern "Gäste" genannt und müssen ihre Bedürftigkeit nicht nachweisen. "Jeder, der möchte, kann zu uns kommen", sagt die 44-Jährige. Zum Publikum gehören nicht nur Obdachlose, sondern auch Menschen, die zwar eine Bleibe haben, aber deren Einkommen oder Rente nicht zum Leben reicht. Am Morgen bekommen sie in der "Alimaus" ein Frühstück, am Nachmittag ein warmes Mittagessen. Geöffnet ist montags bis samstags, am Sonntag ist Ruhetag.

Was heute eine der größten Suppenküchen in Hamburg ist, begann in den 90er-Jahren mit dem Engagement einer einzelnen Frau: Die 2001 verstorbene Gemeindereferentin Gabriele Scheel verteilte Kuchen und Tee am Hauptbahnhof. Im Mai 1993 stellte sie einen Alten Zirkuswagen auf dem heutigen Grundstück auf, in denen sie Bedürftigen Essen servierte. Das war die Geburtsstunde der "Alimaus"; der Name erinnert an die früh verstorbene Tochter der Gründerin, Alexandra.

"Gabriele Scheel war eine Frau, die anpacken konnte, und die es verstand, die Menschen für ihr Anliegen zu begeistern", sagt Pater Karl Meyer. Der 80-jährige Dominikaner ist heute Vorsitzender des Trägervereins Sankt Ansgar und kann sich noch gut an die Anfänge der Einrichtung erinnern. "Für die Armen ist das Beste gerade gut genug" – das sei das Motto der Gründerin gewesen.

"Viele von ihnen sind einsam und suchen den Austausch"

1999 wurde das Blockhaus errichtet, in dem die "Alimaus" bis heute untergebracht ist. Inzwischen gehören auch eine Kleiderkammer, medizinische Betreuung mit Ärzten, Krankenschwestern und einer Fußpflege sowie ein Seelsorgebüro zur Einrichtung. Sie wurde lange von Ordensschwestern geführt, die mitten auf dem Kiez lebten. Heute besteht das Team aus sechs hauptamtlichen Mitarbeitern sowie rund 150 Ehrenamtlern. Die Finanzierung läuft einzig über Geld- und Sachspenden.

Für die meisten Gäste sei die "Alimaus" mehr als nur eine Suppenküche, sagt Hartkopf. "Viele von ihnen sind einsam und suchen den Austausch." Dass es bei den vielen Problemen, von denen die Besucher geplagt sind, auch mal zum Streit oder zu Pöbeleien kommen kann, gehöre zum Alltag. "Aber die meisten sind dankbar, dass sie herkommen können, und sind bemüht, sich an unsere Regeln zu halten." Wer an seiner Situation etwas ändern will und weitere Hilfe benötigt, wird an die entsprechenden Stellen weitervermittelt.

Auch David hat bereits einige Adressen bekommen, an die er sich wenden kann, um etwa eine Wohnung zu finden und seine Sucht in den Griff zu bekommen. "Ich würde gerne wieder fest im Leben stehen", sagt er und beginnt zu träumen. Noch fehlt ihm der Antrieb für den ersten Schritt. Doch er weiß: "Helfen kann ich mir nur selber."

Michael Althaus

(KNA)

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