Bischof Jung ist gegen "XXXL-Pfarreien"
Neuer Bischof von Würzburg: Franz Jung

10.06.2018

Würzburgs neuer Bischof Franz Jung wird am Sonntag geweiht Anpackend, kommunikativ und humorvoll

Die Wohnung hat er schon bezogen. Am Sonntag nimmt er dann vom ganzen Bistum Würzburg Besitz. Mit dem 52-jährigen Franz Jung bekommt die fränkische Diözese einen jungen Oberhirten mit Organisationstalent.

Das Würzburger Stadtwappen trägt Franz Jung schon am Revers. Er steht in einem Saal des prachtvollen Prinz-Carl-Palais in München. Kurz zuvor hat ihn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als neuen Bischof von Würzburg vereidigt. Den Anstecker habe er von Oberbürgermeister Christian Schuchardt bekommen, schließlich sei er nun auch offiziell in Würzburg mit Erstwohnsitz gemeldet, berichtet Jung.

Die Weihe zum Bischof steht am Sonntag an, dann nimmt er auch Besitz von der Diözese mit rund 750.000 Katholiken.

Jung setzt auf Mitarbeit der Laien und Räte

Auf dem neuen Mann ruhen große Erwartungen, gilt er doch als entscheidungsstark und kommunikationsfähig. Bewiesen hat der 1966 in Mannheim geborene und am gegenüberliegenden Rheinufer in Ludwigshafen aufgewachsene Jung dies im Bistum Speyer in seinen gut neun Jahren als Generalvikar. Maßgeblich organisierte er den Reform- und Fusionsprozess "Gemeindepastoral 2015", in dem 70 Großpfarreien gebildet wurden.

Zugute kam ihm dabei, ein sehr humorvoller Mensch zu sein, der gerne lacht. Auch in Würzburg stehen Veränderungen an. In Speyer setzte Jung auf starke Mitarbeit der Laien und Räte, und er formulierte klare Ziele. So will es der 52-Jährige auch in Würzburg tun. Es gelte, sich gemeinsam auf ein Ziel zu einigen, sagt er dem "Würzburger katholischen Sonntagsblatt". "Da artikuliert natürlich auch der Bischof seine Meinung deutlich, und auch die wird diskutiert – das gehört dazu."

In Speyer schuf er mit sogenannten Diözesanen Foren Beratungsgremien aus Laien und Klerikern. Dort sei jede Frage, die im Prozess entstanden sei, mit ihren Lösungsansätzen debattiert, beschlossen und umgesetzt worden. Es brauche eine fest vorgegebene Pfarreistruktur, innerhalb der es aber ein Höchstmaß an Flexibilität für Regelungen vor Ort geben müsse.

Digitalisierung gehört zur Zeit des Umbruchs

Jung setzt darauf, dass Kirche Menschen immer neu Heimat bietet – auch jenseits der klassischen Pfarrei. Als Wahlspruch suchte er sich "Eine Hoffnung als Anker der Seele" aus, ein verkürztes Zitat aus dem sechsten Kapitel des Hebräerbriefs.  Der Anker in seinem Wappen sei eines der ältesten Hoffnungssymbole; und die brauche es gerade in bewegten Zeiten des Umbruchs. Dazu gehöre auch die Digitalisierung, sagte er dem Bistumsblatt.

Bisher sei er nicht in den sozialen Medien anzutreffen. "Aber ich werde gemeinsam mit dem Medienhaus der Diözese einen Weg suchen, wie man dort gut unterwegs ist." Immerhin, erste Äußerungen von ihm, etwa seine Anmerkungen zum bayerischen Kreuzerlass, erzeugten auf Facebook und Twitter kontroverse Diskussionen.

Auch sein Entschluss, in eine einfache Domkapitularswohnung zu ziehen und nicht ins Bischofshaus, sorgte für Gesprächsstoff. Erst brauche es dort einen abgeschlossenen Wohnraum, so seine Begründung. Denn Jung will seinen Haushalt nicht von Schwestern führen lassen, sondern eine Haushaltshilfe engagieren. "Ich kann bügeln, das habe ich während meiner Studienzeit immer gemacht, und kochen kann ich auch", bekannte er im Sonntagsblatt.

Gespräche, Wein und etwas Schönes zum Lesen

Die verbrachte Jung, dessen Eltern Lehrer waren und der drei Geschwister hat, in München und Rom. 1992 weihte ihn der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus in Rom zum Priester. Die erste Seelsorgestelle absolvierte Jung in Pirmasens, bevor er in der Speyerer Dompfarrei arbeitete und Sekretär des emeritierten Bischofs Anton Schlembach wurde, der aus dem Bistum Würzburg stammt.

Sein Interesse gilt den Anfängen des Christentums und den Kirchenvätern, wie die zentralen theologischen Figuren der ersten Jahrhunderte heißen. In seiner Doktorarbeit befasste sich Jung 2001 mit einem Thema aus dem Neuen Testament. Noch heute arbeite er in seiner Freizeit gerne wissenschaftlich, etwa, wenn er die Lebensbeschreibung des Cäsarius von Arles aus dem Lateinischen übersetzt und kommentiert.

"Ein gutes Glas Wein, ein Gespräch mit einem guten Freund, mal in aller Ruhe etwas Schönes lesen", so könne er komplett abschalten, verriet Jung. Das geht auch an seiner neuen Wirkungsstätte. Denn so wie in der Pfalz gibt es in Franken hervorragende Weine.

Von Michael Jacquemain und Christian Wölfel 

(KNA)

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