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Der Aachener Dom
Karlsschrein im Aachener Dom
Karlsschrein im Aachener Dom

03.06.2018

Zum Welterbetag: Dombaumeister über den Aachener Dom "Zu Recht das erste Welterbe in Deutschland"

Vor genau 40 Jahren ist der Aachener Dom in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Helmut Maintz, Dombaumeister und Welterbe-Manager, über CO2-Werte, Schokolade und Veranstaltungen zum Welterbetag.

DOMRADIO.DE: Seit 2005 wird der Welterbetag gefeiert, um auf die Bedeutung der Welterbestätten aufmerksam zu machen. Der Aachener Dom gehört zu den ersten zwölf Kulturdenkmälern weltweit, die von der Unesco am 8. September 1978 in die Welterbeliste aufgenommen wurden. Und dann war die Kathedrale das erste deutsche Bauwerk in dieser Liste. Wie stolz macht Sie das auch heute noch in Aachen?

Helmut Maintz (Dombaumeister und Welterbe-Manager in Aachen): Das macht uns schon besonders stolz. Das zeigt auch die Bedeutung des Aachener Doms, natürlich seine Geschichte: 1200 Jahre Baugeschichte, Karl der Große als Vorreiter von Europa. Ich glaube, das ist etwas ganz Besonderes. Aus meiner Sicht ist der Aachener Dom zu Recht das erste Welterbe in Deutschland auf dieser Liste.

DOMRADIO.DE: Heute gibt es in Deutschland 42 Welterbe-Stätten, und wenn man auch in die Liste aufgenommen werden will, dann kann ein Antrag auch mal 1000 Seiten lang sein, in Aachen warens vor 40 Jahren gerade mal sechs Seiten…War früher alles einfacher?

Maintz: Einfacher auf jeden Fall. Ganz am Anfang hatte man auch schon Kriterien aufgestellt, die aber natürlich einfacher zu erfüllen waren. Das war sicherlich alles einfacher als heute. Wir haben damals 1978 zum Beispiel keine Pufferzone rund um den Dom eingerichtet bekommen. Heute ist es Gang und Gäbe, dass in einem Radius von ca. 500 Metern auch die restliche Bebauung immer besonders beobachtet wird. Damals war es einfacher, dieses Welterbe für die Menschheit zu bewahren.

DOMRADIO.DE: Welche Kriterien, um als Welterbe aufgenommen zu werden, sind denn dazu gekommen?

Maintz: Es ist umfangreicher und differenzierter geworden. Die Hürden werden immer höher. Es darf ja auch nicht zu viele Welterbe geben, sonst wird es unübersichtlich. Inzwischen sind viele Ensembles dazugekommen, also ganze Baugebiete und Städte. Da braucht es andere Kriterien als für einzelne Gebäude. 

DOMRADIO.DE: Das ist ja immer ein Riesenspagat. Einerseits wollen Sie den Menschen ein tolles Bauwerk präsentieren und natürlich auch vom Status Welterbe profitieren, aber eben auch nicht den Wert der Stätte, des Doms, bedrohen. Wie schaffen Sie das in Aachen bei jährlich 1,2 Millionen Besuchern?

Maintz: Ja, man muss das Bauwerk nicht nur außen – wo wir mit Steinfraß und Witterung zu tun haben – sondern auch innen beobachten. Wie wirken sich Touristen auf so ein Gebäude aus? In erster Linie ist der Dom immer noch ein Gotteshaus, aber auch eine Pilgerstätte. Und Touristen sollen diese Schönheit auch sehen dürfen. Und bei 1,2 Millionen ist es schonmal so, dass der CO2-Wert zu hoch wurde. Beim Ausatmen entsteht Kohlensäure. Wenn Kohlensäure verwittert, werden Marmorplatten angegriffen.

Wir haben deshalb vor zehn Jahren eine große Belüftungsanlage in den Dom eingebaut, die also den CO2-Wert kontinuierlich misst und die bei einem zu hohen CO2-Wert automatisch angeht: Alte Luft geht raus und frische kommt herein, so dass immer gewährleistet ist, dass keine Schäden passieren. Hinzu kommen Dreck und Textilabtrieb der Leute. Man muss mehr reinigen. Die Feuchtigkeit darf nicht zu hoch werden für die Malereien. All' das muss beobachtet werden.  

DOMRADIO.DE: Heute wird also rund um den Aachener Dom geiefert. Was haben Sie geplant?

Maintz: Wir beginnen mit einem festlichen Gottesdienst mit Bischof Helmut Dieser. Danach gibt es einen Festakt im Krönungssaal. Auf dem Domhof wird sich die Dombauhütte mit den angeschlossenen Firmen präsentieren.

Wir zeigen, was Steinmetze, Zimmerer, Dachdecker machen. Glaser und Mosaisten zeigen, wie aufwendig solche Sanierungsarbeiten sind, damit man auch so erfassen kann, wieso die Kosten dafür immer so hoch sind. An einem Stein werden wir auch Laserreinigung präsentieren.

Ab 13 Uhr ist der Dom komplett zur Besichtigung frei: Im ganzen Erdgeschoss, einschließlich Chorhalle, Marien- und Karlsschrein. Zwischen 13 und 16 Uhr gibt es auch eine nette Sache: Kinderdomführer führen da Kinder.

DOMRADIO.DE: Nach dem Festakt ist zunächst im Rathaus und dann im Domhof bei der Dombauhütte Premiere für die fair gehandelte "Inda-Domschokolade". Was hat es damit auf sich?

Maintz: Das Inda-Gymnaisum ist ja Projektschule der Unesco, und wir wollten gemeinsam etwas fürs Welterbefest machen. Vom Gymnasium kam die Idee, eine fair gehandelte Schokolade aufzulegen. 50 Schüler haben sich an dieser Schokolade beteiligt und Entwürfe zum Thema "Aachener Dom, Erbe für die Welt" gemacht. Wir haben uns dann auf einen Entwurf geeinigt und verkaufen diese Schokolade. Eine Tafel kostet 1,50 Euro. Es ist bestimmt ein ganz tolles Mitbringsel vom Aachener Dom. 

DOMRADIO.DE: Im September wird es noch die große Welterbe-Festwoche in Aachen geben. Erzählen Sie uns etwas darüber.

Maintz: Vom 22. bis 30. September haben wir eine große Festwoche. Der Dom wird dann auch den ganzen Tag zu besichtigen sein. Wir haben abends das Domleuchten: Da wird auf der Nordfassade die Baugeschichte des Domes geworfen. Es wird viele Konzerte geben. Auch Vorträge über die Welterbestätten unserer Partnerstädten Toledo, Reimes und Krakau. Es wird viel los sein in dieser Festwoche bei uns in Aachen.

Das Gespräch führte Carsten Döpp.

(DR)

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