13.05.2018

In der Kreuz-Debatte verschärft sich der Ton Die Kraft des Kreuzes

Ist das Kreuz ein religiöses Symbol oder nicht? Die Diskussion um die Kraft des Kreuzes hört nicht auf. Am Wochenende ist es in dem Rahmen zu einem indirekten Schlagabtausch gekommen: Marx gegen Söder.

In der Debatte um Kreuze in Behörden verschärft sich der Ton. Am Wochenende wies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Vorwürfe von CSU-Chef Horst Seehofer zurück. Dieser hatte dem "Spiegel" (Samstag) gesagt, er habe für die von Marx zuvor geäußerte Kritik am Kreuzerlass "keinerlei Verständnis". Das Kreuz sei "ein religiöses Symbol und gleichzeitig Ausdruck der christlichen Prägung Bayerns".

Marx wiederum entgegnete beim Katholikentag in Münster, er könne diese Vorwürfe nicht nachvollziehen: "Es gibt keine Veranlassung für mich, etwas gegen Kreuze im öffentlichen Raum zu haben." Es gehe ihm nur darum, dass der Staat hier nicht alleine aktiv werden solle, sondern am besten mit den Kirchen zusammen. Entscheidend sei, so der Kardinal weiter, "das Kreuz mit Inhalt zu füllen und zum Zeichen des Miteinanders zu machen – nur darum ging es mir".

"Kompletter Unsinn"

Seit Wochen sorgt ein Erlass der bayerischen Landesregierung unter Markus Söder (CSU) für Diskussionen, wonach ab 1. Juni ein Kreuz im Eingangsbereich aller Dienstgebäude des Freistaats hängen soll. Marx hatte in einer ersten Reaktion unter anderem gesagt, der Erlass schüre «Spaltung, Unruhe, Gegeneinander». Später betonte er aber ausdrücklich, er begrüße alle Initiativen für Kreuze im öffentlichen Raum.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nannte in einem Interview des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Montag) die Kritik von Seehofer und anderen CSU-Politikern an den Positionen von Marx "kompletten Unsinn". Er sehe jetzt die Folgen von Söders Beschluss. "Mich erreichen ausschließlich Reaktionen von der Art, Gottseidank zeigt's mal einer diesen Muslimen und den Gottlosen".

Hat Söder sich verspekuliert?

Die Debatte sorgt auch für Zwist innerhalb der Union. So bezeichnete es Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im "Spiegel" als "fatal und gefährlich, das Kreuz rein utilitaristisch zu verwenden, statt aus innerer Überzeugung". FDP-Chef Christian Lindner griff beim Bundesparteitag der Liberalen in Berlin eine der von Kardinal Marx gewählten Formulierungen auf. Söder mache das Kreuz zum "Symbol der Spaltung", kritisierte Lindner.

Die Reaktionen auf den Vorstoß unter anderen auch von Marx zeigten, dass Söder sich verspekuliert habe. "Das muss man erst einmal schaffen: sich mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und säkularen Bürgerinnen und Bürgern gleichzeitig zu überwerfen."

Unterdessen deutet eine Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) darauf hin, dass Bayern mit seinem Vorstoß recht allein da steht. Von den 16 angeschriebenen Innenministerien der Länder antworteten bislang sieben. Sechs Landesinnenministerien teilten mit, dass es einen vergleichbaren Erlass wie den in Bayern nicht gebe und dass auch keine derartigen Initiativen geplant oder bekannt seien. 

(KNA)

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