Eine pinke Farbwolke auf einem Holi-Festival
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Zeichen gegen Rechts
Zeichen gegen Rechts

14.04.2018

Christen demonstrieren gegen Rechtsextremismus "Dortmund ist bunt und nicht braun"

Rund 1.500 Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstag in Dortmund friedlich gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert. Unter anderem war eine Holi-Farbaktion geplant, so Sabine Fleiter im Vorab-Gespräch.

DOMRADIO.DE: In Dortmund wollen unter dem Motto  "Europa erwache" Nazigruppen gegen ein offenes Europa demonstrieren. Zur friedlichen Gegendemonstration aufgerufen hat u.a. der Arbeitskreis  Christen gegen Rechtsextremismus.  Sabine Fleiter von der Evangelischen Studierendengemeinde ist Mitglied des Arbeitskreises und nun bei uns am Telefon. Der Naziaufmarsch  findet in Dortmund statt - warum haben sich die Nazis Dortmund als Treffpunkt ausgesucht?

Sabine Fleiter (Arbeitskreis  Christen gegen Rechtsextremismus): Es hat sich vor Jahren eine Gruppe von Neonazis im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld angesiedelt. Sie müssen wissen: Siegfried Borchardt, auch bekannt in Deutschland als SS-Siggi, hat dort schon gelebt und dort haben sich junge Leute versammelt und es ziehen immer mehr dazu. Im Kern sind es 30 Leute, aber im Umfeld sind es etwa 70 aktive Neonazis in Dortmund.

DOMRADIO.DE: Wie wollen Sie heute beim Aufmarsch dagegenhalten?

Fleiter: Wir haben mobilisiert und zusammen mit dem Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus werden wir auf die Straße gehen. Wir haben die Leute aus Dortmund dazu eingeladen, mitzugehen. Es gibt eine Demoroute, wo wir auch der Deportationen gedenken, die dort am Südbahnhof stattgefunden haben, wo die Dortmunder Juden abtransportiert worden sind. Aber auch eine Kundgebung zum heutigen Europa ist geplant, dort werden Europaabgeordnete sprechen, es wird ein Programm stattfinden. Wir wollen noch gemeinsam zur Nazi-Route gehen und in Sichtweite der Nazis eine Holi-Farbaktion machen. Weil wir sagen: Dortmund ist bunt und nicht braun.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist Dortmund als "Rechte Hochburg" nicht ganz unbekannt. Kann denn dieses Engagement helfen?

Fleiter: Es hat schon geholfen. Wir sehen es da dran, dass die Nazis europaweit mobilisiert haben, sie haben große Töne gespuckt und sind dann aber im Laufe der Zeit zurückgerudert, weil sie wohl merken, dass sie nicht mehr Leute an sich binden. Das wollen sie, sie wollen zeigen, dass sie die stärksten hier in Deutschland sind und viele Leute aus Europa mobilisieren können. Aber es scheint, dass sie an Kraft verlieren und das hat damit zu tun, dass wir immer wiederdemonstrieren und auf die Straße gehen - und das schon seit neun Jahren.

DOMRADIO.DE: Gegen ein offenes Europa gibt es nicht nur am rechten Rand Vorbehalte, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Gibt es da bei Ihnen auch längerfristige Projekte?

Fleiter: Wir denken, wir werden noch Veranstaltungen dazu machen. Auch wir haben Kritik an Europa. Die Nähe zu den Bürgern fehlt einfach, das Verständnis, was vor Ort läuft, regional das besser zu verbinden. Es wäre eine ganz wichtige Sache, dass die Menschen in den Kommunen, in den Gemeinden wissen, wofür haben wir eigentlich Europa? Das Großbündnis zwischen den im Zweiten Weltkrieg verfeindeten Nationen, dass das jetzt nicht mehr passiert und dass dadurch kein Krieg mehr in Europa aufflammt, das ist das große Verdienst dieses Europas. Dafür stehen wir ein. Aber wir wollen natürlich auch ein bisschen mehr von Europa haben, als eben dieses Europa in Brüssel.

DOMRADIO.DE: Wie viele Teilnehmer erwarten Sie heute?

Fleiter: Wir erwarten 400 bis 600 Neonazis, demgegenüber stehen wir mit hoffentlich 800 bis 1000 Menschen. Es sind aber auch andere Bündnisse, die ähnliche Zahlen haben. Wir werden gemeinsame eine stabile Mehrheit bilden - das ist unser Ziel.

Das Interview führt Christoph Paul Hartmann.

(DR)

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