Ein "Lichtkreuz" in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin
Ein "Lichtkreuz" in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin
Künstler Ludger Hinse vor seinem "Lichtkreuz" in der St. Hedwigs-Kathedrale
Künstler Ludger Hinse vor seinem "Lichtkreuz" in der St. Hedwigs-Kathedrale

17.02.2018

Berliner Hedwigs-Kathedrale stellt Projekt "Licht.reich" vor Das Kreuz als Lichtblick

In der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin präsentiert der Künstler Ludger Hinse seine Kunstinstallation "Lichtkreuz". Sie soll dazu beitragen, den Gottesdienstraum als Ort des Zur-Ruhe-Kommmens zu fördern.

Die Fastenzeit verweist auf das Leiden Christi. Das Kreuz steht für mehr: Es ist Schmerzenssymbol und Hoffnungszeichen in einem, Tod und Todesüberwindung sind in ihm eingefasst. Umso erstaunlicher, auf erfrischende Weise provokant, mutet da das zwei mal zwei Meter große Lichtkreuz des Künstlers Ludger Hinse aus Recklinghausen an, das seit Freitag in der Kuppel der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale hängt.

Aus durchsichtigem Plexiglas gestaltet, in den Grundfarben blau, grün und violett, schillert das Objekt unterschiedlich je nach Tageszeit und Lichteinfall. Dass das Lichtkreuz zwischen Himmel und Erde hängt, über der Vertiefung in der Mitte der Kirche, entspricht dem Wesen der "kinetischen Kunst" Hinses, das in Bewegung befindliche Kunstobjekt in unterschiedlichen Zugängen zu erfahren.

"Und das", sagt Dompropst Tobias Przytarski, "ist auch unser Anliegen. Jeder sieht das Kreuz anders, die verschiedenen Aspekte von Tod und Auferstehung sollen in den verschiedenen Farben, die das Kreuz reflektiert, beleuchtet werden."

Das Kreuz ins richtige Licht setzen

Hinses Lichtkreuze sind sein Markenzeichen, spätestens seit er in den Jahren 2007 bis 2009 im Rahmen der Kunstaktion "Das Kreuz mit dem Kreuz" 21 Städte mit 77 Ausstellungsorten in Nordrhein-Westfalen bespielte. Vier bis zehn Lichtkreuz-Arrangements schafft Hinse pro Jahr. Darunter protestantische Kirchen und katholische Klöster, auch in der reformierten Schweiz. Jeder Sakralbau hat laut Hinse andere Lichtbedingungen, die jeweils neue Lösungen erzwingen. "Die Romanik baute dunkel, sperrte das Licht aus, der Barock ist zwar hell, aber so ein Lichtkreuz kann sich gegen die betonte Üppigkeit mit seinem Farbenspiel nur schwer durchsetzen."

Idealbedingungen bietet dann doch eher der Kuppelbau der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, die Preußenkönig Friedrich II. in Anlehnung an die Form des römischen Pantheon erbauen ließ. Das Licht kommt von allen Seiten über die Kirchenfenster herein und bündelt sich in der Mitte. Das ist es, was auch Erzbischof Heiner Koch mit dem Lichtkreuz zeigen will: "Die Mitte steht für die Mitte der Kirche, eine lebendige Gemeinde, die sich immerfort bewegt und auf das Kreuz blickt, das sich immerfort wandelt."

Der Blickfang des Lichtkreuzes, so Koch, solle die Mitte des Gebäudes betonen, den spezifischen Charakter der Kathedrale vor allem Kirchenfremden näherbringen. "Dieser Bau zieht viele ungetaufte und nichtchristliche Besucher an. Mir ist es ein großes Anliegen, sie mit diesem Kreuz zu Assoziationen anzuregen, auch wenn sie die Ikonographie und die Botschaft des Christentums nicht kennen."

Transparenz schaffen

Eine wichtige Aufgabe sei es doch, nicht nur für Kirchengläubige da zu sein. Und der Erzbischof spricht von einer "Transferleistung, die wir bringen müssen, religiös sichtbare Akzente zu setzen, die zur Transparenz unseres Glaubens beitragen". So ließen sich Menschen mit dem Glauben in Berührung bringen.

Die Erfahrungen beim Blick auf das Lichtkreuz als temporäre Kunstinstallation sollen im Rahmen des Projekts "Licht.reich" etwa in der täglichen Mittagsmeditation vertieft werden können, sagt die Pastoralreferentin Carla Böhnstedt. "Jeden Freitagnachmittag werden wir einen besonderen Weihrauchritus gestalten. Der aufsteigende Rauch wird besonders illuminiert, im Hintergrund werden Texte vorgelesen, es wird eine dezente musikalische Untermalung geben."

Instagram-Wettbewerb

Darüber hinaus startete am Freitag ein Fotowettbewerb: Jeder Kirchenbesucher kann ein Bild vom Lichtkreuz aus seinem Blickwinkel beim Erzbistum einsenden. Die Fotos werden dann auf der Instagram-Seite des Bistums gepostet. Eine kleine Fachjury wird das aus ihrer Sicht interessanteste Foto dann mit einer kleinformatigen Variante des Lichtkreuzes, gefertigt vom Künstler, prämieren.

Andreas Öhler

(KNA)

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