28.12.2017

Bistum Limburg: Sprecher über Postkartenaktion gegen Bischof "Grenze überschritten"

Eine Postkartenaktion radikaler Abtreibungsgegner gegen den Limburger Bischof könnte ein rechtliches Nachspiel haben. Bistumssprecher Stephan Schnelle sieht eine Grenze überschritten und spricht im Interview von Rufmord.

DOMRADIO.DE: Was wird dem Bischof vorgeworfen?   

Stephan Schnelle (Sprecher des Bistums Limburg): Die Gegner werfen dem Bischof Werbung für Abtreibung vor. Das begründen sie mit einem PDF-Dokument, das sie auf einer der Bezirks-Internetseiten unseres Bistums gefunden haben. Darauf sind verschiedene Hilfsangebote zusammengefasst. Darunter Angebote der Johanniter, des Roten Kreuzes, der Caritas und ein Angebot der Diakonie.

DOMRADIO.DE: Und diese Angebote waren das Problem?

Schnelle: Das Angebot der Diakonie. Sie bietet auch Schwangerenkonfliktberatung an und stellt Scheine aus.

DOMRADIO.DE: Weil Frauen, die in Deutschland über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken, vorher eine Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle besuchen müssen. Erst nach diesem Beratungsgespräch kann die Schwangerschaft straffrei abgebrochen werden.

Schnelle: Das war mit einem Spiegelstrich in dem PDF-Dokument deutlich gemacht. Daraus wird dann der Vorwurf konstruiert, der Bischof werbe für die Abtreibung.

DOMRADIO.DE: Und sie sagen jetzt, dass mit diesen Angriffen eine Grenze überschritten sei und sprechen von Rufmord. Was bringt Sie jetzt dazu, zu sagen, dass eine Grenze überschritten ist?

Schnelle: Der Bischof ist auch angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft hat das geprüft und eingestellt; also da sei überhaupt nichts dran. Es gab Berichte in Internetportalen. Das hat der Bischof alles sportlich hingenommen. Aber wenn jetzt in Limburg Menschen mit Flugblättern, Postkarten und auf Transparenten an seinem Privathaus verunsichert werden, so muss man wirklich sagen, dann ist die Grenze überschritten.

DOMRADIO.DE: Was ist denn auf den Postkarten zu sehen?

Schnelle: Es gibt einen Flyer, der zeigt den Bischof auf der einen Seite mit dem normalen Gesicht und auf der anderen Seite mit roten leuchtenden Augen und mit Teufelshörnern. Dann ist das schon an Geschmacklosigkeit und auch an Rufmord aus meiner Sicht nicht mehr nicht mehr zu tolerieren.

DOMRADIO.DE: Was sind das für Menschen, die den Bischof angreifen?

Schnelle: So genau wissen wir das auch noch nicht. Es sind mehrere Stränge, die da zusammenkommen. Es gibt ein Internetportal, das als erstes darüber berichtet hat und den Bischof als Abtreibungswerber dargestellt hat. Dann gibt es noch die Zentrumspartei und eine Petitionsseite, von der man nicht weiß, wer dahintersteckt und die im Ausland irgendwo gehostet wird.

DOMRADIO.DE: Das heißt, das sind Leute, die man nicht zur Rechenschaft ziehen könnte, wenn es tatsächlich um Rufmord geht?

Schnelle: Das muss juristisch bewertet werden. Wir haben Indizien, welche Gruppierungen die Flyer verteilen. Vielleicht kommen wir darüber zum Ziel. Aber das werden wir in Ruhe im neuen Jahr prüfen und dann entscheiden, ob es rechtliche Schritte gibt.

DOMRADIO.DE: Heute ist das Fest der unschuldigen Kinder - da ist diese Gruppe doch sicher besonders aktiv? Müssen sie da jetzt Vorsichtsmaßnahmen treffen heute?

Schnelle: Banner und Postkarten sind kurz vor Weihnachten verteilt und aufgehängt worden. Wir hatten also schon die Befürchtung, dass der Weihnachtsgottesdienst, der im ZDF übertragen wurde, und wo eine Millionen Zuschauer dabei waren, gestört worden wäre. Wir haben dann mit einem entsprechenden Sicherheitskonzept reagiert. Das gilt auch bei der Kindersegnung. Wir haben die Polizei gebeten, Präsenz zu zeigen auf dem Domberg in Limburg und wir werden auch am Eingang genau aufpassen, wer den Dom besucht.

Das tut uns leid, weil ein Gottesdienst natürlich ein öffentliches und offenes Geschehen ist. Dass wir da kontrollieren müssen ist nicht schön und das stört uns auch. Aber Sicherheit geht vor.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

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