Kloster Neuzelle
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Neuzeller Bühnenbilder vom Leiden Jesu erhalten Zuwachs
Neuzeller Bühnenbilder vom Leiden Jesu erhalten Zuwachs

06.12.2017

Neuzeller Bühnenbilder vom Leiden Jesu erhalten Zuwachs Eine neue Szene für das "Himmlische Theater"

Es ist europaweit einzigartig und dennoch über die Region hinaus wenig bekannt: das barocke Kulissentheater vom Leiden Jesu im brandenburgischen Neuzelle. Bald ist eine neue Szene museumsreif.

Es mutet an wie ein Oberammergau an der Oder. Doch im ostbrandenburgischen Neuzelle sind die Darsteller nicht aus Fleisch und Blut wie bei den oberbayerischen Passionsspielen, sondern aus Holz und Leinwand. Dem barocken Kulissentheater vom Leidensweg und der Auferstehung Jesu in dem Zisterzienserkloster messen Kunstexperten europäischen Rang bei. In einem eigens dafür eingerichteten Museum werden seit März 2015 zwei der insgesamt 15 Szenen, "Der Judaskuss" und "Kreuztragung", präsentiert.

Fachleute reinigen das Werk

Die jährlich rund 25.000 Besucher der Ausstellung unter dem Titel "Himmlisches Theater" erwartet im Oktober 2018 ein neues Kapitel. Dann will das Museum die "Kreuztragung" durch "Jesus vor Kaiphas" ersetzen. In der Wünsdorfer Werkstatt des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologischen Landesmuseums sind die 33 großformatigen Figuren und Kulissenteile derzeit in Restaurierung.

In astronautenähnlichen Ganzkörperanzügen sind Fachleute mit akribischer Sorgfalt am Werk, sie vom Schmutz der Jahrhunderte zu reinigen. Dazu gehört auch eine langwierige "Entgiftung", weil die Werke zu DDR-Zeiten mit ungeeigneten Holzschutzmitteln behandelt wurden.

Verhör vor dem jüdischen Hohepriester Kaiphas

Die Szene zeigt Jesus im Verhör vor dem jüdischen Hohepriester Kaiphas. Jesus bekennt sich dazu, der Sohn Gottes zu sein, und wird von Kaiphas wegen Gotteslästerung angeklagt. Zwischen römischen Soldaten und Schriftgelehrten steht Jesus mit verbundenen Augen und in Ketten gelegt. Der Hohepriester zerreißt aus Zorn seine Kleider, ein Schriftzug kommentiert aus der Bibel: "Zerreißet Eure Herzen und nicht Eure Kleider und bekehret Euch zum Herrn, Eurem Gott".

Geschaffen haben diese wie alle insgesamt 229 erhaltenen Einzelteile um 1750 der Künstler Joseph Felix Seyfried aus Böhmen und seine Mitarbeiter. Im Auftrag der Zisterzienser fertigte er fünf farbige Bühnenbilder mit 15 Szenen vom Gebet Jesu auf dem Ölberg bis zu seiner Auferstehung an Ostern. Zwar waren solche Kulissentheater auch in Süddeutschland und im Alpenraum verbreitet, nach Umfang und künstlerischer Qualität gelten die Neuzeller Werke jedoch als europaweit einmalig.

Mit der Säkularisierung kam die Wende

Anfangs wurden sie während der Karwoche und an Ostern nacheinander in der Klosterkirche aufgebaut. In der Enklave Neuzelle, die von evangelischen Gemeinden umgeben ist, scheuten die Mönche keine Mühe, die teilweise von weit her gekommenen Wallfahrer nach katholischem Brauchtum auf das höchste Fest der Christen einzustimmen.

Die Säkularisierung 1817, als die Zisterzienser das Kloster verlassen mussten, brachte die Wende. Die preußische Regierung kürzte die Mittel für Auf- und Abbau der Bühnenbilder, Gebrauchsschäden und die Abkehr vom pompösen Geschmack des Barock taten ein übriges. 1864 kamen die Einzelteile in Abstellräume und entgingen wohl nur knapp dem Brennofen.

Besuchermagnet

Staatliche und private Förderung macht es nun möglich, dass nach Abschluss des laufenden Restaurierungsprojekts drei der fünf Bühnenbilder sowie drei der 15 Szenen konserviert sein werden. Das ist fast der halbe Bestand der erhaltenen Bildtafeln und Leinwandkulissen.

Die Passionsdarstellungen tragen wesentlich dazu bei, dass Neuzelle ein Besuchermagnet bleibt. Jetzt schon hat das nördlichste Beispiel süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa rund 120.000 Besucher im Jahr. In die weitgehend erhaltene Anlage investierten EU, Bund, Land und Stiftungen bereits über 50 Millionen Euro. Seit im vergangenen August Zisterzienser aus der österreichischen Abtei Heiligenkreuz dauerhaft nach Neuzelle wechselten, ist nach 200 Jahren auch mönchisches Leben zurückgekehrt - gerade rechtzeitig zum 750. Gründungsjubiläum des Klosters im kommenden Jahr.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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