14.11.2017

Bistum Münster mit Neuerung bei Pfarrgemeinderatswahlen "Sollten andere auch mal probieren"

Am Wochenende waren die Katholiken in den Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn aufgerufen, ihre Gremien neu zu wählen. Das Bistum Münster hat dabei etwas Neues ausprobiert, um Wähler zu ermuntern. Offenbar mit Erfolg.

domradio.de: Die Wahlbeteiligung bei Pfarrgemeinderatswahlen liegt sonst um die fünf Prozent. Sie haben nun in Münster die Allgemeine Briefwahl ausprobiert. Diese wurde den 200 Gemeinden optional angeboten; 34 haben mitgemacht. Dort ist die Wahlbeteiligung von fünf Prozent auf 13 Prozent angestiegen. Allgemeine Briefwahl - für die Bistümer in NRW ist das etwas Neues. Wie sieht es damit deutschlandweit aus?

Ise Kamp (Geschäftsführerin Diözesanrat im Bistum Münster): Wir haben uns zur Einführung der Allgemeinen Briefwahl aufgrund positiver Erfahrungen in den bayerischen Diözesen entschlossen. Wir haben uns kundig gemacht und nicht nur die Zahlen eingeholt, sondern uns auch über das Verfahren informiert. Und die Erfahrungen waren super positiv. Das Gleiche kann ich für das Bistum Münster jetzt auch sagen.

domradio.de: Ziel der Allgemeinen Briefwahl soll es ja sein, mehr Menschen zum Wählen zu motivieren als vielleicht sonntags in die Kirche kommen. Welche Erfahrungen haben Sie damit im Bistum Münster gemacht?

Kamp: Durchweg in allen Pfarreien, in denen die Briefwahl durchgeführt wurde, hat es geklappt; teilweise mit Ergebnissen, die durch die Decke geschossen sind, wie jemand gesagt hat. Das Bistum Münster geht ja vom nördlichen Ruhrgebiet bis an den Nordseestrand. Und ganz im Norden gibt es eine Pfarrei in Barßel, die hat eine Wahlbeteiligung von über 37 Prozent erreichen können. Aber auch im Ruhrgebiet, zum Beispiel in Recklinghausen, wo vor vier Jahren nur knapp unter fünf Prozent der Wählerinnen und Wähler zur Wahl gegangen sind, wurde jetzt eine Wahlbeteiligung von über 13 Prozent erreicht.  Wir können bistumsweit sagen, dass sich die Zahlen mindestens verdoppelt, verdreifacht, manchmal sogar vervierfacht haben.

domradio.de: So eine Briefwahl macht natürlich auch mehr Arbeit. Rechtfertigen die Zahlen diesen Mehraufwand?

Kamp: Ich fange mal bei dem ideellen Mehraufwand an, den die Ehrenamtlichen vor Ort leisten mussten. Die sind so begeistert vom Erfolg ihres Einsatzes, dass sie sagen: Wir haben Tipps, was man beim nächsten Mal noch einfacher und besser machen kann. Aber die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der Aufwand für das Bistum, das alle Wahlunterlagen zur Verfügung gestellt hat, war sicherlich auch groß. Aber wenn man diese Summe dann auf eine Wahlperiode von vier Jahren verteilt, sieht es schon anders aus.

domradio.de: Die Beteiligung am Gemeindeleben ist ja regional und manchmal auch lokal sehr unterschiedlich. Was denken Sie, liegt das mehr am hauptamtlichen Personal vor Ort oder mehr an der Mentalität der Leute?

Kamp: Die Mentalität der Leute oder die unterschiedlichen Milieus sind sicher ein wichtiger Faktor. Da ist es ein Unterschied, ob ich in der städtischen Gesellschaft im nördlichen Ruhrgebiet lebe oder im Münsterland, wo die Welt noch fast in Ordnung ist. Aber entscheidend ist meiner Meinung nach, wie ernst genommen sich die Menschen in ihrem ehrenamtlichen Engagement in ihrer Pfarrei fühlen. Das kann man nicht an Einzelpersonen festmachen. Aber insgesamt sind die Atmosphäre, die Beteiligungsmöglichkeiten, oft über Jahre gewachsen und haben unter Umständen gar nichts mit dem Pfarrer oder dem Pfarrerwechsel zu tun, sondern damit, wie sich über die Jahre die Kultur des Mitwirkens entwickelt hat.

domradio.de: Welchen Rat würden Sie den Verantwortlichen in den anderen NRW-Diözesen geben, die ebenfalls überlegen, die Allgemeine Briefwahl anzubieten?

Kamp: Ausprobieren. Unsere Erfahrungen sind super gut; nicht nur, was die Ergebnisse angeht, sondern – was mindestens genauso wichtig ist – auch durch die Bestätigung, die die Gewählten dadurch bekommen haben. Es ist wirklich ein Motivationsschub. Ein Wahlausschuss-Vorsitzender hat mir gesagt: Mit dieser hohen Wahlbeteiligung hat der neue Pfarreirat viel mehr Rückenwind für seine zukünftigen Aufgaben. Ich finde, das ist doch ein mindestens genauso wichtiges Argument, um auch Ehrenamtliche zum Engagement zu bewegen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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