Viele Gewänder in den unterschiedlichsten Formen haben sich angesammelt.
Viele Gewänder in den unterschiedlichsten Formen haben sich angesammelt.
P. Karl Kern SJ trägt sein Gewand
P. Karl Kern SJ trägt sein Gewand
P. Karl Kern SJ zeigt eines der Gewänder
P. Karl Kern SJ zeigt eines der Gewänder

08.09.2017

Münchener Jesuitenpater entwirft seine eigenen Gewänder "Glaube wird über Sinne weitergegeben"

Messgewänder müssen zum Ort passen, findet Pater Karl Kern. Mit den Angeboten war er nicht zufrieden und griff selbst zu Stift und Block. Er entwirft seine eigenen Gewänder. Bunt und schlicht sollen sie sein.

domradio.de: Was hat Sie bewogen als Designer anzufangen. Ist das, was auf dem Markt ist, so schlimm?

Pater Karl Kern (Jesuitenpater in der St. Michaelkirche in München): Vieles ist schlimm, aber nicht alles. Das Gute kostet natürlich sein Geld.

Für mich war aber der Anlass, dass ich in Nürnberg die City-Seelsorge aufgebaut habe und wir dort die wunderbare frühgotische Kirche St. Klara renovieren und als City-Kirche neu einrichten konnten. Da habe ich gespürt, man kann nicht nur den Raum neu erstrahlen lassen, da gehören auch die Geräte und die Gewänder dazu. Und so hat sich das entwickelt.

domradio.de: Wie sind sie denn an die Gestaltung herangegangen, eher theologisch oder eher künstlerisch?

Pater Kern: Eher künstlerisch, aber natürlich mit der Theologie im Hintergrund. Theologisch bedeutet ja auch, man inszeniert in einem feierlichen Gottesdienst ein Gesamtkunstwerk. Da gehört eben auch die Kleidung dazu. Glaube wird heute über Ästhetik und die Sinne weitergegeben. Und da ist es schon wichtig, dass auch die Kleidung einfach stimmt.

domradio.de: Wie darf ich mir Ihre Kollektion vorstellen, was ist denn anders als bei anderen Gewändern?

Pater Kern: Ich habe explizit kleine christliche Symbole, wie etwa den Kelch oder eine Weizenähre, ganz gelassen. Gerade über die Farbe sollte Wirkung erzielt werden. Bei einem grünen Messgewand habe ich verschiedene Grüntöne so nähen lassen, dass die unterschiedlichen Stoffstücke die Form eines Kreuzes ergeben.

domradio.de: Gibt es auch eine gewisse Abstraktion?

Pater Kern: Das könnte man sagen. Ich nutze sehr viele geometrische Formen. Die letzten Wochen und Monate habe ich eine Serie von grünen Gewändern gestaltet. Da ist in der Mitte vorne ein Kreis zu sehen, je auf Hauptzelebrant und Konzelebrant abgestimmt. Und hinten zeichnet sich eine breite Linie ab. Wichtig war mir, dass das Außen- und Innenfutter korrespondieren und ineinander spielen.

domradio.de: Sie sagen, Sie haben auch auf Symbole verzichtet und es schlicht gehalten. Glauben Sie, dass eine solche Reduzierung in einem Innenstadtbereich von Nöten ist?

Pater Kern: Mittlerweile bin ich in der großen Renaissance-Kirche Sankt Michael. Hier muss ich wieder andere Kategorien anlegen. Aber die Citykirche St. Klara damals war sehr einfach gestaltet. Das sollte sich auch in den Gewändern wiederspiegeln. Da der Raum Ton und Ton gehalten war, brauchten wir Mut zur Farbe.  

domradio.de: Wie sind denn die Gewänder angekommen?

Pater Kern: Gut, bis sehr gut. Es fällt Leuten auf, die ein bisschen auf ihre eigene Kleidung achten und ins Theater gehen und Inszenierungen kenne. Die Liturgie ist ein heiliges Spiel. In einer Großstadt wie München zum Beispiel, müssen wir uns an den großen Opernhäusern – zumindest aus der Ferne – messen lassen.

domradio.de: War das ein Ansporn, so etwas noch einmal zu machen?

Pater Kern: Ich habe das die letzten Jahre regelmäßig fortgeführt. Das ist ganz nebenbei auch billiger. Gute Messgewänder haben ihren Preis. Ansporn ist auch: Es sollen schöne Gewänder sein. Ich habe mich extra mit Profis zusammen getan. Mit einer Kunsterzieherin habe ich die Entwürfe gezeichnet. Dann haben wir uns eine gute Schneiderin gesucht, die das einwandfrei beherrscht, denn da ist sehr viel Feinarbeit nötig und es muss alles stimmen.

Das Interview führte Christoph Paul Hartmann.

(DR)

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