Heinrich Timmerevers
Heinrich Timmerevers

27.08.2017

Bischof Heinrich Timmerevers seit einem Jahr in Dresden im Amt Der erste Schock scheint überwunden

Nach eigenem Bekunden war er über seine Ernennung zum Bischof von Dresden-Meißen erst mal "ziemlich geschockt". Inzwischen hat sich der Südoldenburger Heinrich Timmerevers in Sachsen passabel akklimatisiert.

Wer als Bischof aus dem volkskirchlich geprägten Oldenburger Münsterland nach Sachsen zieht, wechselt mehr als nur den Dialekt. Als Heinrich Timmerevers erfuhr, dass er katholischer Bischof in Dresden werden sollte, reagierte er nach eigenem Bekunden erst mal "ziemlich geschockt": "Für mich war klar: Jetzt verlässt du Haus, Hof und Vaterland und ziehst in ein anderes Land."

An diesem Sonntag ist der frühere Münsteraner Weihbischof aus Vechta genau ein Jahr als 50. Bischof von Dresden-Meißen im Amt. Das Diaspora-Bistum zählt knapp 143.000 Katholiken in Sachsen und Ostthüringen, rund 3,5 Prozent der Bevölkerung.

Politisches Klima

Bereits kurz nach seiner Amtseinführung bekam Timmerevers hautnah den rechten Seitenwind des politischen Klimas in Sachsen mit: Pediga-Anhänger störten lautstark den Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche und die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Der Bischof hielt sich mit politischen Statements bislang sehr zurück. Er machte aber deutlich, dass er ein Mann des Dialogs sei: "Wir sind als Christen in der Pflicht zu schauen, was die wirklichen Probleme dieser Menschen sind, die so schreien, und nach Lösungen zu suchen."

Blick über den Tellerrand

Von seinem Amtsvorgänger Heiner Koch, der nach nur zweieinhalb Jahren in Dresden an die Spitze des Erzbistums Berlin gewechselt war, erbte Timmerevers diverse Projekte: Allen voran die Strukturreform im Bistum. Dabei geht es nicht nur um Pfarrei-Zusammenlegungen, sondern auch um neue christliche Wirkungsfelder in der Gesellschaft jenseits der angestammten Orte. "Es geht um einen Blick über den Tellerrand hinaus: Wo sind wir als Christen gefragt?", so Timmerevers.

Seine ambitionierte Zielmarke für den Landstrich mit 80 Prozent Konfessionslosen: "Wie schaffen wir es, dass jeder Mensch in Sachsen und Ostthüringen irgendwann in seinem Leben Christus begegnet?" Bis Sommer 2020 sollen alle Fusionen und Umstrukturierungen über die Bühne sein, damit im Jahr darauf entspannt das 100-Jahr-Jubiläum der Neugründung des Bistums gefeiert werden kann. Die Wurzeln der früheren Diözese Meißen reichen freilich bis ins Gründungsjahr 968 zurück.

Den größten Sympathiepunkt unter den Katholiken im Bistum erntete Timmerevers Ende 2016 mit seiner Entscheidung, das Winfriedhaus in Schmiedeberg zu erhalten. Der traditionsreichen Jugendbildungsstätte im Osterzgebirge drohte das Aus, da Brandschutzmängel eine kostspielige Sanierung erfordern. Der Bischof bilanzierte schließlich: "Ich habe gespürt: Das Winfriedhaus ist Kult. In dieses Haus sind Jugendliche unserer Tage und auch in die Jahre gekommene Jugendliche verliebt." Die Kinder- und Jugendseelsorge im Bistum brauche einen solchen Ort, an dem Identifikation stattfinde.

Kleinere Geldtöpfe

Timmerevers lernte zugleich nicht nur an diesem Beispiel, dass die kirchlichen Geldtöpfe in Ostdeutschland deutlich kleiner sind als im Westen, wiewohl sein Bistum vergleichsweise gut bestückt ist. In der laufenden Diskussion um die Fortführung der Finanzhilfen der Westbistümer für die Ost-Kollegen wechselte er von der Geber- auf die Nehmerseite: "Ich spüre, dass es bei meinen westdeutschen Mitbrüdern sehr viel Verständnis für unsere Situation hier im Osten gibt." Ohne deren Solidarität gehe es nicht, denn: "Auf Jahre hinaus wird kein ostdeutsches Bistum dazu in der Lage sein, allein mit eigenen Mitteln allen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen."

Der Bischof, der diesen Freitag seinen 65. Geburtstag feierte, sieht sich inzwischen in seinem neuen Bistum voll angekommen und fühlt sich "sehr wohl". Ihm begegne viel Wohlwollen. Manches sei sogar leichter als im Westen: "Die Kirche ist hier auf vielen Gebieten, die sie gestalten kann, unabhängiger von staatlichen Vorgaben."

Sorben in der Oberlausitz

Und ganz ohne die ihm heimatlich vertraute Volksfrömmigkeit muss Timmerevers auch in Sachsen nicht auskommen, etwa bei Besuchen in der Oberlausitz, wo 40.000 Sorben in einem geschlossenen katholischen Siedlungsgebiet leben und ihre reiche religiöse Tradition pflegen.

Dort ließ er sich erstmals einige Worte Sorbisch entlocken. Beim Sächsisch indes ist Timmerevers weiterhin enthaltsam.

Karin Wollschläger
(KNA)

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