Käthe Kollwitz, geb. am 08.07.1867 in Königsberg, gest. am 22.04.1945 in Moritzburg bei Dresden
Käthe Kollwitz, geb. am 08.07.1867 in Königsberg, gest. am 22.04.1945 in Moritzburg bei Dresden

13.08.2017

Käthe-Kollwitz Museum verliert wohl Domizil im Berliner Westen Geh doch rüber!

​Wegen einer neuen Exil-Dauerausstellung soll das Privatmuseum der in der NS-Zeit verfemten Künstlerin Käthe Kollwitz von seinem ursprünglichen Standort weichen. Darüber ist in der Bundeshauptstadt ein Kulturstreit entbrannt.

Es gibt im Berliner Westen kaum eine noblere Kulturadresse als die Fasanenstraße 24/25. Dort residieren das renommierte Kunstauktionshaus "Villa Griesebach" und seit 1986 das einzige Berliner Käthe Kollwitz-Museum - in nächster Nähe zum Literaturhaus.

Doch bis zum Jahresende soll nun die Kollwitz-Sammlung mit etwa 200 Zeichnungen und Druckgrafiken, 15 Originalplakaten und vielen plastischen Bildwerken einem geplanten Exilmuseum weichen. Ein neuer Standort ist noch nicht gefunden, der Trägerverein versucht den Zwangsumzug zu verhindern.

Unbequem heute wie damals?

Die radikale Pazifistin Kollwitz (1867-1945) hat mit ihren Lithographien, Radierungen, Kupferstichen, Holzschnitten und Plastiken den "sozialkritischen Realismus" geprägt. Sie verlieh dem Schmerz der Mütter über ihre gefallenen Söhne Ausdruck, gab den hungernden Kindern und der verarmenden Arbeiterschaft eine Stimme.

1933 wurde Kollwitz zum Austritt aus der Akademie der Künste gezwungen. Die Nationalsozialisten entfernten ihre Werke aus der Akademie-Ausstellung. Sie starb, nachdem ihre Berliner Wohnung mit vielen ihrer Arbeiten ausbrannte, als verfemte Künstlerin 1945 in Moritzburg. Wenige Tage danach endete das Hitlerregime.

Erste Verhandlungen scheiterten

Im März dieses Jahres eröffnete Bernd Schultz, Gründer des Auktionshauses "Villa Griesebach" und Inhaber des Gebäudes in der Fasanenstraße, dem Trägerverein des Kollwitz-Museums, dass er das Haus bis zum Jahresende räumen müsse. Als Ersatzquartier bot Schultz ein Mehrzweckgebäude in der Neuköllner Karl-Marx-Straße an. In diesen Tagen scheiterten jedoch die Verhandlungen. Das Gebäude sei, so der Trägerverein, baulich für ein Museum nicht geeignet. Die Miete seien nicht bezahlbar. Zudem drohten Leihgeber, ihre Werke im Falle eines Umzuges zurückzufordern.

Gehalten werden konnte der teure bisherige Standort in Charlottenburg nur, weil Schultz mit einer Stiftung das Museum bis vor kurzem mäzenatisch unterstützt hatte, durch eine geringe Miete von sechs Euro pro Quadratmeter und längerfristigen Laufzeiten der Verträge.

Empörung in Kulturkreisen

Dass Schultz nun das Kollwitz-Museum umsiedeln möchte, stößt in Kulturkreisen auf Empörung. In der Berliner Kulturszene wird dieser Vorschlag kritisch gesehen: Soll nun ausgerechnet diese politisch verfolgte Künstlerin wieder weichen müssen? Wird hier eine gut gemeinte Erinnerungskultur gegen eine andere ausgespielt?

Die Suche nach einem neuen Standort geht weiter. Ginge es nach Schultz, sollte das Museum künftig in einem ehemaligen Arbeiterviertel wie dem Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow beheimatet sein. Dies, so Schultz, hätte man schon viel früher angehen sollen, als die Mieten dort noch erschwinglich waren. Dass dort bereits der Kollwitzplatz ihren Namen führt, wo die Künstlerin von 1891-1943 lebte, wird als Argument eingebracht. Doch der Pankower Ortsbürgermeister findet kein Gebäude, das nicht durch teure Sanierungskosten jeden finanziellen Rahmen sprengen würde.

Salonfähig für den Westen?

Der Trägerverein hat zudem ein weiteres Problem. Nicht nur die äußere Struktur des Museums ist gefährdet, auch die innere Struktur droht ins Wanken zu geraten. Im Juli quittierte die Museumsleiterin Iris Berndt entnervt ihren Dienst. Der Schwebezustand macht ihrer Ansicht nach keine qualitative Museumsarbeit mehr möglich.

Ist Käthe Kollwitz, wie es in der Debatte anklingt, nicht längst salonfähig für den Westen? Ihr Enkel Arne Kollwitz ist empört: "In Charlottenburg entstand die Berliner Moderne, zu der meine Großmutter zählt, die von den Kommunisten fälschlicherweise als Klassenkämpferin vereinnahmt wurde." Er hofft auf die Unterstützung des Berliner Senats.

"Völliges Desinteresse"

Bei den Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Künstlerin sprach sich Berlins Kultursenator Klaus Lederer von der Linkspartei noch für den bisherigen Standort in der Fasanenstraße aus. Mittlerweile scheint der Senat jedoch zurückzurudern.

Der letzte Nachfahre der Künstlerin, Arne Kollwitz, stellt resigniert fest: "Ich beobachte seit 1945 ein völliges Desinteresse der Stadtregierung an meiner Großmutter."

Andreas Öhler
(KNA)

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