Betende Hände
Betende Hände
Dr. Manfred Lütz
Dr. Manfred Lütz

03.08.2017

US-Studie: Religiöse Menschen leben länger Wer betet, der lebt länger!

Forscher haben den Zusammenhang zwischen Religiösität und Lebenserwartung untersucht. Das Ergebnis: Menschen, die beten oder religiös sind, haben weniger Stress und leben länger. Das sei "Schwachsinn", so Dr. Manfred Lütz gegenüber domradio.de. 

domradio.de: Wer betet, hat weniger Stress und lebt länger - wie soll das funtionieren? Wirkt bei ihnen der Heilige Geist mehr als bei anderen?

Dr. Manfred Lütz (Katholischer Theologe und Psychiater): Ehrlich gesagt, kommt diese Meldung jedes Jahr, wenn sich die Kirchenzeitungen im journalistischen Sommerloch befinden. Das Motto dabei: Werdet Christ, dann lebt ihr länger. Ehrlich gesagt, ich finde das ziemlichen Schwachsinn. Stellen Sie sich vor, bei der Studie wäre heraus gekommen, wer betet, lebt kürzer. Würden Sie dann nicht mehr beten? Das ist im Grunde genommen ein Hereinfallen auf diesen Trend der „Gesundheit als Religion“. Viele Menschen glauben heute nicht mehr an den lieben Gott, sondern an die Gesundheit. Früher fastete man, fuhr auf Wallfahrten und betete für den Glauben. Heute tut man das für die Gesundheit. Es gibt Menschen, die leben nur noch vorbeugend und sterben dann gesund. Aber auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot. Das heißt, wir unterwerfen uns damit diesem Diktat, man müsse unbedingt "gesund" leben.

In Wirklichkeit ist es so, dass der Gründer unserer Religion mit 33 Jahren am Kreuz gestorben ist. Das war nicht besonders gesund. Die Märtyrer haben auch nicht gesund gelebt, sondern sind ziemlich früh enthauptet worden. Heute wird man als Christ auch nicht besonders alt und ist auch nicht übertrieben gesund, aber wir sind doch nicht Christen, weil wir gesund sein wollen. Das heißt, es ist ein Nebeneffekt, der für mich gar keine Rolle spielt. Ob Beten zum längeren oder zum kürzeren Leben führt, ist völlig egal. Beten ist dafür wichtig, dass wir unsere Beziehung zu Gott erhalten.

domradio.de: Das heißt, die Frage wäre wohl eher, wie wir beten, und nicht ob wir dadurch länger leben? 

Lütz: Genau, es geht darum, wie wir beten und wie wir unser Verhältnis zu Gott unterhalten. Man kann natürlich alles versuchen. In Zeiten des journalistischen Sommerloches ist alles möglich. Man kann überlegen, ob Beten dazu führt, dass man weniger Fußpilz hat, das könnte ja sein. Man kann auch dafür beten, dass der Blutdruck besser wird oder dass der Haarausfall besser wird. Ich halte das alles für Unsinn. Das heißt, wir lenken damit den Scheinwerfer auf einen Aspekt des Gebets, der völlig unwichtig ist.

domradio.de: Warum untersuchen das dann Forscher in den USA? Ist denen langweilig?

Lütz: Nein, ich glaube einfach, dass es Teil dieses Trends ist, der auch in den USA im Kommen ist. Der Trend bei dem diese Gesundheitsreligion vorherrscht. Wenn das Christentum die Gesundheit fördert, dann ist es gut, weil alle daran glauben, dass die Gesundheit das höchste Gut ist. Das ist völliger Schwachsinn, weil beispielsweise chronisch kranke Menschen dann nicht mehr das höchste Gut inne hätten.

Wenn also alle glauben, Gesundheit sei das höchste Gut, dann versucht man natürlich zu sagen, das Christentum ist auch gut für die Gesundheit. Damit instrumentalisiert man das Christentum für einen anderen Wert und damit entleert man es völlig.

domradio.de: Wenn es nun aber solche Studien gibt, was kommt als nächstes? Vielleicht, dass man irgendwann einen Kirchgang zur Entspannung vom Arzt verschrieben bekommt?

Lütz: Ja, das wäre vielleicht in den USA irgendwann möglich. Wie gesagt, möglicherweise wird es in ein paar Jahren Studien geben, die nachweisen, dass Beten vielleicht doch nicht so gut ist. Dass man beispielsweise früher Demenz bekommt, wenn man betet. Und dann wird das Beten auch nicht mehr vom Arzt verschrieben. 

Das Gespräch führte Silvia Ochlast.

(DR)

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