Bonner Münster
Bonner Münster vor der Sanierung

23.07.2017

Bonner Münster für zwei Jahre geschlossen "Denkwürdiger Tag"

"Ich wär auch jern mitjejangen", sagt die Bäckereiverkäuferin, an deren Laden die Prozession vorbeiführt. Denn die Schließung des Bonner Münsters am Sonntag ist ein großes Ereignis - zwischen Lachen und Weinen.

Am Ende brachte es ein Protestant auf den Punkt: "Ich freue mich jetzt schon auf die Zeit, wenn wir hier wieder einziehen, wie feierlich wird das dann erst sein!", sagte am Sonntag Pfarrer Joachim Gerhardt vom Evangelischen Kirchenkreis Bonn nach dem Gottesdienst zur zweijährigen Schließung des Bonner Münsters. Denn zum Abschied von ihrer geliebten Basilika hatten die Katholiken in der Bundesstadt noch einmal alles aufgeboten, was ihnen an Personal, Farbenpracht und Liturgie zu Gebote steht. Schließlich bleibt das fast 1.000 Jahre alte Gotteshaus mindestens bis Mitte 2019 wegen einer Generalsanierung geschlossen.

"Es ist ein denkwürdiger Tag in der Geschichte des Bonner Münsters", sagte Stadtdechant Wilfried Schumacher im vorerst letzten Gottesdienst. Dieser war mit gut 1.000 Besuchern "voller als an Weihnachten", so Schumacher, dem die Bürde des Tages anzumerken war. Teilweise standen die Menschen vor den Portalen im Freien. Manche waren sichtlich bewegt. Statische Probleme, Risse, Feuchtigkeit und veraltete Technik machen eine umfassende Renovierung der Basilika notwendig. Den Großteil der Kosten von rund 20,2 Millionen Euro trägt das Erzbistum Köln.

Traurig ja, jammern nein

"Wenn wir unser Münster jetzt schließen, ist es für viele so, als ob das Herz der Stadt stillgelegt wird, damit es operiert werden kann", sagte der Stadtdechant. "Wir werden alles dafür tun, dass die Operation nicht zu lange dauert." Traurig dürfe man sein, aber nicht jammern - und solle sich stattdessen auf die Chancen des neuen "Nomadendaseins" freuen, so der 67-Jährige, dessen vierte Amtszeit als Stadtdechant noch bis 2022 dauert.

Als am Ende des Gottesdienstes das Lied der Stadtpatrone Cassius und Florentius verklungen war, brandete Beifall auf. Dann wurden die Reliquiare der Stadtpatrone sowie der Schrein der Heiligen Helena vor das Westportal getragen. Schumacher verschloss feierlich die Türen und überreichte den schweren Eisenschlüssel symbolisch dem Projektsteuerer Ägidius Strack sowie den Architekten Ulrich Hahn und Jutta Pieper. "Ich weiß das Münster bei Ihnen in guten Händen", sagte Schumacher bewegt.

Das Bonner Münster wird schon jetzt vermisst

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU), der zur Münstergemeinde gehört, äußerte sich sehr persönlich. "Das Münster ist die Keimzelle unserer Stadt und gar nicht aus unserer Stadt wegzudenken!" Er und seine Frau verbänden eine gemeinsame Geschichte mit dem Münster in den vergangenen 30 Jahren, weshalb es ihm nun "wirklich schwer ums Herz" sei, dass sie die Kirche vorläufig nicht mehr als Ort der Stille und Besinnung nutzen könnten. Sridharan wünschte dem Bau einen guten und unfallfreien Verlauf. "Mein Herz schlägt fürs Bonner Münster."

Der griechisch-orthodoxe Erzpriester Sokratis Ntallis verwies in seinem Grußwort darauf, dass die Orthodoxen Kirchen in besonderer Weise die Märtyrer Cassius und Florentius verehrten. Sie seien Heilige der noch ungeteilten Christenheit und repräsentierten auf ganz besondere Weise die Einheit der Kirche in Ost und West.

Übergangslösung: Schlosskirche

Pfarrer Gerhardt hieß die Münstergemeinde herzlich willkommen in der evangelischen Schlosskirche, wo künftig die Sonntagabend-
Gottesdienste stattfinden sollen. Er nannte es eine "große Ehre" und ein starkes ökumenisches Zeichen, "wie gut und vertrauensvoll evangelische und katholische Christen in der Stadt seit Generationen miteinander leben, beten und singen". Auch könnten sie beruhigt sein: Die Schlosskirche sei kein "Nomadenzelt", griff er schmunzelnd Schumachers Bild auf.

In Sachen Ökumene sei in den vergangenen 30 Jahren mehr passiert als in den 300 Jahren davor, so der evangelische Pfarrer. "Und da wird auch in den nächsten beiden Jahren auch noch viel mehr passieren, als wir uns das vorstellen - räumlich näher denn je", sagte Gerhardt unter Beifall. Anschließend vollzog die Gemeinde symbolisch ihren Umzug mit einer großen Prozession in die katholische Kirche Sankt Remigius, wo vorläufig der größte Teil der Gottesdienste stattfinden wird. Dort erwartete sie neben einer Segensfeier auch ein großes Transparent mit der Aufschrift "Willkommen der Münstergemeinde!"

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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