Viele Ostdeutsche können mit Kirche nichts anfangen
Symbolbild Kirchenaustritt
P. Hans Langendörfer SJ, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz
P. Hans Langendörfer SJ, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz

21.07.2017

Pater sieht aufgrund neuer Kirchenstatistik Handlungsbedarf "Austritte tun weh"

Weniger Austritte, mehr Taufen, mehr Kirchensteuern - drei Entwicklungen aus der neuen Kirchenstatistik für 2016, die die katholische Kirche in Deutschland veröffentlicht hat. Trotzdem "müssen wir so manches tun", sagt Jesuitenpater Langendörfer. 

Katholische Nachrichten Agentur (KNA): Pater Langendörfer, die Bischofskonferenz hat neue Zahlen für 2016 vorgelegt - was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse daraus?

Jesuitenpater Hans Langendörfer (Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz): Zunächst einmal freuen wir uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unserer Landes Teil der katholischen Kirche ist. Bei den Zahlen der Taufen können wir - unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklungen - im zweiten Jahr in Folge ein Plus verzeichnen. Das freut uns sehr und zeigt: Die Menschen haben Interesse, Teil der Gemeinschaft in der katholischen Kirche zu sein.

KNA: Unter anderem zeigen die Zahlen einen Rückgang bei den Kirchenaustritten. Ist das ein Grund zur Beruhigung? Was tun Sie gegen die Kirchenaustritte, die ja weiterhin auf einem hohen Niveau liegen?

Langendörfer: Die Zahl der Austritte ist zwar erneut leicht rückläufig. Doch sollte man sich nicht auf die absoluten Zahlen fixieren. Dahinter steht das Entscheidende: Die Weitergabe des kirchlichen Glaubens ist uns bei jedem einzelnen Menschen, der sich entschlossen hat, auszutreten, nicht gelungen. Das tut uns natürlich weh. Wir müssen so manches tun - vor allem in der Zuwendung zu den Menschen. Papst Franziskus ist uns ein gutes Beispiel.

KNA: Trotz der Einnahmerekorde bei den Kirchensteuern wird gespart, sollen Zuschüsse gestrichen werden, etwa für Pax Christi oder die Auslandsseelsorge. Auch in vielen Bistümern herrscht weiter ein Sparkurs. Wie passt das zusammen?

Langendörfer: Wir rechnen mittelfristig mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Entsprechend werden alle kirchlichen Haushalte auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft. Ohne Sparen wird es nicht gehen.

KNA: In dem Bericht stecken noch viele andere Zahlen: Über welche freuen Sie sich besonders, über welche ärgern Sie sich?

Langendörfer: Wir freuen uns über jeden Menschen, der in der Kirche (wieder) Orientierung findet, dessen Kind katholisch getauft wird, der sich vor Gott das Ja-Wort gibt. Viele Menschen haben sich im vergangenen Jahr von der Kirche abgewandt. Ich hoffe, dass wir die richtigen Wege finden, sie zu erreichen.

KNA: Welche Konsequenzen muss es geben aus diesen Zahlen?

Langendörfer: Wir müssen uns ständig prüfen: Wo liegen unsere Stärken, was sind unsere Schwächen in der Weitergabe des Glaubens?

Das können wir am besten gemeinsam mit den Menschen, die Teil der Kirche sind. Aber wir müssen auch in Kontakt bleiben mit den Menschen, die sich von ihr abgewandt haben. Papst Franziskus ist uns ein gutes Vorbild.

KNA: Oft wird beklagt, die deutsche Kirche sei zwar reich und unterhalte viele Strukturen, doch mit der Glaubenskraft und der missionarischen Arbeit sei es nicht weit her. Stimmt das?

Langendörfer: Wir sind Teil der Weltkirche und unterstützen die Länder, die über weniger finanzielle Mittel verfügen. Allein in 2016 haben wir mit 127,7 Millionen Euro Sondermitteln die Flüchtlingshilfe in Deutschland und in den Herkunftsländern unterstützt. Wir sind da, wo Menschen uns brauchen. Die Notfallseelsorge beispielsweise ist da, wo Menschen Halt, Hilfe, eine Umarmung, tröstende Worte, Unterstützung und Begleitung brauchen. Die Telefonseelsorge ist immer erreichbar. Dies sind nur zwei Beispiele. Nächstenliebe und Zuwendung - beides sind Grundpfeiler christlichen Lebens.

 

Gottfried Bohl
(KNA)

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