Horst Eberlein
Horst Eberlein

25.03.2017

Horst Eberlein im Portrait "Mich interessiert, wie die Menschen ticken"

Horst Eberlein kommt aus Schwerin und fühlt sich seinen Landsleuten nah. Aber künftig will er für alle Katholiken im Erzbistum Hamburg da sein und Gemeinden besuchen. 

Großes Aufsehen um sein Person mag Horst Eberlein nicht. Die Feierlichkeiten zu seiner Weihe sollen möglichst einfach ausfallen. Mediale Auftritte seien nicht sein Ding, sagt der bisherige Schweriner Propst über sich selbst. Der 66-Jährige wird am Samstag im Hamburger Sankt-Marien-Dom die Bischofsweihe empfangen und künftig als Weihbischof im nördlichsten deutschen Bistum wirken.

Neue Umgebung nicht fremd

Von seiner ehemaligen Gemeinde hat sich Eberlein bereits verabschiedet und seine neue Wohnung im Hamburger Stadtteil Sankt Georg bezogen. Die neue Umgebung ist dem Mecklenburger nicht fremd.

Wie selbstverständlich grüßt er einige kirchliche Mitarbeiter auf dem Domplatz; in den Fluren im benachbarten Generalvikariat kennt er sich aus. In seinen 40 Priesterjahren sei er häufig dort gewesen, erzählt er. Nicht zuletzt habe er auch Familie in Hamburg. "Es wirkt alles vertraut, ich kann trotz meines Umzugs ruhig schlafen."

Eberlein wurde am 25. Oktober 1950 in Walsleben in der Altmark im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, zog aber bald darauf in das benachbarte Mecklenburg. Nach dem Theologiestudium in Erfurt empfing er am 16. April 1977 in Waren an der Müritz die Priesterweihe. Er war Kaplan in Wittenburg und Neubrandenburg, später Pfarrer in Friedland, Hagenow und Rostock. Seit 2009 leitete er die Propsteigemeinde Sankt Anna in Schwerin, ab 2013 zudem die Entwicklung des Pastoralen Raums in der Landeshauptstadt.

"Gelassen bleiben"

Dass sich mit seinem neuen Amt, in dem er vor allem für Firmungen und Visitationen zuständig ist, einiges verändern wird, ist Eberlein bewusst: "Was Pfarrdienst ist, das weiß ich. Aber jetzt lebe ich nicht mehr mit den Menschen in einer Gemeinde, sondern begegne den Leuten nur noch in besonderen Situationen." Wie das gehe, müsse er erst erlernen. Doch er sei zuversichtlich: "Mit den Jahren habe ich gelernt, gelassen zu bleiben."

Eberlein spricht langsam und ruhig, ständig sucht er den Blickkontakt. Begegnungen seien ihm wichtig - ob mit Gläubigen, mit Menschen, die am Rande stehen oder mit Nichtgläubigen. "Mich interessiert, wie die Menschen ticken." Bei der Frage, ob er eher der Theologe oder eher der Seelsorger sei, muss er nicht lange überlegen: "Die Theologie ist auch wichtig, aber ich bin eher der Seelsorger."

Die Sorge der Menschen um die Zukunft der Kirche beschäftigt ihn. Das Konzept des Erzbistums, immer größere Pastorale Räume zu gründen, bezeichnet er als "eine von mehreren Möglichkeiten." Und er ergänzt nach kurzem Nachdenken: "Ich glaube, dass es keine schlechte Möglichkeit ist."

Wertvolle Impulse für die Kirche könne Papst Franziskus liefern. Seine Art zu reden fasziniere ihn. "Das tut gut und reißt uns gelegentlich aus unseren gewohnten Bahnen." Seinem lang gehegten Traum, den Oberhirten einmal persönlich zu treffen, kommt Eberlein als Weihbischof näher. "Ich würde mich freuen, wenn ich einmal die Gelegenheit hätte", sagt er und lächelt.

Einziger Weihbischof im Erzbistum Hamburg

Ausgleich zu seiner Arbeit findet Eberlein bei ausgedehnten Spaziergängen am Wasser. "Von Schwerin aus bin ich immer an die Ostsee gefahren. Jetzt geht es dann eben an die Alster." Wenn er einmal ganz viel Zeit habe, dann gehe er auch gerne angeln. Auch dafür wird er in Hamburg passende Orte finden.

Wenn Eberlein am Samstag geweiht wird, dann legen ihm neben Erzbischof Stefan Heße auch die beiden emeritierten Hamburger Weihbischöfe Hans-Jochen Jaschke und Norbert Werbs ihre Hände auf - beides seine Vorgänger. Künftig wird Eberlein der einzige Weihbischof im Erzbistum sein. Seinen Amtssitz wird er nicht - wie bisher Werbs - in Schwerin, sondern in Hamburg haben.

Den Draht nach Mecklenburg aber behalte er trotzdem, versichert der Geistliche. "40 Jahre Mecklenburg stecken in mir drin. Das bleibt." Aber vereinnahmen lasse er sich nicht von seinen Landsleuten, betont Eberlein. Er sei für alle Katholiken im Erzbistum da.

Auch wenn er nie gedacht hätte, jemals Bischof zu werden: Dem Weihetag blickt der bisherige Propst ohne Aufregung entgegen. "Ich bin ganz ruhig und mache mir da nicht so viele Gedanken. Das wird schon."

(KNA)

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