22.09.2016

Wolfgang Bretschneider über die Arbeit der DBK-Kommissionen "Unterschiedliche Meinungen sind belebend"

Bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe wurden die Vorsitzenden und die Mitglieder der 14 Kommissionen der Bischofskonferenz neu gewählt. Wolfgang Bretschneider berät die Liturgiekommission der DBK und erklärt, warum die Arbeit so wichtig ist.

KNA: Herr Professor Bretschneider, gerade wurden die 14 Kommissionen neu gewählt. Wie wichtig sind diese für die Arbeit der Bischofskonferenz?

Msgr. Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider​ (Berater der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz): Diese Kommissionen sind ganz wesentlich, weil es Fachgremien sind. Nicht jeder Bischof kann in allen Fragen und Bereichen alles wissen. Deshalb hat die Bischofskonferenz Kommissionen eingerichtet, die für bestimmte Fragestellungen kompetent sind und ihre Antworten an die Bischofskonferenz weitergeben.

KNA: Sie stehen der Liturgiekommission seit 1992 beratend zur Seite. Können Sie an diesem Beispiel erläutern, wie diese Gremien arbeiten? 

Bretschneider: In unserer Kommission sitzen neun Bischöfe plus zwölf Berater. Stimmberechtigt sind nur die Bischöfe. Zu den Beratern gehören unter anderen drei Liturgiewissenschaftler, ein Kirchenrechtler, zwei Pfarrer und drei Kirchenmusiker. Damit sind die wichtigsten Bereiche der Liturgie vertreten. Diese kompetenten Fachgremien treffen sich zweimal im Jahr, und in der Regel werden deren Ergebnisse auch von der Bischofskonferenz übernommen. Zuletzt etwa zur Heiligsprechung von Mutter Teresa – für diesen kirchlichen Gedenktag hat unsere Kommission nach römischen Vorgaben ein Messformular entwickelt.

KNA: Das heißt, es gab auch schon Punkte, bei denen es Kontroversen gab?

Bretschneider: Natürlich. Auch die Liturgiekommission ist nicht immer einer Meinung. Aber das belebt auch den Prozess. Unsere Vorschläge werden von der Bischofskonferenz schon mal zurück in die Kommissionen gegeben, dann werden sie erneut behandelt. Das ist in der Regel ein sehr kreativer und spannender Prozess. Beispiel Kirchenprofanierung: Es wird immer wieder überlegt, wie man diesem die Menschen sehr bewegenden Ereignis eine würdige liturgische Form geben kann. Das Licht löschen und die Türen verschließen, das kann es nicht sein.

KNA: Sie sind "nur" beratendes Mitglied - ist die Mitarbeit in diesen Kommissionen auch eine Möglichkeit, Anliegen von der "Kirchenbasis" miteinzubringen und mit ihr auf Fühlung zu bleiben?

Bretschneider: Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Denn man kann sich viele Gedanken machen; aber es besteht immer die Gefahr, dass man dann abhebt. Deshalb sind beispielsweise in der Liturgiekommission auch Pfarrer; sie machen tagtäglich praktische Erfahrungen an der Basis. Das ist für die Liturgiekommission natürlich ungemein wichtig. Diese Seelsorger sind sehr lebendig und sensibel für liturgische Fragen und Feiern. Solche Menschen bereichern die Kommission; ihr Rat ist sehr gefragt.

KNA: Wie finden diese Menschen den Weg in die Kommissionen?

Bretschneider: Sie werden vorgeschlagen. Aus der Erfahrung der Liturgiekommission heraus kann ich nur sagen: Es sind gute Leute, die da reinkommen. Ich vermute, das geht auch über das Sekretariat der Bischofskonferenz. Es ist sozusagen die Sammelstelle für alle Vorschläge. Diese gehen dann an die Bischofskonferenz und werden dann, wie jetzt im Herbst, der Vollversammlung zur Beratung und Abstimmung vorgelegt.

KNA: Werden dabei auch Fachberater wie Sie neu bestellt?

Bretschneider: Automatisch bleibt keiner in der Kommission; es müssen alle neu berufen werden - Bischöfe wie Berater. Es ist eher ungewöhnlich, dass jemand wie ich seit 1992 dabei ist. Ein Grund ist, dass ich dort auch den Allgemeinen Cäcilienverband vertrete; es war uns immer wichtig, dass auch aus dieser großen Vereinigung ein Vertreter in der bischöflichen Liturgiekommission ist. Außerdem hat mich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Vertreter benannt.

KNA: Nach fast 25 Jahren Kommissionserfahrung - was ist Ihnen besonders in Erinnerung?

Bretschneider: Das war die Erarbeitung des neuen Gotteslobes, daran haben wir in der Kommission ganze zwölf Jahre gearbeitet. In den Fällen, wo es um sehr komplexe Themen und Aufgaben geht, besteht die Möglichkeit, eine Unterkommission zu gründen. Das war beim Gotteslob der Fall.

KNA: Hinter den Kulissen war das doch bestimmt nicht immer einfach. Gab es da nicht auch interne Widerstände und Gegenwind aus Rom?

Bretschneider: Wenn es das nicht gegeben hätte, wäre es ein schlechtes Buch geworden. Denn die Grundidee war ja, dass sich möglichst viele Katholiken darin wiederfinden - und deren Geschmäcker sind nun mal sehr unterschiedlich. Wir haben versucht, möglichst vielen Erwartungen gerecht zu werden. Die Überlegung, welche Lieder aufgenommen werden, in welcher Textfassung, Melodie und Tonhöhe oder wie viel Gesänge aus dem 20. und 21. Jahrhundert Einlass finden sollen, das waren spannende Fragen. Auch ging es darum, welche Themen stärker berücksichtigt werden sollen als bisher, beispielsweise Verantwortung für die Schöpfung, Klage und Trauer. Dafür waren elf Arbeitsgruppen gebildet worden. Die Arbeitsgruppe 1 etwa kümmerte sich um die strophischen Lieder, sie hat etwa 3.000 Lieder durchgesehen. Das heißt: Jedes Lied wurde von den acht Mitgliedern in der Kommission gemeinsam mit allen Strophen gesungen. Das war ein unglaublicher Aufwand. Aber im Nachhinein hat es sich gelohnt. Und wir mussten es tun, denn nur im gemeinsamen Singen konnten wir die Qualität von Text und Musik beurteilen. Was auch zum Gelingen des Buches beigetragen hat: Die Bischofskonferenz ist auf jeder ihrer Sitzungen von Anfang an immer von dem neuesten Stand in der Erarbeitung des Gotteslobes unterrichtet worden. Es konnte also nicht passieren, dass die Bischöfe vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Das war politisch sehr klug.

KNA: Kleine Fangfrage zum Schluss - sind alle 14 Kommissionen eigentlich gleich wichtig?

Bretschneider: Jede Kommission ist für sich wichtig und hat ihre Berechtigung; man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wenn ich mal die Liturgiekommission nehme - die ist natürlich für das konkrete Leben in der Kirche und in den Gemeinden sehr wichtig. Denn das Herz der Kirche schlägt immer noch in der Liturgie. Die Migrationskommission beschäftigt sich mit ganz anderen Fragen, die eine andere Relevanz besitzen. In der heutigen Flüchtlingsproblematik ist sie natürlich von außerordentlicher Bedeutung.

Das Interview führte Angelika Prauß.

(KNA)

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