Die Frauenkirche in Nürnberg
Die Frauenkirche in Nürnberg
Das Nürnberger Christkind zeigt sich am Fenster der Frauenkirche
Das Nürnberger Christkind zeigt sich am Fenster der Frauenkirche
Die Orgel der Frauenkirche
Die Orgel der Frauenkirche

16.06.2016

Nürnberg feiert 200 Jahre katholische Frauenkirche Die Kirche des Christkinds jubiliert

Vor 200 Jahren wurde den katholischen Christen in Nürnberg die Frauenkirche als Pfarrkirche übergeben. Sie ist Magnet für Gläubige aus der ganzen Stadt, aber auch für Touristen aus aller Welt.

Drei Minuten vor zwölf. Eine halbe Hundertschaft Japaner lauert auf dem Nürnberger Hauptmarkt mit gezückten Handy-Kameras. Gleich startet am Giebel der Frauenkirche das "Männleinlaufen", eine der Touristenattraktionen der Frankenmetropole. Punkt zwölf kündigen zu den Glockenschlägen Herolde und Trommler das Schauspiel an: sieben Kurfürsten, die dreimal den thronenden Kaiser umkreisen. Das Spektakel erinnert an die 1356 von Kaiser Karl IV. erlassene "Goldene Bulle", mit der die Wahlordnung für den deutschen König festgelegt wurde. Und dass dieser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten hatte.

"Oh, what a nice museum!", "ein schicker Raum" - so manchem Besucher aus dem In- und Ausland ist den Ausrufen nach zu urteilen kaum bewusst, dass es sich bei "Unserer Lieben Frau" um eine Kirche handelt. Vom Balkon aus eröffnet jedes Jahr im Advent eine rauschgoldengelhaft verkleidete junge Stadtschönheit den weltberühmten "Christkindlesmarkt". Deswegen müssen die Bewerberinnen um dieses Wahlamt schwindelfrei sein.

Kulisse für viele Events

Doch die Frauenkirche, ein Kleinod der Spätgotik, ist nicht nur dankbare Kulisse für allerlei Events und beliebtes Fotomotiv. Mitten im Trubel lädt sie zum Innehalten ein. Menschen entzünden Opferkerzen und nehmen zum stillen Gebet auf den Bänken Platz. Die fotografierenden Touristen staunen.

Für den Sonntag hat sich hoher Besuch angekündigt: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick feiert in Nürnberg einen Festgottesdienst und spendet dabei zwei erwachsenen, konvertierten Frauen das Sakrament der Firmung. Es gibt ein kleines Jubiläum zu feiern.

Das Gotteshaus hat eine konfessionell bewegte Vergangenheit. 1525 wurde in der freien Reichsstadt die Reformation eingeführt und damit die Frauenkirche evangelisch. 1806 kam Nürnberg zum neuen Königreich Bayern, zum ersten Mal in der Neuzeit konnten die Christen der Stadt ihre Konfession frei wählen. 1816, also vor 200 Jahren, wurde den Katholiken die Frauenkirche übergeben - in einem erbärmlichen Zustand, ohne jede Inneneinrichtung. Aus Beständen säkularisierter Klosterkirchen erhielt sie dann eine neue Ausstattung.

Erbärmlicher Zustand

Pfarrer Markus Bolowich macht von dieser Geschichte kein großes Aufheben. Für ihn ist das Gotteshaus "durchbeteter Raum seit dem 14. Jahrhundert". Baumeister war vermutlich Peter Parler (um 1330-1399), der Schöpfer des berühmten Veitsdomes in Prag. "Vernünftig predigen" ist auch für den katholischen Pfarrer das Gebot der Stunde. Zumal bei dem internationalen Publikum, das ins Sightseeing zwischen Burg und Germanischem Nationalmuseum auch eine Messfeier einplant.

"Neun von zehn Gottesdienstbesuchern kommen nicht aus dem Pfarrgebiet", erzählt Bolowich und freut sich über das jugendliche Durchschnittsalter von 34 Jahren seiner Kirchgänger. "Wir kochen auch nur mit Wasser, aber es ist schön, dass die Leute sich hier angenommen fühlen", wehrt der Pfarrer die Frage nach seinem "Geheimrezept für eine volle Kirche" ab.

Sozialer Treffpunkt

Für eine lebendige Gemeinde sorgt Bolowich mit seinem kleinen Team von Hauptamtlichen und ein paar Ruhestandspriestern aber nicht allein. Seit 25 Jahren richten Ehrenamtliche ein Obdachlosenfrühstück aus und bewirten dabei regelmäßig weit über 100 Menschen. Immer wieder finden Flüchtlinge bei "Unserer Lieben Frau" in Nürnberg Kirchenasyl. Und für kunsthistorische Kirchenführungen haben sich 40 Frauen und Männer eigens schulen lassen.

Was wünscht sich der Pfarrer für die nächsten 200 Jahre? Bolowich überlegt nicht lange: "Dass sie eine offene Kirche bleibt, und dass eine hörende Gemeinde wach ist für die Zeichen der Zeit und Gottes Stimme."

Marion Krüger-Hundrup
(KNA)

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