Katholische Universität Eichstätt
Katholische Universität Eichstätt
Studenten auf dem Weg zur Uni
Studenten auf dem Weg zur Uni

14.06.2016

Zwei Bewerber für Leitung der Katholischen Universität Eichstätt Die Entscheidung naht

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt erhält eine neue Spitze. Zur Wahl stehen am Mittwoch Gabriele Gien, die die KU bereits kommissarisch leitet, sowie der Kieler Astrophysiker Wolfgang J. Duschl.

Nach jahrelangen Personalquerelen hofft die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), demnächst endgültig in ruhigere Bahnen zu gelangen. Am Mittwoch entscheidet sich, wer die Hochschule künftig leitet. Um das Präsidentenamt bewerben sich die Literaturwissenschaftlerin Gabriele Gien (54), die die KU bereits seit Herbst 2014 kommissarisch leitet, sowie der Kieler Astrophysiker Wolfgang J. Duschl (58).

Kandidaten stellen sich vor

Die Wahl trifft ein Gremium aus Vertretern von Hochschulrat, Senat und Stiftungsrat. Gien und Duschl stellen sich unmittelbar zuvor mit Kurzvorträgen der Universitätsöffentlichkeit vor. Die fünfjährige Amtszeit des Präsidenten oder der Präsidentin beginnt am 1. Oktober. Die KU ist die einzige katholische Uni im deutschsprachigen Raum. Sie wird von den bayerischen Diözesen getragen. Diese erhöhten ihr finanzielles Engagement kürzlich auf jährlich gut 15 Millionen Euro.

Die Suche nach einem neuen Präsidenten war in den vergangenen Jahren wiederholt gescheitert. Das Eichstätter Kandidatenkarusell drehte sich schnell, mehrfach wurde zudem die Wahlordnung geändert. 2011 unterlag der vom Träger favorisierte Theologe und Ethiker Andreas Lob-Hüdepohl, damals KU-Interimschef, überraschend dem deutsch-amerikanischen Dominikaner Richard Schenk. Dieser gab das Amt später seinerseits auf, offiziell aus Gesundheitsgründen.

Unter Giens Übergangsleitung beruhigte sich die Lage. Die Uni erhielt in Augsburgs Weihbischof Anton Losinger einen neuen Stiftungsratsvorsitzenden; mit der Leitung des prominent besetzten Hochschulrats wurde die Bildungsexpertin Barbara Loos betraut.

Zuletzt konnte Gien, die seit 2009 den KU-Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur innehat, mit neuen Höchstwerten bei Studierendenzahlen, Neuberufungen und Drittmitteln aufwarten.

Nicht nur deshalb gilt die 54-jährige Übergangsverwalterin vielen als Idealbesetzung für das Präsidentenamt. Zum ersten Mal liegt zudem eine Bewerbung um die Leitung aus den eigenen KU-Reihen vor. Doch auch Duschl hat einiges vorzuweisen. Der Astrophysiker hat in den USA geforscht, zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt - und sich auch intensiv mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Religion befasst. Keine schlechte Empfehlung für die Leitung einer Hochschule mit "K-Profil", auch wenn Astrophysik nicht zum Fächerkanon der KU zählt.

Kirchliche Unbedenklichkeitserklärung

Das Wahlgremium hatte zunächst sieben Kandidaten zu einer internen Vorstellung eingeladen. Drei blieben übrig, alle erhielten das "nihil obstat" aus Rom. An der fehlenden kirchlichen Unbedenklichkeitserklärung waren vergangene Wahlen schon gescheitert.

Stiftung und Uni verhandelten, wie es hieß, mit dem Trio erfolgreich für den Fall einer Wahl - auch dies eine Lehre aus bitteren Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit. So wurde es 2009 nichts mit der Kür eines bereits Gewählten, weil sich dessen nachträgliche Forderungen nicht erfüllen ließen. 

Von den Dreien in der aktuellen Vorschlussrunde sind inzwischen nur noch zwei übrig. Auch dies ist keine neue Situation für die KU. 2014 kamen kurz vor dem Finale immer mehr Kandidaten abhanden, bis nur noch ein Bewerber übrig war - zu wenig für eine echte Wahl, die daraufhin abgesagt wurde.

Papst stellt Bedeutung der KU heraus

Nicht nur für die Hochschule selbst, auch für die Kirche steht einiges auf dem Spiel. Mit überraschend deutlichen Worten unterstrich zuletzt der Papst die Bedeutung der KU. Sie sei "von großem Wert für ganz Deutschland", erklärte Franziskus. Er rief die deutschen Bischöfe auf, sich für die Uni einzusetzen, "um ihre überregionale Bedeutung zu stärken und den interdisziplinären Austausch über Fragen der Gegenwart und der Zukunft im Geist des Evangeliums zu fördern".

Bis eine solche Förderung materielle Gestalt annimmt, wird es jedoch noch einiger Überzeugungsarbeit bedürfen.

Bernd Buchner
(KNA)

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