Karl Kardinal Lehmann
Karl Kardinal Lehmann

Karl Kardinal Lehmann steht seit 1983 an der Spitze des Bistums Mainz. Das gibt es schon seit dem frühen Mittelalter und liegt heute auf Territorien der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen. Mehr als 750.000 Katholiken dort - etwa ein Viertel der Bevölkerung.

04.05.2016

Kardinal Lehmann über Abschied, Bücher und den 80. Geburtstag "Ich war der 102. Bischof von Mainz"

Seit bald 33 Jahren ist er Bischof von Mainz, am Pfingstmontag wird er 80 Jahre alt - und am Tag darauf ist er nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr Mainzer Bischof: Kardinal Karl Lehmann.

Zum Auftakt zitiert Kardinal Karl Lehmann aus einem alttestamentlichen Psalm: "Unsere Tage zu zählen lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz." Das passt, auch wenn das, was so intoniert wird, ein Pressegespräch ist. Geht es in der Runde, zu der Lehmann am Mittwoch eingeladen hatte, doch um seinen 80. Geburtstag am 16. Mai.

Lehmann, der im schwäbischen Sigmaringen geboren wurde, spricht über seine Zeit als Student der Philosophie und der Theologie, über das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), über seine Zeit als Theologieprofessor, als Bischof von Mainz und - von 1987 bis 2008 - als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Ganz an den Anfang aber stellt er Erinnerungen an seine Kindheit: "Ich bin noch aufgewachsen mit hellem Bewusstsein, dass wir im Krieg stehen. Ich erinnere mich vor allem an die Nächte im Bunker, aber auch an die abschreckende Stimme Hitlers."

Seit 33 Jahren Bischof von Mainz

Dass über 50 Journalisten Lehmanns Einladung zu dem Pressegespräch gefolgt sind, hat natürlich mit seiner Person zu tun, mit seiner Lebensleistung, mit seinem 80. Geburtstag, aber eben auch mit seinem nahen Rücktritt vom Mainzer Bischofsamt, dass er seit bald 33 Jahren innehat. Bereits Mitte April ließ das Bistum Mainz - natürlich in Absprache mit seinem Bischof - wissen, dass "kaum ein Zweifel" daran bestehe, dass Papst Franziskus Lehmanns in Rom eingereichte altersbedingte Bitte um Entpflichtung vom Bischofsamt erfülle und der Mainzer Bischofsstuhl "ab Dienstag, 17. Mai 2016, vakant ist". Es wies zugleich darauf hin, dass entsprechend den römischen Gepflogenheiten eine amtliche Entscheidung in der Regel erst am Tag des Eintretens der Amtsentpflichtung mitgeteilt werde.

Auch wenn diese Mitteilung noch aussteht, spricht Lehmann in dem Pressegespräch so: "Ich war der 102. Bischof von Mainz und der 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius". Zudem werde es Zeit, "die Stafette an den nächsten Läufer weiterzugeben" und die "Gestaltung der kommenden Zeit" einem Nachfolger anzuvertrauen. Auf die Frage aus der Journalistenrunde, was er am 17. Mai tun werde, antwortet Lehmann, er werde sich ausruhen und neugierig sein darauf, ob das Mainzer Domkapitel einen Diözesanadministrator - einen Übergangsverwalter für das Bistum also - wählen werde.

Kein Lehmann ohne Bücher

Dass es einen Karl Lehmann ohne Bücher schlicht nicht gibt, zeigt sich einmal mehr im Rahmen des Pressegesprächs. Denn hier werden auch drei neue Publikationen anlässlich seines 80. Geburtstags vorgestellt. "Mit langem Atem" gibt ein Gespräch wieder, dass der ehemalige ZDF-Intendant Markus Schächter mit Lehmann führte. Ein Band mit dem Titel "Was im Wandel bleibt" versammelt die Hirtenbriefe des Mainzer Bischofs aus den vergangenen 13 Jahren. "Auslotungen" schließlich bietet auf über 500 Seiten eher wissenschaftlich geprägte Aufsätze und Referate Lehmanns aus der Zeit seit 2006, etwa zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), zur Ökumene oder zum Beziehungsfeld von Staat, Kirche und Gesellschaft.

Von einer der "größten Enttäuschungen" seiner Bischofszeit berichtet der Kardinal in "Mit langem Atem". Von der "Abfuhr" nämlich, die ein
1993 von ihm und seinen damaligen Bischofskollegen Walter Kasper und Oskar Saier vorgelegtes Hirtenwort zur seelsorglichen Begleitung wiederverheirateter Geschiedener aus Rom erhielt. Sie seien "abgekanzelt" worden, so Lehmann, "wie es für uns als Theologen und als Bischöfe nicht angemessen war". Und es sei auch der Sache nicht angemessen gewesen. Dass die beiden jüngsten Weltbischofssynoden und das nachfolgende Schreiben "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) von Papst Franziskus Bewegung in diese Sache gebracht haben, dürfte für Lehmann zumindest eine kleine Wiedergutmachung sein.

Von Peter de Groot
(KNA)

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