Pueri Cantores-Sängerinnen
Pueri Cantores-Sängerinnen
Stephan Rommelspacher
Stephan Rommelspacher

10.04.2016

Vorsitzender zur Gründung des Chorregionalverbandes Pueri Cantores Ost "Der Sprung ins weltweite Netzwerk"

Knapp 700 junge Sänger haben am Samstag in Halle, Sachsen-Anhalt, die Gründung des katholischen Chorregionalverbandes Pueri Cantores Ost gefeiert. Der neue Vorsitzende, Stephan Rommelspacher, sieht darin den Spung ins weltweite Netzwerk.

domradio.de: Gestern war das große Gründungsfest in Halle an der Saale. War es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Stephan Rommelspacher (Kantor der Propsteikirche Leipzig): Es war eigentlich noch besser. Wir bewegen uns ja hier in der Diaspora. Wir hatten gehofft, dass 300 bis 400 Jugendliche kommen würden, aber es sind am Ende fast 700 geworden. Das war eine Resonanz, die uns umgehauen hat. Die Stimmung war großartig, das Wetter hat mitgespielt und die Bischöfe waren alle da. Also, wir waren sehr glücklich.

domradio.de: Wie muss man sich so einen Tag vorstellen? Wir gründet man so eine Region?

Rommelspacher: Formal haben wir uns in Leipzig schon vor drei Wochen gegründet. Das war jetzt das Fest mit den Kindern und Jugendlichen, sozusagen die nachgeholte "Geburtstagsfeier". Wir wollten nicht in der Fastenzeit zusammenkommen, sondern in der Osterzeit und es sollte auch schon Frühling sein. Wir hatten Kinder aus insgesamt 35 Chören, von der Lausitz im Erzgebirge aus dem Osten bis zum Eichsfeld im Westen dabei. Berlin und der Berliner Raum waren auch sehr gut vertreten, und aus Halle, Leipzig oder Erfurt kamen die Chöre. Also: Aus allen fünf Mitgliederbistümern Berlin, Magdeburg, Görlitz, Dresden-Meißen und Erfurt hatten wir Chöre da. Wir haben uns in der Moritzkirche, der größten und ältesten Kirche Halles getroffen und  hauptsächlich gesungen. Zum Abschluss gab es einen großen Gottesdienst mit dem Erzbischof.

domradio.de: Das Motto des Tages lautete "Wir singen unseren Glauben". Wie muss man sich das vorstellen? Wie singt man seinen Glauben?

Rommelspacher: Durch frohe Lieder, die den Kindern zu Herzen gehen, die ihre Befindlichkeit inhaltlich ausdrücken und natürlich mit der Musik die Herzen erreicht.

domradio.de: Jetzt gibt es ja die neue Region Ost. Warum braucht es auch in den fünf Bistümern im Osten Deutschlands unbedingt Pueri Cantores?

Rommelspacher: Die Bistümer haben hier selbst eigene Strukturen der Kirchenmusik. Aber Pueri Cantores vernetzt alles viel besser. Das ist die große Stärke: das weltweite Netzwerk. Wir sind ja in 35 Ländern dieser Erde präsent. Da kommt dann sehr viel mehr Austausch zustande, in unserem Fall jetzt über Bistumsgrenzen hinweg. Unser nächstes Treffen könnte vielleicht in Berlin stattfinden. Ein Kind aus Zittau, Görlitz oder dem Erzgebirge kommt nicht so oft in die Hauptstadt. Natürlich wollen wir auch mit den Pueri Cantores-Verbänden im Westen Deutschlands in engen Austausch treten. Ganz wichtig ist auch, dass die Chorleiter in dieses Netzwerk eingebunden sind. Sie beraten sich gegenseitig, erhalten ganz viel Input und Anregungen für ihre Arbeit vor Ort, die manchmal nur in recht bescheidenen Verhältnissen stattfinden kann und sehr klein ist. Pueri Cantores trägt das.

domradio.de: Wie wird Ihre Arbeit aussehen? Verändert sich jetzt dadurch jetzt etwas für Sie?

Rommelspacher: Ja. Ganz einfach dadurch, dass wir jetzt vernetzt sind und miteinander in Kontakt treten. Die Chorleiter treffen sich regelmäßig. Wir haben einen Vorstand mit je zwei Vertretern aller fünf Bistümer. Wir werden regelmäßig zusammenkommen, uns unterstützen und natürlich Ideen entwickeln - in erster Linie zum Kerngedanken von Pueri Cantores und um den Frieden zu singen, was ganz typisch für Pueri Cantores ist. Kinder singen und beten für den Frieden auf dieser Welt und auch in den Gemeinden. Das wollen wir nach vorne bringen.

domradio.de: Den Frieden singen klingt auch ganz aktuell, wenn man immer wieder an die Montagsdemonstrationen denkt, oder?

Rommelspacher: Oh je. Das ist ein ganz bedrängendes Thema. Die Propsteikirche liegt ja am Leipziger Ring und ganz regelmäßig erleben wir auch hier diese Montagsdemonstrationen und Gegendemonstrationen und durchaus auch die Gewalt, die da stattfindet. Wir sind mit unserem Jugendchor der Propsteikirche zum Beispiel schon einmal auf das Dach der Kirche gestiegen und haben gesungen. Einfach gesungen, als unten die Demonstration vorbeizog.

domradio.de: In vielen Regionen Ihres Gebietes sind die Kirchen ja in einer Minderheitensituation. Verstehen Sie sich auch als eine Möglichkeit, niederschwellig Menschen zum Glauben einzuladen?

Rommelspacher: Ja, das kann man durchaus so sagen. Über das Medium der Musik ist ganz viel möglich. Aber das hat eigentlich weniger mit Diaspora zu tun. Das ist, glaube ich, überall dasselbe. Ich bin ja aus dem Westen hierher gezogen und war bis vor zwei Jahren noch in Trier am Dom in einer ganz katholischen Gegend. Hier sind die Menschen ausgesprochen intensiv dabei. Wenn man in der Diaspora-Situation lebt, muss man sehr viel mehr für den Glauben einstehen. Auch die kirchliche Arbeit ist eine andere, ist intensiver. Wir haben einen deutlich besseren Kirchenbesuch und das färbt auch auf die Kinderchöre ab.

Das Interview führte Matthias Friebe.

(dr)

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