Vollmond hinter dem Würzburger Dom
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31.03.2016

Beschuldigerin meldet sich zu Wort Möglicher Missbrauchsfall in Würzburg

Zu dem Missbrauchsvorwurf im Bistum Würzburg hat sich am Donnerstag die Beschuldigerin zu Wort gemeldet. Der Fall war am Wochenende durch einen "Spiegel"-Bericht öffentlich geworden.

"Es ist natürlich nicht schön, als Opfer so dargestellt zu werden, als wäre dieses Geschehen nie gewesen", sagte die 44-Jährige dem Bayerischen Rundfunk: "Das ist unglaublich hart, und ich fühle mich, ehrlich gesagt, auch dadurch erneut missbraucht." Sie bezog sich damit auf die Ende Dezember 2015 erfolgte Einstellung des kirchlichen Untersuchungsverfahrens.

Die Frau wirft einem hochrangigen Würzburger Priester vor, sie im Jahr 1988 sexuell missbraucht zu haben. Der Fall war am Wochenende durch einen "Spiegel"-Bericht öffentlich geworden. Wie die Frau gegenüber der Würzburger "Main-Post" erklärte, hat sie die Veröffentlichung selbst initiiert. Nun fühle sie sich "befreit".

Vorwurf von Anfang an bestritten

Am Dienstag hatte die Würzburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen zu möglichen Straftaten und ihrer etwaigen Verjährung eingeleitet. Die Frau gibt an, als 17-jähriges Mädchen von dem Priester, der von 2002 bis 2010 selbst Missbrauchsbeauftragter des Bistums war, im Exerzitienhaus Himmelspforten zum Oralverkehr gezwungen worden zu sein. Der Beschuldigte hat den Vorwurf von Anfang an bestritten.

"Mit Rücksicht auf die laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen zu dem Fall äußert sich die Diözese derzeit nicht", sagte Bistumssprecher Bernhard Schweßinger am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Im Gespräch mit der "Main-Post" bemängelte die Frau die kirchliche Aufarbeitung ihres Falles. Opferschutz, seelischen Beistand oder finanzielle Hilfe für Therapien habe sie nicht gefunden. Die Kirche habe nur versucht, ihr eigenes Ansehen als Institution und den Beschuldigten zu schützen.

Diözese hatte eine ausführliche Chronologie veröffentlicht

Das Bistum hatte dazu am Wochenende erklärt, ihm sei es "von Anfang an um eine saubere und minutiöse Aufarbeitung" gegangen. Unter anderem wurde auf der Homepage der Diözese eine ausführliche Chronologie veröffentlicht.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hatte den Fall Anfang 2014 zur Überprüfung an das Kirchengericht der Erzdiözese München und Freising übergeben. Dessen Untersuchungen endeten im vergangenen August mit der Feststellung, dass der Vorwurf aus Mangel an Beweisen "begründet nicht aufrechterhalten werden kann".

"nur sehr am Rande an der Untersuchung beteiligt"

Die Beschuldigerin habe sich "nur sehr am Rande an der Untersuchung beteiligt", sagte der zuständige Münchner Offizial Lorenz Wolf der KNA. Einer mündlichen Anhörung habe sich die Frau unter Verweis auf ihren Gesundheitszustand verweigert. Allerdings sei ihre Aussage in schriftlicher Form in das Verfahren eingeflossen, außerdem sei dazu ein psychologisches Gutachten erstellt worden.

Der "Spiegel" zitiert den Münchner Gutachter Norbert Nedopil mit den Worten, dass nach seiner Expertise "eine Erlebnisgrundlage für den vermeintlichen sexuellen Übergriff" zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit festgestellt werden könne. Dies bedeute aber nicht, dass das von der Frau berichtete Ereignis "nicht stattgefunden hat".

Weitere Untersuchungen des Beauftragten

Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte des Bistums, der Würzburger Strafrechtsprofessor Klaus Laubenthal, äußerte am Mittwoch in der "Main-Post" erneut Zweifel am Ausgang der kirchlichen Voruntersuchung. Wenn das aussagepsychologische Gutachten keinen eindeutigen Aufschluss ergeben habe, stehe es "im krassen Widerspruch zu dem Ergebnis des Kirchengerichts, das sagt, es war höchst unwahrscheinlich". Laubenthal hat nach eigenen Angaben Anhaltspunkte von mehreren Personen auf einen weiteren Fall vorliegen, "der sich möglicherweise auf die gleiche Person bezieht". Diese will er nun untersuchen.

 

(KNA)

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