22.03.2016

Vor 70 Jahren starb Kardinal von Galen Weder Lob noch Furcht

"Ein Streiter fürs Recht, ein Ritter zwischen Tod und Teufel ist gestorben." So würdigte die "Die Zeit" im März 1946 Clemens August von Galen. Vor 70 Jahren starb der Kardinal, der auch als Löwe von Münster bekannt ist.

Den Deutschen galt er als Symbolfigur des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Auch für viele Ausländer war er einer der wenigen guten Deutschen in der NS-Zeit. Mit dem Ehrentitel "Löwe von Münster" ging Kardinal Clemens August von Galen in die Geschichte ein. Vor 70 Jahren, am 22. März 1946, starb der Bischof - kurz nach der Rückkehr von seiner Kardinalsernennung aus Rom. Im Jahr 2005 wurde er selig gesprochen.

Leise Kritik von Historikern

Sein Wahlspruch lautete "Nec laudibus nec timore" (Weder durch Menschenlob noch Menschenfurcht). Allerdings: Am glänzenden Denkmal haben Historiker einige Kratzer ausgemacht: Kritisiert wird insbesondere seine antidemokratische Grundhaltung, seine bisweilen autoritäre politische Einstellung und sein Antibolschewismus, der ihn 1941 trotz seiner Kritik am NS-Regime den Russlandfeldzug begrüßen ließ.

Galen wurde 1878 als Sohn des Grafen und Reichstagsabgeordneten des Zentrums, Ferdinand von Galen, auf Burg Dinklage im oldenburgischen Münsterland geboren. Pünktlichkeit, Fleiß, Traditionsbewusstsein, Obrigkeits-Gehorsam und eine konservativ-katholische Lebensanschauung - das waren die Werte, die dem elften von 13 Kindern mit in die Wiege gelegt wurden.

Amtszeit während des Dritten Reiches

Galens Amtszeit als Bischof fiel praktisch mit der Dauer des Dritten Reiches zusammen. Am 23. Oktober 1933 wurde der 55-Jährige zum Bischof von Münster geweiht. Zuvor war er Pfarrer in Berlin gewesen, aber 1929 vom damaligen Münsteraner Bischof Johannes Poggenburg zurück in die Westfalenmetropole geholt worden, um den teilweise zur rechtskonservativen DNVP oder sogar zur NSDAP driftenden westfälischen Adel zurückzuholen. Am 21. Februar 1946 ernannte ihn Papst Pius XII. wegen seiner aufrechten Haltung während der NS-Zeit zum Kardinal. Am 16. März kehrte Galen nach Münster zurück; 6 Tage später starb er an einer Blinddarm-Entzündung.

Anfangs war der als national-konservativ und streng anti-bolschewistisch bekannte Galen den Nationalsozialisten als Bischof nicht unwillkommen. Doch schon 1934 wandte sich der hochgewachsene Geistliche gegen das Bekenntnis der Nazis zum sogenannten positiven Christentum und brandmarkte die rassistische und an pseudogermanische Religionsvorstellungen anknüpfende Ideologie des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg.

"Staatsfeind" der Nationalsozialisten

Spätestens im Sommer 1941 wurde der Bischof in den Augen Hitlers und seines Propagandaministers Joseph Goebbels zum "Staatsfeind" und "Landesverräter". In drei Predigten wandte er sich gegen Euthanasie, Nazi-Terror und Willkür. Als einer von wenigen Bischöfen rang er sich zu öffentlichem Protest durch; Abschriften der Predigten wurden in Deutschland und an allen Fronten verbreitet.

"Der physischen Übermacht der Gestapo steht jeder deutsche Staatsbürger völlig schutzlos und wehrlos gegenüber", hieß es darin. "Keiner von uns ist sicher, dass er nicht eines Tages aus seiner Wohnung geholt, seiner Freiheit beraubt, in Kellern und Konzentrationslagern der Gestapo eingesperrt wird."

Am 3. August 1941 prangerte von Galen den organisierten Mord an Altersschwachen und Geisteskranken an und trug damit wohl dazu bei, dass die Nazis das sogenannte Euthanasie-Programm zumindest stark einschränkten: "Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den 'unproduktiven' Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden." Hitler schäumte vor Wut. Doch die Abrechnung glaubte er auf die Zeit nach dem Krieg verschieben zu müssen. Das Rheinland und Westfalen seien für den Krieg abzuschreiben, wenn man aus dem Bischof einen Märtyrer mache.

Kämpfer für die Rechte der Kirche

Galen wurde von Historikern später auch vorgehalten, er habe in erster Linie für die Rechte der Kirche gekämpft und nichts für die bedrohten Juden getan. Ein Vorwurf allerdings, der außer Acht lässt, dass der Bischof auf bereits geplante öffentliche Proteste verzichtete, weil Juden selbst ihn darum baten. Sie fürchteten, dass die Nazis, wie in den Niederlanden geschehen, dann erst recht zuschlagen würden.

Christoph Arens
(KNA)

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