09.12.2015

Ostdeutsche Bistümer legen Bilanzen vor Kassensturz in der Diaspora

Nach anderen deutschen Diözesen haben nun auch alle ostdeutschen Bistümer ihre Finanzverhältnisse erstmals umfassend veröffentlicht. Am Mittwoch stellten die Diözesen Dresden-Meißen, Erfurt, Magdeburg und Görlitz ihre Jahresberichte für 2014 vor.

Die Zahlen wurden zuvor von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf ihre Richtigkeit geprüft. Die Diözesen der neuen Bundesländer verfügen demnach über Vermögen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe. Im Erzbistum Berlin waren es demnach 530 Millionen Euro, im Bistum Dresden-Meißen einschließlich des Dresdner Domkapitels 427 Millionen Euro, im Bistum Erfurt einschließlich des Bischöflichen Stuhls und des Domkapitels 413 Millionen Euro, im Bistum Magdeburg einschließlich des Kathedralkapitels 66 Millionen Euro und im Bistum Görlitz einschließlich des Bischöflichen Stuhls 56 Millionen Euro. Das Erzbistum Berlin hatte eine solche Bilanz bereits für 2013 publiziert.

Die Vermögen bestanden zum größeren Teil aus Finanzanlagen, ansonsten aus Immobilien. Die Grundstücke und Bauten waren zumeist kirchlich genutzt. Pro Kirchenmitglied in der jeweiligen Diözese belief sich das Vermögen demnach von rund 800 Euro (Magdeburg) über 1.300 Euro (Berlin), 2.000 Euro (Görlitz) und 2.800 Euro (Erfurt) bis zu 3.000 Euro (Dresden-Meißen). Das Bistum Magdeburg hat wegen der Verluste seiner früheren Firma Gero AG zugleich jedoch auch Verbindlichkeiten in Höhe von 46 Millionen Euro in seiner Bilanz. Zum Vergleich: Das Erzbistum Paderborn wies für den gleichen Zeitraum ein Diözesanvermögen von 4 Milliarden Euro aus, das sind knapp 3.000 Euro pro Kirchenmitglied.

Zweckbestimmtes Vermögen

Wie in den anderen Diözesen sind die ostdeutschen Bistumsvermögen zu großen Teilen für bestimmte Zwecke reserviert, vor allem für Fonds zur Finanzierung der Priesterpensionen und als Rückstellungen für Bauvorhaben. Zudem finanzieren die Ost-Diözesen ihre Jahreshaushalte zu einem erheblichen Teil aus ihren Vermögenserträgen mit, da die Einnahmen der Diasporabistümer aus der Kirchensteuer dafür bei weitem nicht ausreichen. Ein großer Teil der Bistumsetats wird auch aus Zuschüssen der finanzstärkeren West-Diözesen bestritten, die allerdings rückläufig sind. Historisch begründete Staatsleistungen der Bundesländer spielen anders als im Westen nur eine geringe und regional unterschiedliche Rolle.

Die mitteldeutschen Bistümer Erfurt, Magdeburg, Dresden-Meißen und Görlitz präsentierten ihre Geschäftsberichte zeitgleich und in einheitlicher Form. Sie wollen dies künftig regelmäßig wiederholen, um die Glaubwürdigkeit der Kirche zu stärken und Spekulationen zu entkräften. Ein Anlass der Publikation ist der Finanzskandal im Bistum Limburg beim Bau des Bischofshauses. Im Zuge einer besseren Finanztransparenz stellen immer mehr Diözesen die kirchliche Haushaltsführung auf die sogenannte doppelte Buchführung um.

 

(KNA)

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