Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße

12.11.2015

Neuer Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen Heße: Familiennachzug wichtig

Der Familiennachzug für Flüchtlinge darf nicht beschränkt werden, sagt Stefan Heße, Hamburger Erzbischof. Der neue Sonderbeauftragter der katholischen Kirche für Flüchtlingsfragen kritisiert auch die Wiedereinführung des Dublin-Verfahrens für Syrer. 

Die katholische Kirche kritisiert Pläne der Bundesregierung, den Familiennachzug für bestimmte Flüchtlinge einzuschränken. Aus kirchlicher Sicht habe der "Grundsatz der Einheit der Familie" eine hohe Bedeutung, sagte der neue Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, am Donnerstag vor Journalisten in Hamburg. Dagegen sei das Anliegen zu begrüßen, Asylverfahren zu beschleunigen. Dabei müsse aber gewährleistet sein, dass jeder Flüchtling Rechtsberatung erhalten könne und die Asylanträge sorgfältig und unvoreingenommen geprüft werden.

"Da Fragen von Flucht und Asyl die ethischen Grundsätze des Christentums berühren, begleiten wir politische Entwicklungen in diesem Bereich mit besonderer Aufmerksamkeit", sagte der Erzbischof.

Die derzeitigen Anstrengungen staatlicher Stellen zur Versorgung der vielen Flüchtlinge verdiene große Anerkennung. Heße war bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe im September zum Flüchtlingsbeauftragten ernannt worden. Der 49-Jährige ist seit März Erzbischof in Hamburg.

Gefährliche Rhetorik 

Kritisch äußerte sich Heße auch zur Wiedereinführung des Dublin-III-Verfahrens für Syrer, die über ein anderes EU-Land einreisen und dorthin zurückgeschickt werden können. Flüchtlinge dürften nicht in einem Land festgehalten werden, sagte der Erzbischof. Jeder, der Deutschland erreiche, müsse hier einen Asylantrag stellen können. Notwendig sei es auch, zu einheitlichen Standards in der EU für die Bearbeitung der Asylanträge zu kommen.

Als "gefährlich" bezeichnete der Beauftragte die derzeitige Rhetorik einiger Politiker in der Flüchtlingspolitik. Niemand solle vergessen, dass es sich bei den Flüchtlingen nicht um "Problemfälle", sondern immer um konkrete Menschen handele.

Flucht und die damit einhergehende Not würden für jeden hierzulande im Alltag erfahrbar, sagte der Erzbischof. Deshalb müsse die von Papst Franziskus geforderte "Globalisierung der Nächstenliebe" jetzt "direkt in unserer Nachbarschaft stattfinden".

Lob für Dözesen 

Heße lobte die Hilfen in allen 27 katholischen deutschen Diözesen, der Hilfswerke und Caritasverbände, Ordensgemeinschaften und mehr als 100.000 Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden. Seine Aufgabe als Sonderbeauftragter werde es sein, eine stärkere überdiözesane Zusammenarbeit zu fördern. Geklärt werden müssten Fragen etwa nach dem Bedarf zusätzlicher Angebote und einem besseren Einsatz von Ressourcen. Doppelstrukturen sollten vermieden werden.

Der Erzbischof verwies auf den Katholischen Flüchtlingsgipfel am 24. November in Würzburg, an dem rund 100 Vertreter von Organisationen teilnehmen sollen. Hier werde es darum gehen, konkrete Handlungsaufträge zu erarbeiten.

Kritik auch von Jesuiten 

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) hat die geplante Begrenzung des Familiennachzugs von syrischen Flüchtlingen scharf kritisiert. "Wir können nicht den Wert der Familie andauernd betonen und dann den Familiennachzug begrenzen", sagte JRS-Direktor Frido Pflüger am Donnerstag in Berlin in Anspielung auf den Vorstoß von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU). "Als Christen dürfen wir nicht zulassen, dass Familien auseinandergerissen werden." Die Innenminister der Länder wollen über den Vorstoß Anfang Dezember beraten.

Der JRS forderte auf seiner Jahrespressekonferenz im Gegenzug bessere Strukturen, damit weitere Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten. Auch Deutschland habe Schuld an den "erschütternden Zuständen" in den Konfliktländern, betonte Pflüger. "Vor allem deutsche Waffenlieferungen haben die Krisen vor Ort verschärft." Dieser Verantwortung müsse sich die Regierung bewusst sein.

(KNA)

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