Pater Oliver Potschien
Pater Oliver Potschien

Der Prämonstratenser-Pater Oliver Potschien leitet den Petershof. Der Petershof ist ein sozialpastorales Zentrum der Gemeinde St. Peter und Paul in Duisburg-Marxloh. Er wurde 2012 von Pater Oliver Potschien und Gemeindemitgliedern gegründet.

Arm, jung, multikulturell
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25.08.2015

Duisburger Pater: Merkel soll Überforderung wahrnehmen Kanzlerin im Problemrevier

Pater Oliver Potschien erhofft sich von dem Besuch von Kanzlerin Merkel, dass sie die Überforderung in Duisburg-Marxloh wahrnimmt. Der Bund müsse einspringen. Potschien kümmert sich um Schulabbrecher mit libanesischen Wurzeln.

domradio.de: Was ist das drängendste Problem in Marxloh im Moment?

Prämonstratenser-Pater Oliver Potschien: Sicherlich nicht, die Idylle wiederherzustellen. Ich denke, das drängendste Problem in Marxloh ist, dass das, was Bundespolitisches beschlossen wird, bis ins kleine Detail Auswirkungen hat. Wir haben im Moment einen Zuzug aus Südosteuropa von immer noch etwa 200 bis 250 Leuten jeden Monat nur nach Duisburg. Das bringt ein paar Probleme mit und da müssen wir eine Lösung finden.

domradio.de: Welche Probleme bringt das mit sich?

Pater Oliver: Die Leute, die hierhin kommen, sind im Moment zumindest gesundheitlich nicht abgesichert, da der Krankenversicherungsschutz nicht geklärt ist. Wir haben hier im Moment etwa 10.000 bis 12.000 Menschen, die keine Möglichkeit haben, im Regelsystem eine Gesundheitsleistung zu kriegen. Wenn sie krank werden, können sie nicht zum Arzt gehen. Deshalb haben wir hier im Petershof eine Gesundheitssprechstunde aufgebaut, in der wir jede Woche etwa 60 bis 80 Menschen kostenlos behandeln. Das ist zum Beispiel eins der Probleme.

domradio.de: In Ihrer Gemeinde haben Sie einen jungen Mann mit libanesischen Wurzeln, der bei Ihnen seine Ausbildung macht. Vielen jungen Erwachsenen in seinem Alter geht es aber anders. Was ist da das hauptsächliche Problem?

Pater Oliver: Das ist ja immer die Frage nach diesen "bösen libanesischen Clanjugendlichen", wie sie bezeichnet werden. Das ist einfach eine Gruppe von jungen Menschen, die kaum eine Perspektive haben. Es ist in der 8./9. Klasse häufig zum Schulausbruch gekommen, dann gibt es keine Ausbildung, ohne Ausbildung gibt es eben auch keinen vernünftigen Job. Und die Frage, an der wir versuchen händeringend zu arbeiten, ist, ob es nicht für diese Jugendlichen eine Möglichkeit gibt, dass wir sie irgendwie ins Berufsleben "hineinbasteln" können. Sie träumen genauso von einer Familie, die sie ernähren können, von einer Wohnung, von einem Auto. Da müsste es möglich sein, gemeinsam anzupacken und zu überlegen, wie kriegt man irgendwie eine Schmalspurausbildung hin, um sie ins System zu holen.

domradio.de: Sind sie denn für Sie greifbar? Kommen Sie an die Jugendlichen ran?

Pater Oliver: Ja, klar. Ich arbeite mit ihnen hier zusammen. Einer von ihnen macht jetzt hier bei mir die Ausbildung zum Kaufmann. Man kann natürlich nicht die ganze Welt retten, aber zumindest können wir daran punktuell arbeiten. Ich versuche schon mit ihnen zu arbeiten.

domradio.de: Wenn die Bundeskanzlerin vorbeikommt, was erwarten Sie sich davon?

Pater Oliver: Die Bundeskanzlerin kann keine Kommunalpolitik machen, das ist mir völlig klar. Wichtig wäre mir einfach noch einmal, dass sie versteht, was die Menschen hier bewegt, wo der Schuh drückt. Dass sie sich hier oft auch alleine gelassen fühlen, dass die Stadt eben in ganz vielen Punkten einfach hoffnungslos überfordert ist mit der Situation und an bestimmten Punkten müsste der Bund einfach einspringen. Das wäre sehr sicher so eine Botschaft, die man vermitteln kann. Auf der anderen Seite wäre sicher auch eine Botschaft, die wir ihr mit auf den Weg geben wollen, dass sich unglaublich viele Menschen ehrenamtlich engagieren, anpacken, was tun, was machen. Das ist auch ein Pfund, das im Ruhrgebiet hier eine besondere Rolle spielt.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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