Weihbischof Dieter Geerlings
Weihbischof Geerlings

25.03.2015

Münsteraner Weihbischof leistet Seelsorge in Haltern "Empörung und Klage zulassen"

Der Münsteraner Weihbischof Dieter Geerlings war am Dienstag und Mittwoch in Haltern um den Trauernden geistlichen Beistand zu geben. Im Interview spricht er über die schwierige Aufgabe, in einer solchen Situation Trost zu spenden.

domradio.de: Herr Weihbischof, Sie waren noch am Abend in Haltern?

Weihbischof Geerlings: Ja, ich bin dorthin gefahren, um mein Mitgefühl und meine Anteilnahme auszudrücken. Ich habe in der Sixtuskirche vor dem Haltener Wallfahrtskreuz Kerzen angezündet in Gedenken an die Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen, die ums Leben gekommen sind. Um Anteil zu nehmen am Leid der Eltern und natürlich der Kolleginnen und Kollegen in der Schule.

domradio.de: Heute hat es eine Gedenkfeier in der Schule gegeben?

Weihbischof Geerlings: Es war eine Gedenkfeier mit allen Schülerinnen und Schülern. Schulministerin Löhrmann war da. Sie hat eine Rede gehalten und ihre Anteilnahme ausgedrückt. Ich habe dort berichtet von der Feier am Vorabend in der St. Sixtuskirche. Ich habe dann auch ein Gebet gesprochen, das mir am Vorabend auf dem Rückweg nach Münster in den Sinn gekommen war. Weil natürlich auch die Frage nach dem Warum im Raum steht. Welche Rolle spielt Gott?

domradio.de: Kann es überhaupt Trost geben in einer solchen Situation?

Weihbischof Geerlings: Es kann im ersten Moment keinen Trost geben. Es geht erst einmal darum, die Befindlichkeit zur Sprache bringen zu können. Die ist bei jedem Menschen anders. Die einen weinen, die anderen ziehen sich schweigend zurück. Es geht darum, einen Akzent zu setzen und auch die Frage nach Gott zu stellen. Und den Betroffenen zu zeigen: In so einem Moment habe ich diese Fragen als Bischof genauso, wie ihr sie als Schüler habt. Darum geht es.

domradio.de: Sie werden auch mit den betroffenen Eltern sprechen?

Weihbischof Geerlings: Es wiegt bei Eltern doppelt schwer, seine eigenen Kinder als Tote zu haben, weil damit ein Stück Zukunft abgeschnitten ist. Manchmal kann man die Betroffenen dann einfach nur in die Arme nehmen und mit ihnen um die Opfer weinen. Es geht jetzt nicht darum, theologische Erklärungen abzugeben. Man muss die Empörung, Anklage und Klage zulassen und aufgreifen. Das ist das Allerwichtigste. Irgendwo und irgendwann wird es auch wieder einen Weg in die Normalität geben müssen. Aber der ist im Moment nicht möglich.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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