"Vorhof der Völker" in Berlin
"Vorhof der Völker" in Berlin

28.11.2013

"Ein Dialog, der über den heutigen Tag hinausgeht" "Vorhof der Völker" in Berlin beendet

Eine positive Bilanz zum "Vorhof der Völker" haben der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz gezogen. Glaubende und Nicht-Glaubende hatten sich in Berlin versammelt, um über Themen zu sprechen, die alle gleichermaßen angehen.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, Kardinal Gianfranco Ravasi, der Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zeigten sich beeindruckt von den Diskussionen und Begegnungen: "Dankbar blicken wir auf die Tage des Vorhofs der Völker hier in Berlin. Tiefgehende Gespräche, kontroverse Diskussionen und anregende Dialoge zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, Zweifelnden, Suchenden und Fragenden durften wir miterleben. Es waren Leuchtturmveranstaltungen an exemplarischen Orten unserer Hauptstadt – im Roten Rathaus, in der Charité, im Deutschen Theater und im Bode-Museum."

Erzbischof Zollitsch betonte in seiner Schlussbilanz, dass der Dialog mit dem "Vorhof der Völker" "weder begonnen wurde und schon gar nicht wird er mit dem heutigen Tag enden. Vielmehr haben wir Fragen aufgegriffen, die an zahlreichen Orten in unseren Städten und Gemeinden mit großer Ernsthaftigkeit beleuchtet und diskutiert werden. Ich denke an unsere Katholischen Akademien, Bildungswerke und nicht weniger die Katholikentage, die sich als Foren des verbindlichen Austauschs verstehen und nach den rechten Wegen für unsere Gesellschaft in die Zukunft suchen." Ausdrücklich nannte Erzbischof Zollitsch auch den Religionsunterricht, "an dem eine nicht zu unterschätzende Zahl an bekenntnislosen Kindern teilnimmt: Dort haben heute Fragen der Art, wie wir sie in diesen Tagen gestellt und zu beantworten versucht haben, ihren festen Platz. Und nicht zuletzt spielt sich das Zweifeln, Fragen, Ringen zwischen Glaube und Nichtglaube auch in uns selbst ab. Davon zeugen die Viten großer und beeindruckender Heiliger."

Kardinal Woelki zeigte sich ebenfalls dankbar für die Vielfältigkeit der Diskussionen beim "Vorhof der Völker", der gerade für die Bundeshauptstadt Berlin eine große Bedeutung habe: "Besonders beeindruckt hat mich die immer sehr ehrliche und persönliche Diskussion. Keiner der Teilnehmer hat sich hinter Schablonen und vorgefertigten Positionen versteckt, alle haben sehr offen über ihren Glauben oder ihren Nicht-Glauben gesprochen und sich damit natürlich auch angreifbar gemacht. Ich danke für die sehr engagierte Beteiligung und werte dies als ein Zeichen des Vertrauens."

Ravasi: Schläfrigkeit in der Moral

In seiner Predigt zum Abschluss des "Vorhof der Völker" ermutigte Kardinal Ravasi, sich an der Heiligen Schrift zu orientieren, die Mut mache und zur Suche nach Gott auffordere. Auch wenn der Alltag oft schwer sei, fordere Christus unmissverständlich auf: "Erhebt euch, richtet den Kopf auf. Der Messias zielt auf eine vor allem in unserer Zeit verbreitete Krankheit: die geistliche Gleichgültigkeit, den Götzendienst an den Dingen, die banale Oberflächlichkeit, die Schläfrigkeit in der Moral, oder auch Mutlosigkeit und Trägheit. Das Evangelium wiederholt uns die Aufforderung, wach zu bleiben und Ausschau zu halten, zum Kampf bereit zu sein, die augustinische Unruhe des suchenden, bebenden, sich befragenden Gewissens zu bewahren", so Kardinal Ravasi. Zu dieser Unruhe und dem steten Suchen habe auch der "Vorhof der Völker" in Berlin beigetragen.

Kardinal Ravasi, Kardinal Woelki und Erzbischof Zollitsch betonten übereinstimmend, dass in Berlin intensiv der Frage nachgegangen worden sei, ob der Glaube an Gott eine Minderung oder Bedrohung der Freiheit oder erst deren Ermöglichung darstelle: "Diese Frage sucht ihre Bewährung im Gespräch über konkrete Freiheitserfahrungen zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden und über die reale Freiheitsgeschichte der Menschen mit und ohne Gott. In Berlin gab es keine abschließenden Antworten, aber neue Einsichten. Als Glaubende vertrauen wir darauf, dass sich Gott von uns nicht nur suchen, sondern auch finden lässt. Mehr noch: Gott selbst sucht uns auf, geht auf uns zu; ja, wird – was wir an Weihnachten feiern – einer von uns. Er sucht geradezu unsere Nähe. Ob wir ihn in unser Herz, in unser Leben einlassen, bleibt die freie Entscheidung jedes einzelnen."

Der "Vorhof der Völker" wurde von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Erzbistum Berlin und dem Päpstlichen Rat für die Kultur in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie des Erzbistums Berlin und der Romano-Guardini-Stiftung durchgeführt.

(DBK)

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